Страница 13 из 40
Der Morgen gähnte schon durch die Scheiben, der bleierne verdammte Morgen eines Winterregentages, als ich endlich zu Bett kam. Ins Bett nahm ich meinen Entschluß mit. Ganz zu äußerst aber, an der letzten Grenze des Bewußtseins im Augenblick des Einschlafens, blitzte sekundenschnell jene merkwürdige Stelle des Steppenwolfbüchleins vor mir auf, wo von den »Unsterblichen« die Rede war, und damit verband sich die aufzuckende Eri
Gegen Mittag erwacht, fand ich in mir alsbald die geklärte Situation wieder, das kleine Büchlein lag auf dem Nachttisch und mein Gedicht, und freundlich kühl blickte aus dem Wirrsal meines jüngsten Lebens mein Entschluß mich an, über Nacht im Schlafe rund und fest geworden. Eile tat nicht not, mein Todesentschluß war nicht die Laune einer Stunde, er war eine reife, haltbare Frucht, langsam gewachsen und schwer geworden, vom Wind des Schicksals leis geschaukelt, dessen nächster Stoß sie zum Fallen bringen mußte.
Ich besaß in meiner Reiseapotheke ein vorzügliches Mittel, um Schmerzen zu stillen, ein besonders starkes Opiumpräparat, dessen Genuß ich mir nur sehr selten gö
Dies Mittel also kam nicht in Betracht. Aber ich gab meinem Entschluß nun diese Form: sobald es mit mir wieder dahin kommen würde, daß ich zu jenem Opiat greifen mußte, sollte es mir erlaubt sein, statt dieser kurzen Erlösung die große zu schlürfen, den Tod, und zwar einen sicheren, zuverlässigen Tod, mit der Kugel oder dem Rasiermesser. Damit war die Lage geklärt – bis zu meinem fünfzigsten Geburtstag zu warten, nach dem witzigen Rezept des Steppenwolfbüchleins, das schien mir doch allzu lange, es waren noch zwei Jahre bis dahin. Sei es in einem Jahr oder in einem Monat, sei es morgen schon – die Pforte stand offen.
Ich ka
Tiefer als alles andre aber beschäftigte mich jene Halluzination oder Vision an der Kirchenmauer, die verheißungsvolle Ankündigung jener tanzenden Lichtschrift, die mit Andeutungen des Traktates übereinstimmte. Viel war mir da versprochen worden, gewaltig hatten die Stimmen jener fremden Welt meine Neugierde angestachelt, oft sa
Eines Tages, nachdem ich wieder einmal vergeblich Straßen und Plätze nach dem Ma
Unterdessen hatte ich mich, einer Laune folgend, dem Trauerzug angeschlossen und trabte hinter den Leidtragenden her zum Friedhof mit, einem modernen zementenen Patentfriedhof mit Krematorium und allen Schikanen. Unser Toter wurde aber nicht verbra
In dem Augenblick, da ich ihn zu erke
»Ist heute keine Abendunterhaltung?« fragte ich und versuchte ihm zuzublinzeln, so wie Mitwisser von Geheimnissen es untereinander tun. Aber es war allzu lange her, seit solche mimische Übungen mir geläufig waren, hatte ich bei meiner Lebensweise doch beinahe das Sprechen verlernt; ich fühlte selbst, daß ich nur eine dumme Grimasse schneide.
»Abendunterhaltung?« brummte der Ma
Als ich an der Bibliothek vorüberkam, begegnete mir ein junger Professor, mit dem ich früher hie und da ein Gespräch geführt hatte, den ich bei meinem letzten Aufenthalt in dieser Stadt, vor einigen Jahren, sogar mehrmals in seiner Wohnung aufgesucht hatte, um mit ihm über orientalische Mythologien zu reden, ein Gebiet, mit dem ich damals viel beschäftigt war. Der Gelehrte kam mir entgegen, als ich schon im Begriff war, an ihm vorüberzugehen. Er stürzte sich mit großer Herzlichkeit auf mich, und ich, in meiner jämmerlichen Verfassung war ihm halb und halb dankbar dafür. Er war erfreut und wurde lebhaft, eri