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In jedem Nu begi
— Oh ihr Schalks-Narren und Drehorgeln! antwortete Zarathustra und lächelte wieder, wie gut wisst ihr, was sich in sieben Tagen erfüllen musste:
— und wie jenes Unthier mir in den Schlund kroch und mich würgte! Aber ich biss ihm den Kopf ab und spie ihn weg von mir.
Und ihr, — ihr machtet schon ein Leier-Lied daraus? Nun aber liege ich da, müde noch von diesem Beissen und Wegspein, krank noch von der eigenen Erlösung.
Und ihr schautet dem Allen zu? Oh meine Thiere, seid auch ihr grausam? Habt ihr meinem grossen Schmerze zuschaun wollen, wie Menschen thun? Der Mensch nämlich ist das grausamste Thier.
Bei Trauerspielen, Stierkämpfen und Kreuzigungen ist es ihm bisher am wohlsten geworden auf Erden; und als er sich die Hölle erfand, siehe, da war das sein Himmel auf Erden.
We
Der kleine Mensch, sonderlich der Dichter — wie eifrig klagt er das Leben in Worten an! Hört hin, aber überhört mir die Lust nicht, die in allem Anklagen ist!
Solche Ankläger des Lebens: die überwindet das Leben mit einem Augenblinzeln.»Du liebst mich? sagt die Freche; warte noch ein Wenig, noch habe ich für dich nicht Zeit.»
Der Mensch ist gegen sich selber das grausamste Thier; und bei Allem, was sich» Sünder «und» Kreuzträger «und» Büsser «heisst, überhört mir die Wollust nicht, die in diesem Klagen und Anklagen ist!
Und ich selber — will ich damit des Menschen Ankläger sein? Ach, meine Thiere, Das allein lernte ich bisher, dass dem Menschen sein Bösestes nöthig ist zu seinem Besten,
— dass alles Böseste seine beste Kraft ist und der härteste Stein dem höchsten Schaffenden; und dass der Mensch besser und böser werden muss:
Nicht an diess Marterholz war ich geheftet, dass ich weiss: der Mensch ist böse, — sondern ich schrie, wie noch Niemand geschrien hat:
«Ach dass sein Bösestes so gar klein ist! Ach dass sein Bestes so gar klein ist!»
Der grosse überdruss am Menschen — der würgte mich und war mir in den Schlund gekrochen: und was der Wahrsager wahrsagte:»Alles ist gleich, es lohnt sich Nichts, Wissen würgt.»
Eine lange Dämmerung hinkte vor mir her, eine todesmüde, todestrunkene Traurigkeit, welche mit gähnendem Munde redete.
«Ewig kehrt er wieder, der Mensch, dess du müde bist, der kleine Mensch«— so gähnte meine Traurigkeit und schleppte den Fuss und ko
Zur Höhle wandelte sich mir die Menschen-Erde, ihre Brust sank hinein, alles Lebendige ward mir Menschen-Moder und Knochen und morsche Vergangenheit.
Mein Seufzen sass auf allen Menschen-Gräbern und ko
«ach, der Mensch kehrt ewig wieder! Der kleine Mensch kehrt ewig wieder!»
Nackt hatte ich einst Beide gesehn, den grössten Menschen und den kleinsten Menschen: allzuähnlich einander, — allzumenschlich auch den Grössten noch!
Allzuklein der Grösste! — Das war mein überdruss am Menschen! Und ewige Wiederkunft auch des Kleinsten! — Das war mein überdruss an allem Dasein!
Ach, Ekel! Ekel! Ekel! — Also sprach Zarathustra und seufzte und schauderte; de
«Sprich nicht weiter, du Genesender! — so antworteten ihm seine Thiere, sondern geh hinaus, wo die Welt auf dich wartet gleich einem Garten.
Geh hinaus zu den Rosen und Bienen und Taubenschwärmen! Sonderlich aber zu den Singe-Vögeln: dass du ihnen das Singen ablernst!
Singen nämlich ist für Genesende; der Gesunde mag reden. Und we
«Oh ihr Schalks-Narren und Drehorgeln, so schweigt doch! — antwortete Zarathustra und lächelte über seine Thiere. Wie gut ihr wisst, welchen Trost ich mir selber in sieben Tagen erfand!
Dass ich wieder singen müsse, — den Trost erfand ich mir und diese Genesung: wollt ihr auch daraus gleich wieder ein Leier-Lied machen?»
«Sprich nicht weiter, antworteten ihm abermals seine Thiere; lieber noch, du Genesender, mache dir erst eine Leier zurecht, eine neue Leier!
De
Singe und brause über, oh Zarathustra, heile mit neuen Liedern deine Seele: dass du dein grosses Schicksal tragest, das noch keines Menschen Schicksal war!
De
Dass du als der Erste diese Lehre lehren musst, — wie sollte diess grosse Schicksal nicht auch deine grösste Gefahr und Krankheit sein!
Siehe, wir wissen, was du lehrst: dass alle Dinge ewig wiederkehren und wir selber mit, und dass wir schon ewige Male dagewesen sind, und alle Dinge mit uns.
