Страница 37 из 40
»In meiner Jugendzeit«, bemerkte ich traurig, »galten diese beiden Musikanten für die denkbar größten Gegensätze.«
Mozart lachte.
»Ja, das ist immer so. Aus einiger Entfernung gesehen, pflegen solche Gegensätze einander immer ähnlicher zu werden. Das dicke Instrumentieren war übrigens weder Wagners noch Brahms' persönlicher Fehler, es war ein Irrtum ihrer Zeit.«
»Wie? Und für den müssen sie nun so schwer büßen?« rief ich anklagend.
»Selbstverständlich. Es ist der Instanzenweg. Erst we
»Aber sie kö
»Natürlich nicht. Sie kö
»Das ist aber furchtbar.«
»Gewiß, das Leben ist immer furchtbar. Wir kö
Mir war recht elend geworden. Ich sah mich selbst, einen todmüden Pilger, durch die Wüste des Jenseits ziehen, beladen mit den vielen entbehrlichen Büchern, die ich geschrieben, mit all den Aufsätzen, mit allen den Feuilletons, gefolgt vom Heer der Setzer, die daran hatten arbeiten, vom Heer der Leser, die das alles hatten schlucken müssen. Mein Gott! Und Adam und der Apfel und die ganze übrige Erbsünde war außerdem noch da. Alles dieses also war abzubüßen, endloses Fegefeuer, und erst da
Mozart bega
Dies hingegen war mir zu stark, der Zorn ließ mir keine Zeit mehr, der Wehmut nachzuhängen. Ich packte Mozart am Zopf, er flog davon, der Zopf wurde länger und länger, wie ein Kometenschweif, an dessen Ende ich hing und durch die Welt gewirbelt wurde. Teufel, war es kalt in dieser Welt! Diese Unsterblichen vertrugen eine scheußlich dü
Verwirrt und zerschlagen fand ich mich wieder, das weiße Licht des Korridors spiegelte im blanken Boden. Ich war nicht bei den Unsterblichen, noch nicht. Ich war noch immer im Diesseits der Rätsel, der Leiden, der Steppenwölfe, der qualvollen Verwicklungen. Kein guter Ort, kein erträglicher Aufenthalt. Dem mußte ein Ende gemacht werden.
Im großen Wandspiegel stand Harry mir gegenüber. Er sah nicht gut aus, er sah nicht viel anders aus, als er in jener Nacht nach dem Professorenbesuch und dem Ball im Schwarzen Adler ausgesehen hatte. Aber das lag weit zurück, Jahre, Jahrhunderte; Harry war älter geworden, er hatte tanzen gelernt, hatte magische Theater besucht, er hatte Mozart lachen gehört, er hatte vor Tänzen, vor Frauen, vor Messern keine Angst mehr. Auch der mäßig Begabte, we
Pfui Teufel, wie schmeckt das Leben bitter! Ich spuckte den Harry im Spiegel an, ich trat mit dem Fuß gegen ihn und trat ihn in Scherben. Langsam ging ich durch den hallenden Gang, aufmerksam betrachtete ich die Türen, die so viel Hübsches versprochen hatten: an keiner mehr stand eine Inschrift. Langsam schritt ich alle die hundert Türen des magischen Theaters ab. War ich nicht heute an einem Maskenball gewesen? Hundert Jahre waren seither vergangen. Bald wird es keine Jahre mehr geben. Etwas war noch zu tun, Hermine wartete noch. Eine sonderbare Hochzeit würde das sein. In einer trüben Welle schwamm ich dahin, trüb gezogen, Sklave, Steppenwolf. Pfui Teufel. An der letzten Tür blieb ich stehen. Dorthin hatte die trübe Welle mich gezogen. O Rosa, o ferne Jugend, o Goethe und Mozart!
Ich öffnete. Was ich hinter der Türe fand, war ein einfaches und schönes Bild. Auf Teppichen am Boden fand ich zwei nackte Menschen liegen, die schöne Hermine und den schönen Pablo, Seite an Seite, tief schlafend, tief erschöpft vom Liebesspiel, das so unersättlich scheint und doch schnell satt macht. Schöne, schöne Menschen, herrliche Bilder, wundervolle Körper. Unter Herminens linker Brust war ein frisches rundes Mal, dunkel unterlaufen, ein Liebesbiß von Pablos schönen schimmernden Zähnen. Dort, wo das Mal war, stieß ich mein Messer hinein, so lang die Klinge war. Blut lief über Herminens weiße zarte Haut. Dies Blut hätte ich weggeküßt, we
Lange sah ich sie an. Endlich schauerte ich wie erwachend auf und wollte gehen. Da sah ich Pablo sich dehnen, sah ihn die Augen öffnen und die Glieder recken, sah ihn sich über die Tote beugen und lächeln. Nie wird dieser Kerl ernsthaft werden, dachte ich, alles bringt ihn zum Lächeln. Behutsam schlug Pablo eine Ecke des Teppichs um und deckte Hermine zu bis zur Brust, daß die Wunde nicht mehr zu sehen war, und ging da
Nun war ihr Wunsch erfüllt. Noch eh sie ganz mein geworden war, hatte ich meine Geliebte getötet. Ich hatte das Unausdenkliche getan, und nun kniete ich und starrte und wußte nicht, was diese Tat bedeutete, wußte nicht einmal, ob sie gut und richtig gewesen sei oder das Gegenteil. Was würde der kluge Schachspieler, was würde Pablo zu ihr sagen? Ich wußte nichts, ich ko
Und von dem toten Gesicht, den toten weißen Schultern, den toten weißen Armen hauchte, langsam schleichend, ein Schauder aus, eine winterliche Öde und Einsamkeit, eine langsam, langsam wachsende Kälte, in der mir die Hände und Lippen zu erstarren bega
Schaudernd starrte ich auf die steingewordene Stirn, auf die starre Locke, auf den bleichkühlen Schimmer der Ohrmuschel. Die Kälte, die von ihnen ausströmte, war tödlich und war de
Hatte ich nicht einst, in einer früheren Zeit, schon einmal diesen Schauder gefühlt, der zugleich etwas wie Glück war? Hatte ich nicht schon einmal diese Musik vernommen? Ja, bei Mozart, bei den Unsterblichen.
Verse kamen mir in den Si
Da ging die Logentür auf, und herein kam, erst beim zweiten Blick von mir erka