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Noch an diesem Abend beschied er seinen Stellvertreter zu sich und eröffnete ihm, daß er morgen für unbestimmte Zeit verreisen müsse. Er übergab ihm alles Laufende mit kurzen Anweisungen und verabschiedete sich freundlich und sachlich wie sonst vor einer kurzen Amtsreise.

Daß er den Freund Tegularius verlassen müsse, ohne ihn einzuweihen und ihn mit einem Abschiednehmen zu belasten, war ihm schon früher klargeworden. Er mußte so handeln, nicht nur um den so empfindlichen Freund zu schonen, sondern auch um seinen ganzen Plan nicht zu gefährden. Mit einer vollzogenen Handlung und Tatsache würde sich der andre vermutlich schon abfinden, während eine überraschende Aussprache und Abschiedsszene ihn zu unliebsamen Unbeherrschtheiten hinreißen ko

»Ein altes Gedicht ist mir heute eingefallen,« fing Knecht zu plaudern an, »oder doch einige Verse daraus. Vielleicht weißt du, wo das Ganze zu finden ist?«

Und er zitierte: »De

Der Repetent brauchte sich nicht lange zu bemühen. Er erka

»Hier,« sagte er lächelnd, »der Ehrwürdige möge sich bedienen. Es ist das erstemal seit vielen Jahren, daß Ihr Euch dieser Dichtungen zu eri

Josef Knecht betrachtete die Blätter aufmerksam und nicht ohne Bewegung. Als Student, während seines Aufenthaltes im ostasiatischen Studienhaus, hatte er diese beiden Blätter einst mit Verszeilen beschrieben, eine ferne Vergangenheit blickte ihn aus ihnen an, alles sprach von einem beinahe vergessenen, nun mahnend und schmerzlich wieder erwachenden Ehemals, das schon leicht angegilbte Papier, die jugendliche Handschrift, die Streichungen und Korrekturen im Texte. Er meinte sich nicht nur des Jahres und der Jahreszelt zu eri

Sichtlich war die Oberschrift des Gedichtes, noch vor dem Gedichte selbst, als dessen erste Zeile entstanden. Mit großen Buchstaben in stürmischer Handschrift war sie hingesetzt und lautete:

»Transzendieren!«

Später erst, zu einer anderen Zeit, in anderer Stimmung und Lebenslage, war diese Überschrift samt dem Ausrufezeichen gestrichen und war in kleineren, dü

Knecht eri

»Ich hatte die Verse viele Jahre vergessen,« sagte er, »und als einer von ihnen mir heute zufällig einfiel, wußte ich nicht mehr, woher ich ihn ke

Tegularius besa

»Mir ist es gerade mit diesem Gedicht immer eigentümlich gegangen,« sagte er da

Mit Vergnügen hatte der Magister zugehört und den Freund sich in eine gewisse zornige Wärme hineinreden sehen, die er an ihm gern hatte.

»Möchtest du recht haben!« sagte er halb scherzhaft. »Du hast es jedenfalls mit dem, was du über die Beziehung des Gedichtes zur Musik sagst. Das »Durchschreiten der Räume« und der Grundgedanke meiner Verse kommt, ohne daß ich es wußte oder beachtete, in der Tat von der Musik her. Ob ich den Gedanken verdorben und die Vision verfälscht habe, weiß ich nicht; vielleicht hast du recht. Als ich die Verse machte, handelten sie ja schon nicht mehr von der Musik, sondern von einem Erlebnis, dem Erlebnis nämlich, daß das schöne musikalische Gleichnis mir seine moralische Seite gezeigt hatte und zur Weckung und Mahnung, zum Lebensruf in mir geworden war. Die imperative Form des Gedichtes, die dir besonders mißfällt, ist nicht Ausdruck eines Befehlen- und Belehrenwollens, de

»Ach,« meinte Tegularius, »man dürfte schon, man hat nur die Courage nicht.«

Knecht legte ihm lachend die Hand auf die Schulter.

»Was die Courage betrifft, mein Lieber, da wäre ich noch zu ganz anderen Streichen fähig. Gute Nacht, alter Nörgler!«

Fröhlich verließ er die Zelle, unterwegs jedoch in den nächtlich leeren Gängen und Höfen der Siedlung kam der Ernst ihm wieder, der Ernst des Abschieds. Abschiednehmen weckt stets Eri

Zur gewohnten Stunde erhob sich der Magister andern Morgens, bestellte den Wagen und fuhr davon, nur wenige bemerkten seine Abreise, niemand dachte sich etwas dabei. Durch den von ersten Frühherbstnebeln getränkten Morgen fuhr er nach Hirsland, kam gegen Mittag an und ließ sich beim Magister Alexander, dem Vorstande der Ordensleitung, melden. Bei sich trug er, in ein Tuch geschlagen, ein schönes metallenes Kästchen, das er aus einem Geheimfach seiner Kanzlei mitgenommen hatte und das die Insignien seiner Würde, die Siegel und Schlüssel, enthielt.