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Begehren — das heisst mir schon: mich verloren haben. Ich habe euch, meine Kinder! In diesem Haben soll Alles Sicherheit und Nichts Begehren sein.
Aber brütend lag die So
Nach Frost und Winter gelüstete mich schon:»oh dass Frost und Winter mich wieder knacken und knirschen machten!«seufzte ich: — da stiegen eisige Nebel aus mir auf.
Meine Vergangenheit brach ihm Gräber, manch lebendig begrabner Schmerz wachte auf —: ausgeschlafen hatte er sich nur, versteckt in Leichen-Gewänder.
Also rief mir Alles in Zeichen zu:»es ist Zeit!«— Aber ich — hörte nicht: bis endlich mein Abgrund sich rührte und mein Gedanke mich biss.
Ach, abgründlicher Gedanke, der du mein Gedanke bist! Wa
Bis zur Kehle hinauf klopft mir das Herz, we
Noch wagte ich niemals, dich herauf zu rufen: genug schon, dass ich dich mit mir — trug! Noch war ich nicht stark genug zum letzten Löwen-übermuthe und — Muthwillen.
Genug des Furchtbaren war mir immer schon deine Schwere: aber einst soll ich noch die Stärke finden und die Löwen-Stimme, die dich herauf ruft!
We
Inzwischen treibe ich noch auf ungewissen Meeren; der Zufall schmeichelt mir, der glattzüngige; vorwärts und rückwärts schaue ich —, noch schaue ich kein Ende.
Noch kam mir die Stunde meines letzten Kampfes nicht, — oder kommt sie wohl mir eben? Wahrlich, mit tückischer Schönheit schaut mich rings Meer und Leben an!
Oh Nachmittag meines Lebens! Oh Glück vor Abend! Oh Hafen auf hoher See! Oh Friede im Ungewissen! Wie misstraue ich euch Allen!
Wahrlich, misstrauisch bin ich gegen eure tückische Schönheit! Dem Liebenden gleiche ich, der allzusammtenem Lächeln misstraut.
Wie er die Geliebteste vor sich her stösst, zärtlich noch in seiner Härte, der Eifersüchtige—, also stosse ich diese selige Stunde vor mir her.
Hinweg mit dir, du selige Stunde! Mit dir kam mir eine Seligkeit wider Willen! Willig zu meinem tiefsten Schmerze stehe ich hier: — zur Unzeit kamst du!
Hinweg mit dir, du selige Stunde! Lieber nimm Herberge dort — bei meinen Kindern! Eile! und segne sie vor Abend noch mit meinem Glücke!
Da naht schon der Abend: die So
Also sprach Zarathustra. Und er wartete auf sein Unglück die ganze Nacht: aber er wartete umsonst. Die Nacht blieb hell und still, und das Glück selber kam ihm immer näher und näher. Gegen Morgen aber lachte Zarathustra zu seinem Herzen und sagte spöttisch:»das Glück läuft mir nach. Das kommt davon, dass ich nicht den Weibern nachlaufe. Das Glück aber ist ein Weib.»
Vor So
Oh Himmel über mir, du Reiner! Tiefer! Du Licht-Abgrund! Dich schauend schaudere ich vor göttlichen Begierden.
In deine Höhe mich zu werfen — das ist meine Tiefe! In deine Reinheit mich zu bergen — das ist meine Unschuld!
Den Gott verhüllt seine Schönheit: so verbirgst du deine Sterne. Du redest nicht: so kündest du mir deine Weisheit.
Stumm über brausendem Meere bist du heut mir aufgegangen, deine Liebe und deine Scham redet Offenbarung zu meiner brausenden Seele.
Dass du schön zu mir kamst, verhüllt in deine Schönheit, dass du stumm zu mir sprichst, offenbar in deiner Weisheit:
Oh wie erriethe ich nicht alles Schamhafte deiner Seele! Vor der So
Wir sind Freunde von Anbegi
Wir reden nicht zu einander, weil wir zu Vieles wissen —: wir schweigen uns an, wir lächeln uns unser Wissen zu.
Bist du nicht das Licht zu meinem Feuer? Hast du nicht die Schwester-Seele zu meiner Einsicht?
Zusammen lernten wir Alles; zusammen lernten wir über uns zu uns selber aufsteigen und wolkenlos lächeln:
— wolkenlos hinab lächeln aus lichten Augen und aus meilenweiter Ferne, we
Und wanderte ich allein: wes hungerte meine Seele in Nächten und Irr-Pfaden? Und stieg ich Berge, wen suchte ich je, we
Und all mein Wandern und Bergsteigen: eine Noth war's nur und ein Behelf des Unbeholfenen: — fliegen allein will mein ganzer Wille, in dich hinein fliegen!
Und wen hasste ich mehr, als ziehende Wolken und Alles, was dich befleckt? Und meinen eignen Hass hasste ich noch, weil er dich befleckte!
