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Der Schreiner, als er das ihm wohlbeka
»Was gibt's?« fragte ich.
»Mit Verlaub, ich sehe da ein Buch, das ich auch ke
»Studiert hab ich die Kundensprache auf der Landstraße«, erwiderte ich, »aber man schlägt schon gern einmal einen Ausdruck nach.«
»Wahrhaftig!« rief er. »Ja sind Sie de
»Nicht ganz so, wie Sie meinen. Aber gewandert bin ich genug und habe in mancher Pe
Er hatte unterdes die Bücher wieder aufgeschichtet und wollte gehen.
»Wo haben Sie sich de
»Von hier bis Koblenz und später noch auf Genf hinunter. Es war nicht meine schlechteste Zeit.«
»Haben Sie auch ein paarmal gebrummt?«
»Bloß einmal, in Durlach.«
»Sie müssen mir noch erzählen, we
»Nicht gern, Herr. Aber we
Einige Tage später, es war bei Elisabeth offener Abend, blieb ich auf der Straße stehen und besa
Da er überrascht und verlegen war, wandte ich mich den Kindern zu; sie flohen vor mir in die Küche zurück, und ich folgte nach. Da ich dort die Hausfrau eine Reisspeise bereiten sah, erwachten in mir die Eri
Die Schreinersfrau verwickelte midi an diesem Abend in so eingehende Gespräche über Küchenfragen, daß der Ma
Immer öfter kam ich wieder und vergaß bei dem Schreiner nicht nur den lumpigen Gesellschaftskram, sondern auch meine Traurigkeit und Nöte. Mir war, ich fände hier ein Stück Kindheit für mich aufbewahrt und setze hier das Leben fort, welches seinerzeit die Patres abgebrochen hatten, als sie mich auf Schulen schickten.
Über eine rissige und schweißgelbe Landkarte veralteten Stils gebückt, verfolgte der Schreiner mit mir seine und meine Fahrten, und wir freuten uns über jedes Stadttor und jede Gasse, die wir beide ka
Unter seinen Kindern fiel ein fünfjähriges Mädchen durch seine zarte Besonderheit auf. Sie hieß Agnes, doch rief man ihr Agi, war blond, blaß und von schmächtigen Gliedern, hatte schüchterne, weite Augen und eine sanfte Scheu im Wesen. Eines So
»Wo fehlt's, Meister?« fragte ich, als die Kinder weit genug weg waren. Er sah mir verloren und traurig ins Gesicht.
»Sehen Sie's de
Ich fing zu trösten an, doch hörte ich bald von selber auf.
»Sehen Sie«, lachte er traurig, »Sie glauben ja auch nicht daran, daß das Kind durchkommt. Ich bin kein Stündler, wissen Sie, und geh auch nur alle Jubeljahr einmal in die Kirche, aber das spür ich wohl, daß jetzt der Herrgott ein Wörtlein mit mir reden will, 's ist ja nur ein Kind, und gesund ist sie nie gewesen, aber weiß Gott, sie war mir lieber als die andern zusammen.«
Mit Gejodel und tausend kleinen Fragen kamen die Kinder dahergera
In den zwei nächsten Wochen ging es gut. Das Mädchen schien zu genesen, ko
»Es muß doch nächstens geschehen«, sagte er, »und da mach ich es lieber nach Feierabend für mich allein.«
Ich saß auf einer Hobelbank, während er an der anderen arbeitete. Als die Bretter sauber behobelt waren, zeigte er sie mir mit einer Art von Stolz. Es war ein schönes, gesund gewachsenes, fehlerloses Ta
»Ich will auch keinen Nagel hineinschlagen, sondern die Teile schön ineinanderpassen, daß es ein gutes und dauerhaftes Stück gibt. Aber für heute ist's genug, wir wollen zur Frau hinaufgehen.«
Die Tage vergingen, heiße, wundervolle Hochsommertage, und ich saß jeden Tag eine Stunde oder zwei bei der kleinen Agi, erzählte ihr von den schönen Wiesen und Wäldern, hielt ihr leichtes schmales Kinderhändlein in meiner breiten Hand und sog mit ganzer Seele die liebe, lichte Anmut ein, die bis zum letzten Tage um sie her war.
Alsda
Es kam die schlichte, kurze Feier der Beerdigung, und die beklommenen Abende, da die Kinder nebenan in ihren Betten weinten. Es kamen die schönen Gänge auf den Friedhof, wo wir das frische Grab bepflanzten und ohne zu sprechen beieinander auf der Bank in den kühlen Anlagen saßen und an die Agi dachten und mit anderen Augen als sonst die Erde betrachteten, in der unser Liebling lag, und die Bäume und den Rasen, die darüber wuchsen, und die Vögel, deren Spiel ungehemmt und fröhlich durch den stillen Friedhof klang.
Daneben ging der strenge Werktag seinen Lauf, die Kinder sangen wieder, balgten sich, lachten und wollten Geschichten hören, und wir alle gewöhnten uns unvermerkt daran, unsre Agi nimmer zu sehen und einen schönen, kleinen Engel im Himmel zu haben.
Über alledem hatte ich die Gesellschaften des Professors gar nicht mehr und das Haus Elisabeths nur wenigemal besucht, und da
Ich nahm für kurze Zeit Abschied und unternahm eine Fußreise durch den Schwarzwald, die Bergstraße und den Odenwald. Unterwegs war es mir ein ungewohntes Vergnügen, den Basler Schreinerskindern aus schönen Orten Ansichtskarten zu senden und überall mir vorzustellen, wie ich ihnen und ihrem Vater später von der Reise erzählen würde.
In Frankfurt beschloß ich, mir noch ein paar Reisetage zu gö