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Mir war klargeworden, daß ich der Malerin irgendwie Geständnisse machen und um sie werben müsse. Wäre sie mir ferngestanden, so hätte ich sie ruhig weiterhin verehrt und verschwiegene Schmerzen um sie gelitten. Aber sie fast täglich zu sehen, mit ihr zu reden, ihr die Hand zu geben und ihr Haus zu betreten, stets mit dem Stachel im Herzen, hielt ich nicht lange aus.
Es ward ein kleines Sommerfest von Künstlern und ihren Freunden veranstaltet. Es war am See, in einem hübschen Garten, ein reifer, weichlichlauer Hochsommerabend. Wir tranken Wein und Eiswasser, hörten der Musik zu und betrachteten die roten Papierlampen, die in langen Girlanden zwischen den Bäumen hingen. Es wurde geplaudert, gespottet, gelacht und schließlich gesungen. Irgendein lausiger Malerjüngling spielte den Romantischen, trug ein kühnes Barett, lag rücklings am Geländer hingestreckt und tändelte mit einer langhalsigen Gitarre. Die paar bedeutenderen Künstler fehlten entweder oder saßen ungesehen im Kreis der Älteren beiseite. Von den Frauenzimmern waren ein paar jüngere in lichten Sommerkleidern erschienen, die andern trieben sich in den gewohnten saloppen Kostümen herum. Namentlich fiel mir eine ältere, häßliche Studentin widerlich auf, sie trug einen Mä
Der See war glatt wie Öl und nächtig farblos. Ich trieb den leichten Nachen rasch in die stille Seebreite weit hinaus und sah immerfort mir gegenüber die schlanke Frau bequem und zufrieden im Steuersitz lehnen. Der hohe Himmel war noch blau und trieb langsam einen matten Stern um den andern hervor, am Ufer war da und dort Musik und Gartenlustbarkeit. Mit leisem Gurgeln nahm das träge Wasser die Ruder auf, andere Boote schwammen da und dort dunkel und kaum mehr sichtbar auf der stillen Fläche, ich achtete aber wenig darauf, sondern hing mit unverwandten Blicken an der Steurerin und trug meine geplante Liebeserklärung wie einen schweren Eisenring ums bange Herz. Das Schöne und Poetische der ganzen abendlichen Szenerie, das Sitzen im Kahn, die Sterne, der laue, ruhige See und alles das beängstigte mich, de
»Wie stark Sie sind!« sagte die Malerin nachdenklich.
»Meinen Sie dick?« fragte ich.
»Nein, ich meine die Muskeln«, lachte sie.
»Ja, stark bin ich schon.«
Dies war kein geeigneter Anfang. Traurig und ärgerlich ruderte ich weiter. Nach einer Weile bat ich sie, mir etwas aus ihrem Leben zu erzählen.
»Was möchten Sie de
»Alles«, sagte ich. »Am liebsten eine Liebesgeschichte. Da
»Was Sie sagen! Erzählen Sie doch!«
»Nein, erst Sie! Sie wissen ohnehin schon viel mehr von mir als ich von Ihnen. Ich möchte wissen, ob Sie jemals richtig verliebt waren oder ob Sie, wie ich fürchte, dafür viel zu klug und hochmütig sind.«
Erminia besa
»Das ist wieder eine von Ihren romantischen Ideen«, sagte sie, »sich hier in der Nacht auf dem schwarzen Wasser von einer Frau Geschichten erzählen zu lassen. Ich ka
»Darf ich Sie fragen, ob diese Liebe Sie glücklich macht oder elend, oder beides?«
»Ach, die Liebe ist nicht da, um uns glücklich zu machen. Ich glaube, sie ist da, um uns zu zeigen, wie stark wir im Leiden und Tragen sein kö
Das verstand ich und ko
Sie hörte es.
»Ah«, sagte sie, »ke
»Ein andermal vielleicht, Fräulein Aglietti. Mir ist heute ohnehin windig zumut, und es tut mir leid, daß ich vielleicht auch Ihnen die Stimmung getrübt habe. Wollen wir umkehren?« »Wie Sie wollen. Wie weit sind wir eigentlich?« Ich gab keine Antwort mehr, sondern stemmte die Ruder rauschend gegen das Wasser, wendete und zog an, als wäre die Bise im Anzug. Das Boot strich eilig über die Fläche, und mitten in dem Wirbel von Jammer und Scham, der in mir kochte, fühlte ich, wie mir der Schweiß in großen Tropfen übers Gesicht lief, und fror zugleich. We
Das schöne Fräulein war einigermaßen befremdet, als ich am Ufer kurzen Abschied nahm und sie allein ließ.
Der See war so glatt, die Musik so fröhlich und die Papierlaternen so festlich rot wie zuvor, mir aber schien das alles jetzt dumm und lächerlich. Namentlich die Musik. Den Sammetrock, der noch immer seine Gitarre prahlerisch am breiten Seidenbande trug, hätte ich am liebsten zu Brei geschlagen. Und Feuerwerk stand auch noch bevor. Es war so kindisch!
Ich entlehnte von Richard ein paar Franken, setzte den Hut ins Genick und bega
Ich blieb drei Tage fort, ließ mir die So
Freilich war damit der Schmerz noch lange nicht abgetan. Nach meiner Rückkehr in die Stadt floh ich anfangs den Anblick der Malerin wie die Pest, doch ging das nicht lange an, und sooft sie mich später ansah und anredete, stieg mir das Elend in die Kehle.