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Sechstes Kapitel
Eines Tages rief Pater Anselm Goldmund in seine Apotheke, seine hübsche, wunderbar duftende Kräuterkammer. Hier ka
Wunderlich, dachte er, da hat jedes von den tausend kleinen Blättchen diesen kleinwinzigen Sternhimmel in sich gestochen, fein wie eine Stickerei. Wunderlich und unbegreiflich war doch alles, die Eidechsen, die Pflanzen, auch die Steine, überhaupt alles. Der Pater Anselm, der ihn so gern mochte, der ko
Er hob ein leeres Schneckenhaus auf, es klirrte schwach zwischen den Steinen und war ganz warm von der So
Vom fernen Walde her kam jemand gegangen, ein junges Weib m einem verblichenen blauen Rock, ein rotes Tüchlein ums schwarze Haar gebunden, mit braungebra
Goldmund öffnete die Augen, aus Traumwäldern zurückkommend. Sein Kopf lag weich, er lag im Schoß einer Frau, in seine verschlafenen verwunderten Augen blickten fremde nahe Augen warm und braun. Er erschrak nicht, es war keine Gefahr, freundlich schienen die warmen braunen Sterne herab. Nun lächelte die Frau unter seinem erstaunten Blick, lächelte sehr freundlich, und langsam bega
»Du«, sagte er. »Du! Wer bist du de
»Lise«, sprach er nach, den Namen kostend. »Lise, du bist lieb.«
Sie brachte ihren Mund nahe an sein Ohr und flüsterte hinein: »Du, ist es das erstemal gewesen? Hast du vor mir noch keine liebgehabt?«
Er schüttelte den Kopf. Da
»Wohin de
»Ins Kloster, zum Pater Anselm.«
»Nach Mariabro
»Ich möchte gerne.«
»So bleib doch!«
»Nein, es wäre unrecht. Ich muß auch noch mehr von dem Kraut sammeln.«
»Bist du de
»Ja, ich bin Schüler. Aber ich bleibe nicht mehr dort. Ka
»Ich wohne nirgends, mein Schatz. Willst du mir aber nicht deinen Namen sagen? – So, Goldmund heißest du? Gib mir noch einen Kuß, Goldmündchen, da
»Du wohnst nirgends? Wo schläfst du de
»We
»O ja. Wohin? Wo finde ich dich?«
»Ka
»Ich habe es nie probiert.«
»Probiere es.«
Er versuchte es. Sie lachte und war zufrieden. »Da
»Ach, du gefällst mir sehr, Lise. Ich komme. Behüt dich Gott, jetzt muß ich weiter.«
Auf dampfendem Pferd kam Goldmund in der Dämmerung ins Kloster zurück und war froh, daß er den Pater Anselm sehr beschäftigt fand. Ein Bruder hatte sich barfuß im Bach vergnügt und sich dabei einen Scherben in den Fuß getreten. Jetzt galt es, Narziß aufzufinden. Er fragte einen der dienenden Brüder, die im Refektorium aufwarteten. Nein, sagten sie, Narziß käme nicht zum Nachtmahl, er habe Fasttag und werde jetzt wohl schlafen, da er nachts Vigilien halte. Goldmund ra
Auf der schmalen Pritsche lag Narziß, in der Dämmerung glich er einem Toten, wie er starr mit bleichem, spitzem Gesicht auf dem Rücken lag, die Hände über der Brust gekreuzt. Er hatte aber die Augen offen und schlief nicht. Stumm blickte er Goldmund an, ohne Vorwurf, doch ohne sich zu rühren und sichtlich so in einer Versunkenheit befangen, so in einer andern Zeit und Welt gegenwärtig, daß er Mühe hatte, den Freund zu erke
»Narziß! Verzeih, verzeih, Lieber, daß ich dich störe, es geschieht nicht aus Mutwillen. Ich weiß, daß du jetzt eigentlich nicht mit mir sprechen darfst, aber tue es de
Narziß besa
»Ja, es ist notwendig. Ich komme, um von dir Abschied zu nehmen.«