Du lehrst, dass es ein grosses Jahr des Werdens giebt, ein Ungeheuer von grossem Jahre: das muss sich, einer Sanduhr gleich, immer wieder von Neuem umdrehn, damit es von Neuem ablaufe und auslaufe:
— so dass alle diese Jahre sich selber gleich sind, im Grössten und auch im Kleinsten, — so dass wir selber in jedem grossen Jahre uns selber gleich sind, im Grössten und auch im Kleinsten.
Und we
Du würdest sprechen und ohne Zittern, vielmehr aufathmend vor Seligkeit: de
«Nun sterbe und schwinde ich, würdest du sprechen, und im Nu bin ich ein Nichts. Die Seelen sind so sterblich wie die Leiber.
Aber der Knoten von Ursachen kehrt wieder, in den ich verschlungen bin, — der wird mich wieder schaffen! Ich selber gehöre zu den Ursachen der ewigen Wiederkunft.
Ich komme wieder, mit dieser So
— ich komme ewig wieder zu diesem gleichen und selbigen Leben, im Grössten und auch im Kleinsten, dass ich wieder aller Dinge ewige Wiederkunft lehre,
— dass ich wieder das Wort spreche vom grossen Erden— und Menschen-Mittage, dass — ich wieder den Menschen den übermenschen künde.
Ich sprach mein Wort, ich zerbreche an meinem Wort: so will es mein ewiges Loos —, als Verkündiger gehe ich zu Grunde!
Die Stunde kam nun, dass der Untergehende sich selber segnet. Also— endet Zarathustra's Untergang.»
Als die Thiere diese Worte gesprochen hatten, schwiegen sie und warteten, dass Zarathustra Etwas zu ihnen sagen werde: aber Zarathustra hörte nicht, dass sie schwiegen. Vielmehr lag er still, mit geschlossenen Augen, einem Schlafenden ähnlich, ob er schon nicht schlief: de
Von der grossen Sehnsucht
Oh meine Seele, ich lehrte dich» Heute «sagen wie» Einst «und» Ehemals «und über alles Hier und Da und Dort deinen Reigen hinweg tanzen.
Oh meine Seele, ich erlöste dich von allen Winkeln, ich kehrte Staub, Spi
Oh meine Seele, ich wusch die kleine Scham und die Winkel-Tugend von dir ab und überredete dich, nackt vor den Augen der So
Mit dem Sturme, welcher» Geist «heisst, blies ich über deine wogende See; alle Wolken blies ich davon, ich erwürgte selbst die Würgerin, die» Sünde «heisst.
Oh meine Seele, ich gab dir das Recht, Nein zu sagen wie der Sturm und Ja zu sagen wie offner Himmel Ja sagt: still wie Licht stehst du und gehst du nun durch verneinende Stürme.
Oh meine Seele, ich gab dir die Freiheit zurück über Erschaffnes und Unerschaffnes: und wer ke
Oh meine Seele, ich lehrte dich das Verachten, das nicht wie ein Wurmfrass kommt, das grosse, das liebende Verachten, welches am meisten liebt, wo es am meisten verachtet.
Oh meine Seele, ich lehrte dich so überreden, dass du zu dir die Gründe selber überredest: der So
Oh meine Seele, ich nahm von dir alles Gehorchen Kniebeugen und Herr-Sagen; ich gab dir selber den Namen» Wende der Noth «und» Schicksal».
Oh meine Seele, ich gab dir neue Namen und bunte Spielwerke, ich hiess dich» Schicksal «und» Umfang der Umfänge «und» Nabelschnur der Zeit «und» azurne Glocke».
Oh meine Seele, deinem Erdreich gab ich alle Weisheit zu trinken, alle neuen Weine und auch alle unvordenklich alten starken Weine der Weisheit.
Oh meine Seele, jede So
Oh meine Seele, überreich und schwer stehst du nun da, ein Weinstock mit schwellenden Eutern und gedrängten braunen Gold-Weintrauben:
— gedrängt und gedrückt von deinem Glücke, wartend vor überflusse und schamhaft noch ob deines Wartens.
Oh meine Seele, es giebt nun nirgends eine Seele, die liebender wäre und umfangender und umfänglicher! Wo wäre Zukunft und Vergangnes näher beisammen als bei dir?
Oh meine Seele, ich gab dir Alles, und alle meine Hände sind an dich leer geworden: — und nun! Nun sagst du mir lächelnd und voll Schwermuth:»Wer von uns hat zu danken?
— hat der Geber nicht zu danken, dass der Nehmende nahm? Ist Schenken nicht eine Nothdurft? Ist Nehmen nicht — Erbarmen?»
Oh meine Seele, ich verstehe das Lächeln deiner Schwermuth: dein über-Reichthum selber streckt nun sehnende Hände aus!
Deine Fülle blickt über brausende Meere hin und sucht und wartet; die Sehnsucht der über-Fülle blickt aus deinem lächelnden Augen-Himmel!
Und wahrlich, oh meine Seele! Wer sähe dein Lächeln und schmelze nicht vor Thränen? Die Engel selber schmelzen vor Thränen ob der über-Güte deines Lächelns.
Deine Güte und über-Güte ist es, die nicht klagen und weinen will: und doch sehnt sich, oh meine Seele, dein Lächeln nach Thränen und dein zitternder Mund nach Schluchzen.
«Ist alles Weinen nicht ein Klagen? Und alles Klagen nicht ein Anklagen?«Also redest du zu dir selber, und darum willst du, oh meine Seele, lieber lächeln, als dein Leid ausschütten.