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Er wußte nicht genau, was sie übermitteln wollte - es war, als würde man jemanden in einer schalldichten Kabine sprechen sehen -, aber er spürte Erleichterung und ein tiefempfundenes Unbehagen… die Art von Unbehagen, die Menschen empfinden kö
[»Ralph… Ralph, ich glaube, ich weiß, was mit dem Baby passiert ist.«]
Sie streckte die rechte Hand nach seinem Gesicht aus und schob sie mit der Handfläche nach unten zwischen seine Nase und seinem Mund. Sie preßte den Daumenballen behutsam gegen einen seiner Wangenknochen und den Zeigefinger leicht gegen den anderen. Das geschah so schnell und selbstsicher, daß es sonst niemand im Fahrstuhl bemerkte. Und selbst we
Ralph war, als hätte jemand einen Starkstromschalter in seinem Gehirn gedrückt, der ganze Stadionflutlichter einschaltete. In deren grellem, kurz aufblitzenden Licht sah er ein Bild des Grauens: Hände in einer brutalen, purpur-braunen Aura, die in eine Wiege griffen und das Baby herauszogen, das er und Lois gerade gesehen hatten. Es wurde hin und her geschüttelt, der Kopf rollte und nickte auf dem dü
Da wurden die Lichter in seinem Kopf schwarz, und Ralph stieß einen harschen, bebenden Seufzer der Erleichterung aus. Er dachte an die Abtreibungsgegner und ihre Demonstration, die er in den Abendnachrichten gesehen hatte, Mä
Er fragte sich, ob das behinderte Baby dazu nicht vielleicht eine andere Meinung hatte. Er sah Lois’ fassungslosen, gequälten Blick und tastete nach ihrer Hand.
[»Der Vater hat es getan, richtig? Er hat das Kind gegen die Wand geworfen.«]
[»Ja. Das Baby hat nicht aufgehört zu schreien.«]
[»Und sie weiß es. Sie weiß es, aber sie hat es keinem gesagt.«]
[»Nein… doch möglicherweise tut sie es, Ralph. Sie denkt darüber nach.«]
[»Vielleicht wartet sie auch, bis er es wieder tut. Und nächstesmal bringt er es vielleicht zu Ende.«]
Da kam Ralph ein schrecklicher Gedanke; er schoß wie ein Meteor, der kurzzeitig ein Feuer am mitternächtlichen Sommerhimmel entzündet, durch seinen Geist: Möglicherweise war es besser, we
Lois stand mit hängenden Schultern da, betrachtete den Boden des Fahrstuhls und strahlte eine Traurigkeit aus, die Ralph fast das Herz brach. Er streckte die Hand aus, legte ihr einen Finger unter das Ki
»Findest du immer noch, daß alles wunderbar ist, Lois?« fragte er leise, und darauf erhielt er keine Antwort, weder akustisch noch im Geiste.
Sie waren die einzigen, die im zweiten Stock ausstiegen, wo die Stille so dicht war wie der Staub unter Bibliotheksregalen. Zwei Schwestern standen auf halbem Weg im Flur, drückten Notizblöcke an weißgekleidete Busen und unterhielten sich flüsternd. Alle anderen im Fahrstuhl sahen sie wahrscheinlich an und vermuteten eine Unterhaltung über Leben, Tod und heldenhafte Rettungsmaßnahmen; Ralph und Lois dagegen warfen nur einen Blick auf ihre sich überlappenden Auren und wußten, das Thema war, wohin sie nach Schichtende etwas trinken gehen sollten.
Ralph sah es und gleichzeitig auch nicht, so wie ein in tiefes Nachdenken versunkener Ma
Zimmer mit geraden Nummern links; mit ungeraden Nummern rechts, dachte er, und 217, wo Carolyn gestorben ist, liegt neben der Schwesternstation. Es war 217 - daran eri
Dasselbe. Alles dasselbe. Es war wieder Anfang März, das düstere Ende eines grauen, verhangenen Tages, Hagel tschickschackte gegen das offene Fenster von Zimmer 217, und er saß seit dem frühen Morgen auf dem Besucherstuhl und hatte eine zugeklappte Ausgabe von Shirers Aufstieg und Fall des Dritten Reiches auf dem Schoß liegen. Er saß da und wollte nicht einmal aufstehen, um zur Toilette zu gehen, weil die Todesuhr mittlerweile fast abgelaufen war; jedes Ticken war ein Schlurfen, die Zeitspa
Er ko
Er hatte auf dem Besucherstuhl gesessen und beobachtet und gewartet, während ihr Atem immer schwerer ging - das lange, seufzende Ausatmen, die flache, fast reglose Brust, die zunehmende Gewißheit, daß der letzte Atemzug tatsächlich der letzte Atemzug gewesen, daß die Uhr abgelaufen war, der Zug den Bahnsteig erreicht hatte, um den einzigen Passagier an Bord zu nehmen… und da
Tschick-tschick-tschack-tschack: Hagel trommelte mit unsichtbaren Fingernägeln gegen die Fenster, während der schmutziggraue Märztag in eine schmutziggraue Dunkelheit überging und Carolyn die letzte Hälfte ihrer letzten Runde kämpfte. Da war sie selbstverständlich nur noch mit Autopilot geflogen; das Gehirn, das einmal in diesem wunderschön gearbeiteten Schädel existiert hatte, war nicht mehr. Es war von einem Mutanten ersetzt worden - einem dummen, grauschwarzen Delinquenten, der nicht denken oder fühlen ko