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Richard brachte mich häufig mit andern jungen Leuten zusammen, Studenten, Musikanten, Malern, Literaten, allerlei Ausländern, de

Freundschaften schloß ich keine mehr, da ich Richard ausschließlich und mit Eifersucht liebte. Auch den Frauen, mit denen er viel und vertraut umging, suchte ich ihn zu entziehen. Die kleinsten mit ihm getroffenen Verabredungen hielt ich peinlich genau und war empfindlich, we

»Warum bist du de

»Ich bin gewohnt, mein Wort pünktlich zu halten«, antwortete ich heftig. »Aber freilich bin ich auch daran gewöhnt, daß du dir wenig daraus machst, mich irgendwo auf dich warten zu wissen. We

Er sah mich mit maßlosem Erstaunen an.

»Ja, so ernst nimmst du jede Bagatelle?«

»Meine Freundschaft ist mir keine Bagatelle.«

zitierte Richard feierlich, faßte mich um den Kopf, rieb nach orientalischem Liebesbrauch seine Nasenspitze an der meinen und liebkoste mich, bis ich ärgerlich lachend mich ihm entzog; die Freundschaft aber war wieder heil.

In meiner Mansarde lagen in entlehnten, oft kostbaren Bänden die modernen Philosophen, Dichter und Kritiker, literarische Revuen aus Deutschland und Frankreich, neue Theaterstücke, Pariser Feuilletons und Wiener Modeästheten. Ernster und liebevoller als mit diesen rasch gelesenen Sachen beschäftigte ich mich mit meinen altitalienischen Novellisten und mit historischen Studien. Mein Wunsch war, baldmöglichst die Philologie beiseite zu legen und einzig Geschichte zu studieren.

Neben Werken über Gesamtgeschichte und historische Methode las ich namentlich Quellen und Monographien über die Zeit des Spätmittelalters in Italien und Frankreich. Dabei lernte ich zum erstenmal meinen Liebling unter den Menschen, Franz von Assisi, den seligsten und göttlichsten aller Heiligen, genauer ke

Eines So

»Das hier«, sagte er und deutete auf den Malernamen in der Ecke. Ich ko

»Ke

»Jawohl. We

Richard vergaß die Sache wieder und kam erst ein paar Wochen später darauf zurück.

»Ich bin gestern der Aglietti begegnet. Wir wollten sie ja eigentlich neulich schon besuchen. Also komm! Du hast doch einen reinen Kragen? Sie sieht nämlich darauf.«

Der Kragen war rein, und wir gingen zusammen zur Aglietti, ich mit einigem i

Etwas befangen trat ich in das Atelier. Mit der Luft der Malerwerkstätten war ich zwar wohlvertraut, doch betrat ich jetzt zum erstenmal ein Frauenatelier. Es sah recht nüchtern und sehr ordentlich aus. Drei oder vier fertige Bilder hingen in Rahmen, eines stand noch kaum ganz untermalt auf der Staffelei. Den Rest der Wände bedeckten sehr saubere, appetitlich aussehende Bleistiftskizzen und ein halbleerer Bücherschrank. Die Malerin nahm unsre Begrüßung kühl entgegen. Sie legte den Pinsel weg und lehnte sich im Malschurz gegen den Schrank, und es sah aus, als verlöre sie nicht gerne viel Zeit an uns.

Richard machte ihr ungeheuerliche Komplimente über das ausgestellte Bild. Sie lachte ihn aus und verbat es sich.

»Aber Fräulein, ich ko

»Ziegen? Natürlich Ziegen! Von einem Studium, wollte ich sagen, das mich verblüfft hat. Es sind Ziegen, wie sie leben, so recht ziegenmäßig. Fragen Sie meinen Freund Camenzind, der selbst ein Sohn der Berge ist; er wird mir recht geben.«

Hier fühlte ich, während ich verlegen und belustigt dem Geschwätz zuhörte, mich vom Blick der Malerin überflogen und gemustert. Sie sah mich lange und unbefangen an. »Sie sind Oberländer?« »Ja, Fräulein.«

»Man sieht es. Nun, und was halten Sie von meinen Ziegen?« »Oh, sie sind gewiß sehr gut. Wenigstens hab ich sie nicht für Kühe gehalten wie Richard.« »Sehr gütig. Sie sind Musiker?« »Nein, Student.«

Weiter sprach sie kein Wort mit mir, und ich fand nun Ruhe, sie zu betrachten. Die Gestalt war durch den langen Schurz verdeckt und entstellt, und das Gesicht erschien mir nicht schön. Der Schnitt war scharf und knapp, die Augen ein wenig streng, das Haar reich, schwarz und weich; was mich störte und fast abstieß, war die Farbe des Gesichts. Sie eri

Auch Richard war vom heutigen Besuch verstimmt. Desto mehr war ich erstaunt oder eigentlich erschrocken, als er mir nach einiger Zeit mitteilte, die Aglietti wäre froh, mich zeichnen zu dürfen. Es handle sich nur um ein paar Skizzen, das Gesicht brauche sie nicht, aber meine breite Figur habe etwas Typisches.

Ehe weiter hiervon die Rede war, kam ein anderes kleines Ereignis, das mein ganzes Leben geändert und für Jahre meine Zukunft bestimmt hat. Eines Morgens, da ich erwachte, war ich Schriftsteller geworden.

Auf das Drängen Richards hatte ich, rein als Stilübungen, gelegentlich Typen aus unsrem Kreis, kleine Erlebnisse, Gespräche und anderes skizzenhaft und möglichst treu dargestellt, auch einige Essays über Literarisches und Historisches geschrieben.

Eines Morgens nun, ich lag noch im Bette, trat Richard bei mir ein und legte fünfunddreißig Franken auf meine Bettdecke. »Das gehört dir«, sagte er im Geschäftston. Endlich, als ich im Fragen alle Vermutungen erschöpft hatte, zog er ein Zeitungsblatt aus der Tasche und zeigt mir darin eine meiner kleinen Novellen abgedruckt. Er hatte mehrere meiner Manuskripte abgeschrieben, einem ihm befreundeten Redakteur gebracht und in aller Stille für mich verkauft. Das erste, was gedruckt war, samt dem Honorar dafür hielt ich nun in Händen.

Mir war nie so sonderbar zumut. Eigentlich ärgerte ich mich über Richards Vorsehungspielen, aber der süße erste Schreiberstolz und das schöne Geld und der Gedanke an einen etwaigen kleinen Literatenruhm war doch stärker und überwog schließlich.

In einem Café brachte mich mein Freund mit dem Redakteur zusammen. Er bat, die ihm von Richard gezeigten anderen Arbeiten behalten zu dürfen, und lud mich ein, ihm je und je neue zu schicken. Es sei ein eigener Ton in meinen Sachen, besonders in den historischen, deren er gerne mehr bekomme und die er mir ordentlich bezahlen wolle. Nun sah ich erst die Wichtigkeit der Sache. Ich würde nicht nur täglich ordentlich essen und meine kleinen Schulden bezahlen, sondern auch das Zwangsstudium wegwerfen und vielleicht in Bälde, auf meinem Lieblingsfelde arbeitend, ganz vom eigenen Erwerbe leben kö