Добавить в цитаты Настройки чтения

Страница 31 из 61

Elftes Kapitel

Neue Bilder umgaben Goldmund hier in der Stadt, und ein neues Leben bega

Goldmund gehörte nicht zu jenen unseligen Künstlern, welche wohl hohe Gaben haben, zu ihrer Äußerung aber nie die rechten Mittel finden. Es gibt ja manche solche Menschen, welchen es gegeben ist, die Schönheit der Welt tief und groß zu empfinden und in ihrer Seele hohe, edle Bilder zu tragen, welche aber nicht den Weg finden, sich dieser Bilder wieder zu entäußern und sie zur Freude der andern herauszustellen und mitzuteilen. Goldmund litt nicht an diesem Mangel. Es fiel ihm leicht und machte ihm Spaß, seine Hände zu brauchen und die Griffe und Fertigkeiten des Handwerks zu lernen, ebenso wie es ihm leichtfiel, am Feierabend bei einigen Kameraden das Spielen der Laute zu lernen und am So

Er hatte recht mit seinen Vorwürfen, und Goldmund hörte sie auch schweigend an, ohne sich zu rechtfertigen. Er wußte selbst, daß er kein zuverlässiger und fleißiger Mensch sei. Solange eine Arbeit ihn fesselte, ihm schwierige Aufgaben stellte oder ihn seiner Fertigkeit bewußt und froh werden ließ, war er ein eifriger Arbeiter. Schwere Handarbeit tat er ungern, und jene nicht schwierigen, aber Zeit und Fleiß fordernden Arbeiten, deren viele zum Handwerk gehören und die mit Treue und Geduld getan sein wollen, waren ihm oft ganz unleidlich. Er wunderte sich selbst manchmal darüber. Hatten die paar Jahre Wanderschaft genügt, um ihn faul und unzuverlässig zu machen? War es die Erbschaft der Mutter, die in ihm wuchs und Überhand nahm? Oder woran de

Er ko

Neben dem Künstler, der jene Mutter Gottes mit dem schmerzlichsten und schönsten Munde geschnitzt hatte, neben dem Seher und Wissenden, dessen Hände tiefe Erfahrungen und Ahnungen zu sichtbaren Gebilden umzuzaubern vermochten, wohnte in Meister Niklaus noch ein zweiter: ein etwas strenger und ängstlicher Hausvater und Zunftmeister, ein Witwer, der mit der Tochter und einer häßlichen Magd ein stilles und etwas geducktes Leben in seinem stillen Hause führte, ein Ma

Obwohl Goldmund seinen Meister verehrte, obwohl er sich niemals erlaubt hätte, andere über ihn auszufragen oder vor andern über ihn zu urteilen, wußte er nach einem Jahre doch bis ins kleinste alles, was irgend über Niklaus zu wissen war. Dieser Meister war ihm wichtig, er liebte ihn und haßte ihn ebenso, er ließ ihm keine Ruhe, und so drang der Schüler mit Liebe und mit Mißtrauen, mit immer wacher Wißbegierde in die Verborgenheiten seiner Art und seines Lebens ein. Er sah, wie Niklaus weder Lehrling noch Gesellen bei sich im Hause wohnen hatte, wo doch Raum genug war. Er sah, wie er nur sehr selten ausging und ebenso selten Gäste zu sich einlud. Er beobachtete, wie er seine schöne Tochter rührend und eifersüchtig liebte und sie vor jederma

Mit der Zeit gab es außer dieser Wißbegierde auch noch etwas anderes, was Goldmund in des Meisters Hause festhielt und ihm zu schaffen gab. Es war die schöne Tochter, Lisbeth, die ihm sehr gefiel. Er bekam sie selten zu Gesichte, sie betrat nie die Werkstatt, und er ko

Lisbeths Schönheit, so anders als die der Landfahreri

Außerdem gab es noch ein anderes Gesicht, das in seiner Seele wohnte und ihm doch nicht ganz angehörte, das er einmal einzufangen und als Künstler darzustellen sehnlich begehrte, das sich ihm aber immer wieder entzog und verhüllte. Es war das Gesicht der Mutter. Dies Gesicht war schon seit langer Zeit nicht mehr dasselbe, wie es ihm einst, nach den Gesprächen mit Narziß, aus verlorenen Eri