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»Da

Er hatte sich aufgerichtet und saß hager auf dem nackten Schlafbrett; Goldmund setzte sich neben ihn.

»Verzeih nur!« sagte er schuldbewußt. Die Zelle, die kahle Pritsche, Narzissens überwachtes und überanstrengtes Gesicht, sein halb abwesender Blick, alles zeigte ihm deutlich, wie sehr er hier störe.

»Nichts zu verzeihen. Nimm auf mich keine Rücksicht, mir fehlt nichts. Du willst Abschied nehmen, sagst du? Du gehst also fort?«

»Ich gehe noch heut. Ach, ich ka

»Ist dein Vater da oder Botschaft von ihm?«

»Nein, nichts. Das Leben selber ist zu mir gekommen. Ich gehe fort, ohne Vater, ohne Erlaubnis. Ich mache dir Schande, du, ich laufe fort.«

Narziß blickte auf seine langen weißen Finger nieder, dü

»Du bist verliebt, kleiner Junge, du hast ein Weib ke

»Wie ka

»Du machst es mir leicht. Dein Zustand, o amice, trägt alle Ke

Schüchtern legte Goldmund seine Hand auf des Freundes Schulter.

»Nun hast du es schon gesagt. Aber du hast es diesmal nicht gut gesagt, Narziß, nicht richtig. Es ist ganz anders. Ich war auf den Feldern draußen und schlief in der Hitze ein, und als ich aufwachte, lag mein Kopf auf den Knien einer schönen Frau, und ich fühlte sogleich, daß jetzt meine Mutter gekommen sei, um mich zu sich zu holen. Nicht, daß ich diese Frau für meine Mutter hielte, sie hatte dunkle braune Augen und schwarzes Haar, und meine Mutter war blond wie ich, sie sah ganz anders aus. Aber doch war sie es, war es ihr Ruf, war eine Botschaft von ihr. Wie aus den Träumen meines eigenen Herzens heraus war da plötzlich eine schöne fremde Frau gekommen, die hielt meinen Kopf in ihrem Schoß, und sie lächelte mich an wie eine Blume und war lieb mit mir, gleich bei ihrem ersten Kuß fühlte ich es in mir schmelzen und auf eine wunderbare Art weh tun. Alle Sehnsucht, die ich je gespürt, aller Traum, alle süße Angst, alles Geheimnis, das in mir geschlafen, wurde wach, alles war verwandelt, verzaubert, alles hatte Si

Narziß hörte zu und nickte.

»Es ist plötzlich gekommen«, sagte er, »aber es ist etwa das, was ich erwartet hatte. Ich werde viel an dich denken. Du wirst mir fehlen, amice. Ka

»We

»Ich weiß … Hast du sonst ein Anliegen?«

»Eine Bitte, ja. We

»Wofür, Goldmund?«

»Für deine Freundschaft, für deine Geduld, für alles. Auch dafür, daß du mich heute anhörst, wo es doch schwer für dich ist. Auch dafür, daß du nicht versucht hast, mich zurückzuhalten.«

»Wie sollte ich dich zurückhalten wollen? Du weißt, wie ich darüber denke. – Aber wohin wirst du wohl gehen, Goldmund? Hast du de

»Ich gehe mit ihr, ja. Ein Ziel habe ich nicht. Sie ist eine Fremde, eine Heimatlose, so scheint es, vielleicht eine Zigeunerin.«

»Nun ja. Aber sag, mein Lieber, weißt du, daß dein Weg mit ihr vielleicht sehr kurz sein wird? Du solltest dich nicht zu sehr auf sie verlassen, glaube ich. Sie wird vielleicht Verwandte haben, vielleicht einen Ma

»Ich weiß das«, sagte er, »obwohl ich bisher noch nicht daran gedacht hatte. Ich sagte dir schon: ein Ziel habe ich nicht. Auch jene Frau, die so sehr lieb mit mir war, ist nicht mein Ziel. Ich gehe zu ihr, aber ich gehe nicht ihretwegen. Ich gehe, weil ich muß, weil es mich ruft.«

Er schwieg und seufzte, und sie saßen, aneinandergelehnt, traurig und doch glücklich im Gefühl ihrer unzerstörbaren Freundschaft. Da

»Mach dir und mir das Herz nicht schwer! Ich vergesse dich niemals. Du wirst wiederkommen, ich bitte dich darum, ich erwarte es. We

Er hatte sich erhoben. Goldmund umarmte ihn. Da er seines Freundes Scheu vor Liebkosungen ka

Als er, das Herz von hundert streitenden Gefühlen erregt, unter den Hoflinden davonschlich und den Ausgang durch die Mühle suchte, mußte er de

Es lagen diesmal keine Bretter am Bach, er mußte ohne Brücke hinüber. Er zog das Gewand aus und warf es ans andere Ufer, da

Während er sich drüben wieder ankleidete, waren seine Gedanken wieder bei Narziß. Mit großer beschämender Klarheit sah er jetzt, daß er in dieser Stunde nichts anderes tue, als was jener vorausgewußt und wozu er ihn geführt habe. Er sah überdeutlich jenen klugen, etwas spöttischen Narziß wieder, der ihn so viel Törichtes hatte reden hören, und jenen, der ihm einst in wichtiger Stunde unter Schmerzen die Augen geöffnet hatte. Einige der Worte, die Narziß ihm damals gesagt, hörte er jetzt deutlich wieder: »Du schläfst an der Brust der Mutter, ich wache in der Wüste. Deine Träume sind von Mädchen, meine von Jünglingen.«

Einen Augenblick zog sein Herz sich frierend zusammen, schrecklich allein stand er da in der Nacht. Hinter ihm lag das Kloster, eine Scheinheimat nur, aber doch eine geliebte und langgewohnte.

Zugleich aber fühlte er das andere: daß jetzt Narziß nicht mehr sein mahnender und besserwissender Führer und Wecker war. Heute hatte er, so fühlte er, ein Land betreten, in dem er die Wege allein fand, in dem kein Narziß ihn mehr führen ko