Den ziehenden Wolken bin ich gram, diesen schleichenden Raub-Katzen: sie nehmen dir und mir, was uns gemein ist, — das ungeheure unbegrenzte Ja— und Amen-sagen.
Diesen Mittlern und Mischern sind wir gram, den ziehenden Wolken: diesen Halb— und Halben, welche weder segnen lernten, noch von Grund aus fluchen.
Lieber will ich noch unter verschlossnem Himmel in der To
Und oft gelüstete mich, sie mit zackichten Blitz-Golddrähten festzuheften, dass ich, gleich dem Do
— ein zorniger Paukenschläger, weil sie mir dein Ja! und Amen! rauben, du Himmel über mir, du Reiner! Lichter! Du Licht-Abgrund! — weil sie dir mein Ja! und Amen! rauben.
De
Und» wer nicht segnen ka
Ich aber bin ein Segnender und ein Ja-sager, we
Zum Segnenden bin ich worden und zum Ja-sagenden: und dazu rang ich lange und war ein Ringer, dass ich einst die Hände frei bekäme zum Segnen.
Das aber ist mein Segnen: über jedwedem Ding als sein eigener Himmel stehn, als sein rundes Dach, seine azurne Glocke und ewige Sicherheit: und selig ist, wer also segnet!
De
Wahrlich, ein Segnen ist es und kein Lästern, we
«Von Ohngefähr«— das ist der älteste Adel der Welt, den gab ich allen Dingen zurück, ich erlöste sie von der Knechtschaft unter dem Zwecke.
Diese Freiheit und Himmels-Heiterkeit stellte ich gleich azurner Glocke über alle Dinge, als ich lehrte, dass über ihnen und durch sie kein» ewiger Wille«— will.
Diesen übermuth und diese Narrheit stellte ich an die Stelle jenes Willens, als ich lehrte:»bei Allem ist Eins unmöglich — Vernünftigkeit!»
Ein Wenig Vernunft zwar, ein Same der Weisheit zerstreut von Stern zu Stern, — dieser Sauerteig ist allen Dingen eingemischt: um der Narrheit willen ist Weisheit allen Dingen eingemischt!
Ein Wenig Weisheit ist schon möglich; aber diese selige Sicherheit fand ich an allen Dingen: dass sie lieber noch auf den Füssen des Zufalls — tanzen.
Oh Himmel über mir, du Reiner! Hoher! Das ist mir nun deine Reinheit, dass es keine ewige Vernunft-Spi
— dass du mir ein Tanzboden bist für göttliche Zufälle, dass du mir ein Göttertisch bist für göttliche Würfel und Würfelspieler!
Doch du erröthest? Sprach ich Unaussprechbares? Lästerte ich, indem ich dich segnen wollte?
Oder ist es die Scham zu Zweien, welche dich erröthen machte? — Heissest du mich gehn und schweigen, weil nun — der Tag kommt?
Die Welt ist tief —: und tiefer als je der Tag gedacht hat. Nicht Alles darf vor dem Tage Worte haben. Aber der Tag kommt: so scheiden wir nun!
Oh Himmel über mir, du Schamhafter! Glühender! Oh du mein Glück vor So
Also sprach Zarathustra.
Von der verkleinernden Tugend
1
Als Zarathustra wieder auf dem festen Lande war, gieng er nicht stracks auf sein Gebirge und seine Höhle los, sondern that viele Wege und Fragen und erkundete diess und das, also, dass er von sich selber im Scherze sagte:»siehe einen Fluss, der in vielen Windungen zurück zur Quelle fliesst!«De
Was bedeuten diese Häuser? Wahrlich, keine grosse Seele stellte sie hin, sich zum Gleichnisse!
Nahm wohl ein blödes Kind sie aus seiner Spielschachtel? Dass doch ein anderes Kind sie wieder in seine Schachtel thäte!
Und diese Stuben und Kammern: kö
Und Zarathustra blieb stehn und dachte nach. Endlich sagte er betrübt:»Es ist Alles kleiner geworden!»
überall sehe ich niedrigere Thore: wer meiner Art ist, geht da wohl noch hindurch, aber — er muss sich bücken!
Oh wa
Desselbigen Tages aber redete er seine Rede über die verkleinernde Tugend.
2
Ich gehe durch diess Volk und halte meine Augen offen: sie vergeben mir es nicht, dass ich auf ihre Tugenden nicht neidisch bin.
Sie beissen nach mir, weil ich zu ihnen sage: für kleine Leute sind kleine Tugenden nöthig — und weil es mir hart eingeht, dass kleine Leute nöthig sind!
Noch gleiche ich dem Hahn hier auf fremdem Gehöfte, nach dem auch die He
Ich bin höflich gegen sie wie gegen alles kleine Aergerniss; gegen das Kleine stachlicht zu sein dünkt mich eine Weisheit für Igel.
Sie reden Alle von mir, we
Diess ist die neue Stille, die ich lernte: ihr Lärm um mich breitet einen Mantel über meine Gedanken.