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Es möge nun also die weltpolitische Konstellation wirklich so sein, wie Euer Rundschreiben sie andeutet, oder nicht, in jedem Falle stehe es dem Orden nicht zu, anders als abwartend und duldend dazu Stellung zu nehmen. Und so wurde, gegen einige Stimmen, Eure Meinung, wir sollten diese Konstellation als einen Aufruf zu aktiver Stellungnahme betrachten, von der Majorität entschieden abgelehnt. Was Eure Auffassung der heutigen Weltlage und Eure Andeutungen über die nächste Zukunft betrifft, so haben sie zwar sichtlich auf die Mehrzahl der Kollegen einen gewissen Eindruck gemacht, auf einige der Herren sogar wie eine Sensation gewirkt, doch ko
Wir halten unsre Mitteilung kurz, stehen aber für mündliche Aussprache zur Verfügung. Aus unsrer knappen Wiedergabe sehet Ihr ja schon, Verehrenswerter, daß Euer Rundschreiben nicht jene Wirkung getan hat, welche Ihr Euch von ihm möget versprochen haben. Zum größern Teil beruht der Mißerfolg wohl auf sachlichen Gründen, auf tatsächlichen Differenzen zwischen Euren derzeitigen Ansichten und Wünschen und denen der Mehrheit. Doch sprechen auch formale Gründe mit. Wenigstens will uns scheinen, es wäre eine direkte mündliche Auseinandersetzung zwischen Euch und den Kollegen wesentlich harmonischer und positiver verlaufen. Und nicht nur diese Form einer schriftlichen Rundfrage ist, so glauben wir, Eurem Anliegen hinderlich gewesen; noch viel mehr war es die in unsrem Verkehr sonst nicht übliche Verbindung einer kollegialen Mitteilung mit einem persönlichen Anliegen, einem Gesuch. Die meisten sehen in dieser Verquickung einen unglücklichen Neuerungsversuch, einige bezeichneten sie direkt als unstatthaft.
Damit kommen wir zum heikelsten Punkt Eurer Angelegenheit, zu Eurem Gesuch um Amtsentlassung und um Verwendung Eurer Person im weltlichen Schuldienst. Daß die Behörde auf ein so abrupt gestelltes und so eigenartig begründetes Gesuch nicht eingehen, daß sie es unmöglich gutheißen und a
Was würde aus unsrer Hierarchie, we
Damit wäre Eure Bitte um Antwort auf Euer Schreiben erfüllt. Wir ko
Knecht las das Schreiben ohne besondere Erwartungen, aber mit größter Aufmerksamkeit. Daß man bei der Behörde »Grund zur Besorgnis« habe, hatte er sich wohl denken kö
Was war nun von dem Antwortschreiben zu halten, und wer mochte sein Verfasser sein? Der Stil verriet ihn nicht, es war der gangbare, unpersönliche Behördenstil, wie der Anlaß ihn forderte. Bei zarterem Abtasten ergab jedoch das Schreiben mehr an Eigenart und Persönlichkeit, als man beim ersten Lesen vermutet hätte. Die Grundlage des ganzen Dokumentes war hierarchischer Ordensgeist, Gerechtigkeit und Ordnungsliebe. Man ko
Wir haben hier das Ende unseres Weges erreicht und hoffen, alles Wesentliche von Josef Knechts Lebenslauf berichtet zu haben. Über das Ende dieses Lebenslaufes wird ein späterer Biograph ohne Zweifel noch manche Einzelheit feststellen und mitteilen kö
Wir verzichten darauf, eine eigene Darstellung von des Magisters letzten Tagen zu geben, wir wissen über sie nicht mehr als jeder Waldzeller Student und kö
Die Legende
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Nachdem der Meister den Brief gelesen hatte, in welchem die Behörde sein Gesuch abschlägig beschied, spürte er ein leises Schaudern, ein Morgengefühl von Kühle und Nüchternheit, das ihm anzeigte, die Stunde sei gekommen, und es gebe nun kein Zögern und Verweilen mehr. Dies eigene Gefühl, das er »Erwachen« na
die sagte er vor sich hin, nicht wissend, bei welchem Dichter er sie einst gelesen habe, aber der Vers sprach ihn an und gefiel ihm und schien dem Erlebnis der Stunde ganz zu entsprechen. Im Garten setzte er sich auf eine mit ersten welken Blättern bestreute Bank, regelte die Atmung und kämpfte um die i
Aber erst gegen Abend, als längst die Kursstunde gehalten und allerlei andere Tagesarbeit getan war, entdeckte er die Herkunft jener Verse. Sie standen nicht bei irgendeinem alten Dichter, sie standen in einem seiner eigenen Gedichte, die er einst als Schüler und Student geschrieben hatte, und das Gedicht endete mit der Zeile: