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Siebzehntes Kapitel
»Gelobt sei Jesus Christus«, sagte der Pater und setzte den Leuchter auf den Tisch. Murmelnd responsierte Goldmund, vor sich niederstarrend.
Der Geistliche schwieg. Wartend stand er da und schwieg, bis Goldmund unruhig wurde und seine Augen forschend auf den Ma
Und nun blickte er dem Abt ins Gesicht. Es war ein hageres Gesicht, fest und klar geschnitten, mit sehr dü
»Narziß!« flüsterte er kaum hörbar. Es bega
»Ja, Goldmund, ich bin einst Narziß gewesen, ab, er ich habe den Namen schon vor sehr langer Zeit abgelegt, du hast es wohl vergessen. Seit meiner Einkleidung heiße ich Joha
Goldmund war bis ins Herz erschüttert. Plötzlich hatte sich die ganze Welt verändert, und das plötzliche Zusammenstürzen seiner übermenschlichen Anspa
Aber es stieg aus der durch Narzissens Anblick beschworenen Tiefe der Jugenderi
»Ne
Wieder zwang sich Goldmund. Mit einem knabentrotzigen und leicht spöttischen Ton, ganz wie manchmal in den Schülerzeiten, brachte er seine Antwort heraus.
»Entschuldige, Narziß«, sagte er kühl und ein wenig blasiert. »Ich sehe, du bist Abt geworden. Ich aber bin noch immer ein Landstreicher. Und außerdem wird unsere Unterhaltung, so erwünscht sie mir ist, leider nicht lange dauern dürfen. De
Narziß verzog keine Miene. Das bißchen Knaben- und Renommistentum in des Freundes Haltung machte ihm großen Spaß und rührte ihn zugleich. Der Stolz aber, der dahinterstand und der es Goldmund verbot, ihm weinend an die Brust zu sinken, den verstand und billigte er zui
»Nun ja«, sagte er und spielte ebenfalls den Gleichmütigen. »Übrigens ka
Sie gaben sich die Hände und hielten sie lange fest und drückten sie und fühlten sich tief bewegt, in ihren Worten aber dauerte die Sprödigkeit und Komödie noch eine ganze Weile an.
»Gut, Narziß, so werden wir also dieses wenig ehrbare Obdach verlassen, und ich werde mich deinem Gefolge anschließen. Reisest du nach Mariabro
»Wir werden es bekommen, amice, und werden schon in zwei Stunden reisen. Oh, aber wie sehen deine Hände aus! Um Gottes willen, alles zerschunden und verschwollen und voller Blut! O Goldmund, wie ist man mit dir umgegangen!«
»Laß gut sein, Narziß. Ich habe mir selbst die Hände so zugerichtet. Ich war ja gebunden und mußte mich befreien. Ich sage dir, es ging nicht leicht. Übrigens war es recht mutig von dir, daß du so ohne Geleit zu mir hereingekommen bist.«
»Warum mutig? Es war ja keine Gefahr.«
»Oh, es war nur die kleine Gefahr, von mir erschlagen zu werden. Nämlich so hatte ich mir die Sache ausgedacht. Es war mir gesagt worden, daß ein Priester komme. Den hätte ich da
»Du wolltest also nicht sterben? Du wolltest dich dagegen wehren?«
»Gewiß wollte ich das. Daß gerade du der Priester sein würdest, nun, das ko
»Immerhin«, sagte Narziß zögernd, »es war eigentlich ein recht häßlicher Plan. Hättest du wohl wirklich einen Priester, der als Beichtvater zu dir kam, totschlagen kö
»Dich nicht, Narziß, natürlich nicht, und vielleicht auch keinen von deinen Patres, we
Plötzlich wurde seine Stimme traurig und dunkel. »Es wäre nicht der erste Mensch gewesen, den ich umgebracht hätte.«
Sie schwiegen. Es war beiden peinlich zumute.
»Also über diese Sachen«, sagte Narziß mit kühler Stimme, »sprechen wir ja später. Du ka
»Noch einen Augenblick, Narziß! Etwas ist mir eingefallen, nämlich, daß ich dich doch schon einmal Joha
»Nein, natürlich nicht. Du weißt ja noch nichts. Es ist schon vor manchen Jahren gewesen, da habe ich dir einmal den Namen Joha
Er stand auf und ging gegen die Tür.
»Du hast also noch an mich gedacht?« fragte Narziß leise.
Ebenso leise gab Goldmund Antwort: »O ja, Narziß, ich habe an dich gedacht. Immer, immer.«
Heftig stieß er das schwere Tor auf, der fahle Morgen blickte herein. Sie sprachen nichts mehr. Narziß nahm ihn mit sich in sein Gastzimmer. Ein junger Mönch, sein Begleiter, war dort damit beschäftigt, das Reisegepäck fertigzumachen. Goldmund bekam zu essen, seine Hände wurden gewaschen und etwas verbunden. Bald schon wurden die Pferde vorgeführt.
Als sie aufstiegen, sagte Goldmund: »Ich habe noch eine Bitte. Laß uns dern Weg über den Fischmarkt nehmen, ich habe dort noch etwas zu besorgen.«
Sie ritten ab, und Goldmund blickte zu allen Fenstern des Schlosses hinan, ob vielleicht Agnes in einem zu sehen sei. Er bekam sie nicht mehr zu sehen. Sie ritten über den Fischmarkt, Marie war sehr in Sorge um ihn gewesen. Er nahm von ihr und ihren Eltern Abschied, dankte ihnen tausendmal, versprach, einmal wiederzukommen, und ritt weg. Unter der Haustür blieb Marie stehen, bis die Reiter verschwunden waren. Langsam hinkte sie ins Haus zurück.
Sie ritten zu vieren; Narziß, Goldmund, der junge Mönch und ein bewaffneter Reitknecht.
»Ka
»Gewiß. Das findest du nicht mehr und hast es wohl auch nicht erwartet. Es ist wohl sieben oder acht Jahre her, seit wir es abtun mußten.«
»Daß du dich dessen eri
»O ja, ich eri
Goldmund war nicht traurig über Bleßleins Tod. Er war froh darüber, daß Narziß so gut um Bleß Bescheid wußte, er, der sich nie um Tiere gekümmert und sicher niemals ein anderes Klosterpferd beim Namen geka
»Du wirst mich auslachen«, fing er wieder an, »daß das erste Wesen in eurem Kloster, nach dem ich fragte, das arme Pferdchen war. Es war nicht hübsch von mir. Eigentlich hatte ich nach ganz anderem fragen wollen, vor allem nach unserem Abt Daniel. Aber ich ko
»Es ist rasch berichtet«, sagte Narziß. »Abt Daniel ist schon vor acht Jahren gestorben, ohne Krankheit und Schmerzen. Ich bin nicht sein Nachfolger, ich bin erst seit einem Jahr Abt. Sein Nachfolger wurde Pater Martin, einst unser Schulvorsteher, er starb im vergangenen Jahr, nicht ganz siebzig Jahre alt. Und Pater Anselm ist auch nicht mehr da. Er hatte dich gern, er sprach noch oft von dir. In seiner letzten Zeit ko
»Gewiß, sehr viel. Vor allem: wie kommst du hierher in die Bischofsstadt und zum Statthalter?«
»Das ist eine lange Geschichte, und sie wäre dir langweilig, es handelt sich um Politik. Der Graf ist ein Günstling des Kaisers und in manchen Fragen sein Bevollmächtigter, und es ist zur Zeit zwischen dem Kaiser und unserem Orden mancherlei zu schlichten. Der Orden hat mich einer Abordnung zugewiesen, die mit dem Grafen zu verhandeln hatte. Der Erfolg war gering.«