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Lange dauerte dieser Hochzeitstanz. Zweimal, dreimal erlahmte die Musik, ließen die Bläser ihre Instrumente sinken, stand der Klavierspieler vom Flügel auf, schüttelte der Primgeiger versagend den Kopf, und jedesmal wurden sie vom flehenden Taumel der letzten Tänzer nochmals entflammt, spielten nochmals, spielten schneller, spielten wilder. Da

Wir standen und blickten einander an, die letzten im Saal, die letzten im Haus. Irgendwo unten hörte ich eine Tür schlagen, ein Glas zerschellen, ein Gekicher sich verlieren, vermischt mit dem bösen, eiligen Lärm ankurbelnder Automobile. Irgendwo, in einer unbestimmbaren Ferne und Höhe, hörte ich ein Gelächter klingen, ein ungemein helles und frohes, de

»Du bist bereit?« fragte Hermine, und ihr Lächeln verflog, wie der Schatten über ihrer Brust verflogen war. Fern und hoch verklang jenes fremde Lachen in unbeka

Ich nickte. O ja, ich war bereit.

Jetzt erschien in der Tür Pablo, der Musikant, und leuchtete uns aus den frohen Augen an, welche eigentlich Tieraugen waren, aber Tieraugen sind immer ernst, und seine lachten immer, und ihr Lachen machte sie zu Menschenaugen. Mit all seiner herzlichen Freundlichkeit winkte er uns zu. Er hatte eine buntseidene Hausjacke angetan, über deren roten Aufschlägen sein durchweichter Hemdkragen und sein übermüdetes bleiches Gesicht merkwürdig welk und fahl erschien, aber die strahlenden schwarzen Augen löschten das aus. Auch sie löschten die Wirklichkeit aus, auch sie zauberten.

Wir folgten seinem Wink, und unter der Tür sagte er leise zu mir: »Bruder Harry, ich lade Sie zu einer kleinen Unterhaltung ein. Eintritt nur für Verrückte, kostet den Verstand. Sind Sie bereit?« Wieder nickte ich.

Lieber Kerl! Zart und sorglich nahm er uns am Arm, Hermine rechts, mich links, und führte uns über eine Treppe hinan in ein kleines rundes Zimmer, das war von oben bläulich erleuchtet und beinahe ganz leer, es war nichts darin als ein kleiner runder Tisch und drei Sessel, in die wir uns setzten.

Wo waren wir? Schlief ich? War ich zu Hause? Saß ich in einem Auto und fuhr? Nein, ich saß im blau erleuchteten runden Raum, in einer verdü

Mit all seiner guten und etwas zeremoniösen Freundlichkeit blickte Freund Pablo uns an und sprach, sprach viel und lang. Er, den ich nie zusammenhängend hatte reden hören, den kein Disput, keine Formulierung interessierte, dem ich kaum ein Denken zugetraut hatte, er sprach nun, er redete mit seiner guten warmen Stimme fließend und fehlerlos. »Freunde, ich habe euch zu einer Unterhaltung eingeladen, die Harry sich schon lange wünscht, von der er schon lange geträumt hat. Es ist ein wenig spät, und wahrscheinlich sind wir alle ein bißchen müde. Wir wollen darum hier erst ein wenig ausruhen und uns stärken.«

Aus einer Wandnische nahm er drei Gläschen und eine kleine drollige Flasche, nahm eine kleine exotische Schachtel aus farbigen Hölzern, schenkte aus der Flasche die drei Gläschen voll, nahm aus der Schachtel drei dü

»Es ist mir eine Freude, lieber Harry, Sie heut ein wenig bewirten zu dürfen. Sie sind oft Ihres Lebens sehr überdrüssig gewesen. Sie strebten fort von hier, nicht wahr? Sie sehnen sich danach, diese Zeit, diese Welt, diese Wirklichkeit zu verlassen und in eine andre, Ihnen gemäßere Wirklichkeit einzugehen, in eine Welt ohne Zeit. Tun Sie das, lieber Freund, ich lade Sie dazu ein. Sie wissen ja, wo diese andre Welt verborgen liegt, daß es die Welt Ihrer eigenen Seele ist, die Sie suchen. Nur in Ihrem eigenen I

Er griff wieder in die Tasche seiner bunten Jacke und brachte einen runden Taschenspiegel heraus.

»Sehen Sie: so haben Sie sich selbst gesehen!«

Er hielt mir das Spiegelchen vor die Augen (ein Kindervers fiel mir ein: »Spiegelein, Spiegelein in der Hand"), und ich sah, etwas zerflossen und wolkig, ein unheimliches, in sich selbst bewegtes, in sich selbst heftig arbeitendes und gärendes Bild: mich selber, Harry Haller, und i

»So haben Sie sich selbst gesehen«, wiederholte Pablo sanft und steckte den Spiegel wieder in die Tasche. Dankbar schloß ich die Augen und nippte am Elixier.

»Wir haben nun ausgeruht«, sagte Pablo, »wir haben uns gestärkt und haben ein wenig geplaudert. We

Wir erhoben uns, lächelnd ging Pablo voran, öffnete eine Tür, zog einen Vorhang beiseite, und da standen wir im runden, hufeisenförmigen Korridor eines Theaters, genau in der Mitte, und nach beiden Seiten hin führte der gebogene Gang an sehr vielen, an unglaublich vielen schmalen Logentüren vorüber.

»Das ist unser Theater«, erklärte Pablo, »ein vergnügtes Theater, hoffentlich werdet ihr allerlei zu lachen finden.« Dabei lachte er laut auf, nur ein paar Töne, aber sie durchführen mich heftig, es war wieder das helle, fremdartige Lachen, das ich schon vorher von oben gehört hatte. »Mein Theaterchen hat so viele Logentüren, als ihr wollt, zehn oder hundert oder tausend, und hinter jeder Tür erwartet euch das, was ihr gerade sucht. Es ist ein hübsches Bilderkabinett, lieber Freund, aber es würde Ihnen nichts nützen, es so zu durchlaufen, wie Sie sind. Sie würden durch das gehemmt und geblendet werden, was Sie gewohnt sind, Ihre Persönlichkeit zu ne

Hermine verschwand nach rechts, an einem riesengroßen Spiegel vorbei, der die Rückwand vom Boden bis zur Wölbung bedeckte.

»So, Harry, nun kommen Sie und seien Sie recht guter Laune. Sie in gute Laune zu bringen, Sie lachen zu lehren ist der Zweck dieser ganzen Veranstaltung – ich hoffe, Sie machen es mir leicht. Sie fühlen sich doch wohl? Ja? Haben nicht etwa Angst? Also gut, sehr gut. Sie werden jetzt, ohne Angst und mit herzlichem Vergnügen, in unsre Scheinwelt eintreten, indem Sie sich durch einen kleinen Scheinselbstmord einführen, wie das so Sitte ist.«

Er zog wieder den kleinen Taschenspiegel hervor und hielt ihn mir vors Gesicht. Wieder blickte mir der wirre, wolkige, von der ringenden Wolfsgestalt durchflossene Harry entgegen, ein mir wohlbeka