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Er zog die Schublade des Schreibtisches, suchte und fand ein Blättchen Papier und schrieb sich die Verse darauf ab. Später zeigte er sie Plinio und sagte dazu: »Die Verse haben mir gefallen, sie haben etwas Besonderes: so trocken und zugleich so i
Plinio lachte. »Wer weiß,« meinte er, »ob das hübsche Diminutiv nicht bloß ein Kniff des Reimschmiedes ist, der an dieser Stelle ein zweisilbiges Wort statt des einsilbigen brauchte.«
»Wir wollen ihn doch nicht unterschätzen,« verteidigte sich Knecht. »Ein Ma
»Ach, einerlei, es käme auf den Gegenstand nicht an. Er würde mir nur ein Anlaß sein, mich einzuspi
Am nächsten Morgen trat Knecht seine Reise nach Belpunt an. Designori hatte ihm gestern erklärt, er wolle ihn dorthin begleiten, dies hatte er entschieden abgelehnt und, als jener doch noch ein Wort der Überredung wagte, ihn beinahe angefahren. »Der Junge,« sagte er kurz, »wird genug zu tun haben, um dem fatalen neuen Lehrer zu begegnen und ihn zu verdauen, wir dürfen ihm nicht dazu auch noch den Anblick seines Vaters zumuten, der ihn grade jetzt schwerlich beglücken würde.«
Während er in dem von Plinio für ihn gemieteten Reisewagen durch den frischen Septembermorgen fuhr, kehrte ihm die gute Reiselaune von gestern zurück. Er unterhielt sich des öftern mit dem Wagenführer, ließ zuweilen halten oder langsam fahren, we
Das kleine Landhaus, das man endlich erreichte, lag an einem Bergsee in den grauen Felsen versteckt, von denen es sich kaum abhob. Bei seinem Anblick empfand der Reisende die Strenge, ja Finsterkeit dieser dem rauhen Hochgebirge angepaßten Bauart; gleich darauf aber erhellte ein heiteres Lächeln sein Gesicht, de
Der Knabe kam ihm entgegen, lächelnd und freundlich und ein klein wenig verlegen, er half ihm aussteigen und sagte dabei: »Es war nicht böse gemeint, daß ich Sie die Reise allein machen ließ.« Und noch ehe Knecht hatte antworten kö
Knecht drückte ihm lachend die Hand und ließ sich von ihm ins Haus führen, wo auch die Magd ihn begrüßte und ihm ein baldiges Abendessen verhieß. Als er nun, einem ungewohnten Bedürfnis nachgebend, sich vor Tisch ein wenig auf das Ruhebett legte, wurde ihm erst bewußt, daß er von der schönen Wagenfahrt merkwürdig ermüdet, ja erschöpft war, und während er den Abend mit seinem Schüler verplauderte und sich dessen Sammlungen von Bergblumen und Schmetterlingen zeigen ließ, nahm diese Müdigkeit noch zu, er fühlte sogar etwas wie Schwindel, eine noch nie empfundene Leere im Kopf und eine lästige Schwäche und Ungleichmäßigkeit des Herzschlags. Doch blieb er bis zur vereinbarten Schlafenszeit mit Tito sitzen und gab sich Mühe, nichts von seinem Unwohlsein merken zu lassen. Der Schüler wunderte sich ein wenig darüber, daß der Magister kein Wort von Schulbegi
»Ich freue mich auf diesen Gang,« fügte Knecht hinzu, »und will Sie auch gleich um einen Gefallen bitten. Ich habe beim Betrachten Ihrer Pflanzensammlung sehen kö
Als sie einander gute Nacht gewünscht hatten, war Tito sehr zufrieden und faßte gute Vorsätze. Wieder hatte dieser Magister Knecht ihm sehr gefallen. Ohne daß er hohe Worte brauchte und von Wissenschaft, Tugend, Geistesadel und dergleichen sprach, wie es die Schulprofessoren gern taten, hatte dieser heitere, freundliche Ma
Knecht legte sich, nachdem er in sein Zimmer begleitet worden war, nicht sogleich nieder, obwohl ihn sehr danach verlangte. Der Abend hatte ihm Mühe gemacht, es war ihm schwergefallen und lästig gewesen, sich vor dem jungen Ma