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Port-Royal lag auf der heißen fruchtbaren Insel Jamaika, auf einer Landzunge, die im Süden die riesige Bucht von Kingston abschloß. In jenen Zeiten galt es als sicherster Hafen, der die schönsten Huren und den besten Rum des Kontinents hatte. Jedes Schiff, so bestimmte es eine alte Tradition, das die Riffbarriere mit gehißter weißer Flagge und geschlossenen Kanonenluken passierte, durfte unbehelligt in den Gewässern von Port-Royal verweilen, solange es wollte, ohne daß jemand nach Herkunft, Grund des Aufenthalts oder Ziel gefragt hätte.

Die Besatzungen mußten allerdings Feuerwaffen und Macheten an Bord lassen. Lediglich die Degen durften am Gürtel blitzen, de

Die größte Schenke von Port-Royal, »Die Tausend Jakobiner«, verdankte ihren seltsamen Namen der weltberühmten Würfelpartie, die man hier ausgetragen hatte. Allenfalls die Partie, in der ein Offizier namens Francisco Pizarro, gena

Kontrahenten der besagten Würfelpartie in Port-Royal waren ein verrückter Pirat namens Vent en Pa

Der Pirat hatte wohl unter dem Oberbefehl des gebrechlichen Kapitäns Mansfield am wenig einträglichen Angriff auf die Insel Santa Catalina teilgenommen und lediglich hundert Dublonen Anteil an der lächerlichen Beute erhalten.

Er setzte sie aufs Spiel, und obwohl ansonsten das Pech an seinen Hacken klebte, gewa

Daraufhin fand er, daß es Zeit war, ins heimatliche Frankreich zurückzukehren, buchte eine Überfahrt, kehrte jedoch einige Stunden vor Abfahrt des Schiffs in die damals noch »Zum Hinkebein« gena

Um die Zeit totzuschlagen, beschloß man, »ein paar Knochen zu werfen«, und in kurzer Zeit hatte Vent en Pa

Inzwischen hatte Vent en Pa

Als es Abend wurde, erschien der verzweifelte Stern, der bi

Vent en Pa

Er warf eine Neun.

Zitternd nahm der Jude die Würfel aus Bein in die Hand, schloß die Augen und warf.

Er hatte eine Elf, und die nächsten acht Male ebenfalls.

Bei Tagesanbruch hatte Vent en Pa

Am gleichen Tag heuerte er auf dem Schiff des sadistischen L’Olo

Mit einer beträchtlichen Beute kehrte er zurück, ging schnurstracks zur alten Schenke, die inzwischen ihm zu Ehren ihren Namen geändert hatte und ließ nach dem Juden Stern schicken.

Wer allerdings kam, war der Gouverneur der Insel, der alles konfiszierte, was er bei sich hatte, und ihm dafür einen Kreditbrief ausstellte, der nur in einer Bank in Frankreich einzulösen war, brachte ihn an Bord des ersten Schiffs, das nach Europa segelte, und verabschiedete ihn mit diesen weisen Worten:

»Was die Flut bringt, nimmt die Ebbe mit, doch in deinem Fall, mein Sohn, ist mir das zuviel.«

Vent en Pa

In diese verrückte Welt des Spiels, der Frauen, des Alkohols und der Verschwendung, in der die bestialischsten und ungebildetsten Piraten in Luxuskaleschen herumfuhren, Seidenhemden trugen und sich mit Perlen und Smaragden behängten, hielt eines heißen Mittags die Jacare ihren Einzug. Nachdem sie die gefährlichen Riffe geschickt umsegelt hatte, glitt sie mit weißer Flagge und verdeckten Kanonen in die Bucht hinein, um ihre Anker zu werfen, nur einen Steinwurf entfernt von einer riesigen Galeone, die fast dreimal soviel Takelage und To

Niemand schien sich auch nur einen Deut um ihre Anwesenheit zu scheren.

Zu dieser brüllendheißen Stunde, in der nicht die leiseste Brise wehte und die hohe Luftfeuchtigkeit den Schweiß in Strömen fließen ließ, schliefen die Besatzungen der zwei Dutzend Schiffe, deren Masten in der Bucht schaukelten, wie fast die gesamte Bevölkerung von Port-Royal eine friedliche und wohlverdiente Siesta, um für die näherrückende lange Nacht der Orgien wieder Kraft zu schöpfen.

In Port-Royal war es strengstens verboten, etwas zu tun, was die Schläfer während ihrer so notwendigen Siesta stören ko

Jamaika war geradezu par excellence der Ort, wo sich Piraten und Korsaren entspa

Kein Wunder, daß dieses Zentrum fabelhafter Reichtümer und Zerstreuungen Abenteurer, Prostituierte, Glücksritter und Vagabunden aus aller Herren Länder anzog wie Honig die Fliegen, de

Einige Meilen von Rocky Point entfernt hatte sich ein gutes Jahrhundert lang ein Barockpalast mit weißen Marmorsäulen erhoben, den ein verrückt gewordener Wucherer zwei wunderschönen türkischen Zwillingen geschenkt hatte, kaum hatten die beiden ihre zarten Füße in das beste Bordell der Stadt gesetzt. Einzige Bedingung war, daß kein anderer Ma

Man erzählte sich, daß die Zwillinge, die sich in sexueller Hinsicht am liebsten miteinander vergnügten, das Angebot nur zu gerne a

Nachdem Sebastián Heredia lange Zeit durch das Achterfenster seiner Kajüte die ruhige Bucht beobachtet hatte, über der zur Mittagszeit nicht mal die Reiher flogen, vielleicht aus Furcht, einen Kanonenschuß abzubekommen, schaute er zunächst Celeste an, die in ihrer Koje lag und sich vor Spa

»Ihr müßt euch hier einige Zeit einschließen«, gab er ihnen schließlich mit Bedauern zu verstehen. »Ihr solltet den ganzen Tag über nicht an Deck erscheinen, damit man euch nicht von den Nachbarschiffen aus sehen ka

»Wie lange?« wollte seine Schwester wissen.

»Bis ich ein Haus gefunden habe, abgelegen, komfortabel und diskret. Wichtig ist, daß niemand euch mit der Jacare in Verbindung bringt.«