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«Junger Ma
«Ich verstehe nicht, was Sie damit meinen«, antwortete ich unsicher.
«Natürlich verstehen Sie«, entgegnete Stüssi-Leupin; —»sonst wären Sie nicht zu mir gekommen. Machen wir einmal das Spiel Kohlers mit. Einmal angenommen, er sei nicht der Mörder, ist ein anderer Mörder verdammt leicht zu finden. Es ka
Stüssi-Leupin hielt sein Glas gegen das Licht der Stehlampe. Vom Städtchen her tutete es herauf, minutenlang, nach den stehenden Lichtern der Scheinwerfer zu schließen, hatten sich die Autokolo
Stüssi-Leupin lachte:»Ausgerechnet einem Grünschnabel wie Ihnen muß der schönste Revisionsprozeß des Jahrhunderts in den Schoß fallen.»
«Ich habe keinen Auftrag, einen Revisionsprozeß zu führen«, sagte ich.
«Der Auftrag, den Sie angenommen haben, führt dazu.»
«Kohler hat Winter ermordet«, stellte ich fest.
Stüssi-Leupin wunderte sich.»Na und?«sagte er.»Sind Sie dabeigewesen?»
Hinten im Raum kam eine schwarze Gestalt die Holztreppe herunter und hinkte auf uns zu.
Beim Näherkommen erka
«Ihre Frau hat die Letzte Ölung bekommen«, sagte er.
«In Ordnung«, sagte Stüssi-Leupin.
«Ich werde für sie beten«, versicherte der Priester.
«Für wen?«fragte Stüssi-Leupin.
«Für Ihre Frau«, präzisierte der Priester.
«Ihr Beruf«, antwortete Stüssi-Leupin gleichgültig und schaute auch nicht hin, als der Priester etwas murmelte und dem Ausgang zuhinkte, wo ihm die Hausdame, die auch mich hereingelassen hatte, die Türe öffnete.
«Meine Frau liegt im Sterben«, meinte Stüssi-Leupin beiläufig und trank sein Glas aus.
«Unter diesen Umständen…«, stammelte ich und erhob mich.
«Mein Gott, Spät, sind Sie zimperlich«, sagte Stüssi-Leupin.»Nehmen Sie wieder Platz!»
Ich setzte mich, er schenkte sich neu ein. Die Glaswände versanken in die Erde, die Scheinwerfer erloschen, wir saßen wieder im Freien.
Stüssi-Leupin starrte vor sich hin.
«Meine Frau hat die Größe, mir die Tortur zu ersparen, ihrem Sterben beizuwohnen«, sagte er, und es klang gleichgültig,»dazu ist der Priester bei ihr gewesen, und jetzt sind der Arzt und eine Krankenschwester bei ihr. Meine Frau, Spät, sie ist nicht nur saulebenslustig gewesen, saureich und saukatholisch, sie ist auch sauschön. Komisch, unser Schweizerdeutsch. Sie hat mich ein Leben lang betrogen. Der Arzt, der bei ihr sitzt, ist ihr letzter Liebhaber gewesen. Aber ich verstehe sie. Ein Ma
Er lachte vor sich hin, wechselte da
Ich sei ein Narr, meinte er, ich hielte Dr. Isaak Kohler für schuldig. Er, Stüssi-Leupin, auch. Zwar widersprächen sich alle Zeugen, zwar sei die Mordwaffe nie gefunden worden, zwar fehle ein Motiv. Trotzdem. Wir hielten ihn für schuldig. Warum? Weil der Mord in einem überfüllten Restaurant geschehen sei. Die Anwesenden hätten es irgendwie bemerkt, auch we
Stüssi-Leupin überlegte.
«Sie haben den falschen Schluß gezogen«, sagte er da
«A la bande«, eri
«Und wie hat er gespielt?«fragte Stüssi-Leupin.
«Ich weiß nicht recht«, dachte ich nach.»Kohler hat die Kugel an die Umrandung gespielt, von dort ist die Kugel zurückgeprallt und hat Be
Stüssi-Leupin schenkte sich Wein ein.
«Kohler hat Winter erschossen, um Be
«Warum de
«Spät, Sie sind auch gar zu naiv«, wunderte sich Stüssi-Leupin.»Dabei hat Ihnen die Steierma
«Eine noch wahnwitzigere These als die Wahrheit«, sagte ich.»Die Steierma
«Eine realistischere These als die Wahrheit. Die ist meistens unglaubhaft«, entgegnete er.
«Ihre These wird kein Mensch abnehmen«, sagte ich.
«Die Wahrheit wird kein Mensch abnehmen«, antwortete er,»kein Richter, kein Geschworener, nicht einmal Jämmerlin. Sie spielt sich in Etagen ab, die für die Justiz unerreichbar sind. Die einzige These, die der Justiz einleuchten wird, kommt es zum Revisionsprozeß, ist die, daß Dr. Be
«Auch we
«Stört Sie das?«antwortete er.»Auch seine Unschuld ist eine These. Er ist der einzige, der den Revolver hätte verschwinden lassen kö
Das Telefon läutete. Er nahm es ab, legte wieder auf.
«Meine Frau ist tot«, sagte er.
«Mein Beileid«, stammelte ich.
«Nicht der Rede wert«, sagte er.
Er wollte sich wieder Wein einschenken, aber die Flasche war leer. Ich stand auf und schenkte ihm ein, stellte meine Flasche neben die seine.
«lch muß noch fahren«, sagte ich.
«Verstehe«, antwortete er,»der Porsche hat auch gekostet.»
Ich setzte mich nicht mehr.»Ich übernehme den Revisionsprozeß nicht, Herr Stüssi-Leupin, und auch mit dem Auftrag will ich nichts mehr zu tun haben. Ich vernichte die Ermittlungen«, erklärte ich. j
Er hielt sein Glai gegen die Stehlampe.
«Wieviel beträgt der Vorschuß?«fragte er.
«Fünfzehntausend und zehntausend als Spesen.»
Die Treppe kam ein Ma
«Sie werden Mühe haben, das abzustottern«, meinte Stüssi-Leupin:»Wieviel im ganzen?»
«Dreißigtausend und die Spesen«, antwortete ich.
«Ich biete Ihnen vierzigtausend, und Sie übergeben mir, was Sie ermittelt haben.»
Ich zögerte.
«Sie wollen den Revisionsprozeß führen.»
Er betrachtete immer noch sein Glas mit dem roten Talbot.»Meine Angelegenheit. Verkaufen Sie mir nun die Papiere?»
«Ich muß wohl«, antwortete ich.
Er trank das Glas aus.»Sie müssen nicht, Sie wollen. «Da
«Stüssi-Leupin«, sagte ich und fühlte mich gleichwertig,»kommt es zum Prozeß, werd ich Be
Ich ging. Als ich den Schatten eines Findlings erreicht hatte, sagte er noch:»Sie sind nicht dabeigewesen, hämmern Sie sich das ein, Spät, Sie sind nicht dabeigewesen, und ich bin nicht dabeigewesen.»
Da
… Dr.h.c. Isaak Kohler hat mir telegrafisch seine Ankunft angezeigt: Er wird übermorgen um 22 Uhr 15 von Singapur kommend landen, und ich werde ihn erschießen, und da