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Kurz vor So
Kein Schoner, keine Brigantine, keine Fregatte, keine Korvette, sondern eine Art Kreuzung zwischen alter Karavelle und Rumpelkasten, allerdings zu breit und zu kurz. Die drei asymmetrisch angeordneten Masten waren unterschiedlich hoch, und das ganze Schiff war ein einziges unförmiges Chaos, als hätte man es ohne jeglichen Plan und mit den unfähigsten und unordentlichsten Zimmerleuten der Küste gebaut.
Warum jemand diesen Schrotthaufen zu Wasser gelassen hatte, war ebenso unerklärlich, doch hier war er, schaukelte hin und her wie in einem Sturm, obwohl der Ozean an diesem Tag so ruhig war wie ein Ölsee.
Die Besatzung machte nicht die geringsten Anstalten, zu fliehen oder zu kämpfen. So ging die jacare längsseits, und ein halbes Dutzend Mä
Dieses Schiff war die Hölle.
An Bord angelangt verstand man allerdings, warum die Ausrüster es auf so absurde Weise hatten bauen lassen. Das war kein Schiff, mit dem man von einem Ort zum anderen fuhr, sondern eine Art riesiger schwimmender Sarg, in dessen vier übereinanderliegenden Lagerräumen man so viele Sklaven wie möglich unter den schlimmsten Bedingungen einpferchte.
Mä
Schulter an Schulter lagen sie aneinandergereiht. Kaum ein Meter Höhe tre
Die nicht minder übelriechende Besatzung bestand aus einem walisischen Kapitän und zwölf rohen Mä
»Menschliche Wesen? Was für menschliche Wesen? Sind doch nur Neger!«
»Sind Neger vielleicht keine Menschen?«
»Natürlich nicht!« gab der andere mit verblüffender Sicherheit zurück.
»Was da
»Sklaven.«
»Sklaven? Nichts weiter?«
»Es waren Sklaven, wir haben sie als Sklaven gekauft, und wir bringen sie nach Jamaika, um sie dort als Sklaven zu verkaufen.« Der Waliser zuckte die Schultern, als hätte er damit alles erklärt. »Was sollten sie sonst sein außer Sklaven?«
»Verstehe… Wie viele habt ihr?«
»In Dakar sind wir mit 780 aufgebrochen, doch etwa hundert sind unterwegs gestorben.«
»Gestorben, oder habt ihr sie lebendig ins Wasser geworfen?«
»Was tut das zur Sache? Sie waren krank! Wir haben ihnen Leiden erspart, als wir sie ins Meer warfen, de
Der frischgebackene Kapitän Jacare Jack dachte eine lange Zeit nach, wobei er sich in einem vergeblichen Versuch, dem Gestank zu entgehen, die Nase zuhielt. Schließlich deutete er auf die übrige Besatzung, deren schwimmende, stinkende Schande man ironischerweise auf den absurden Namen Four Roses getauft hatte.
»Keiner von Euren Mä
»Nicht daß ich wüßte…« beeilte sich sein Gegenüber mit der Antwort, sichtlich pikiert.
»Schade, de
»Das kö
»Von Sklavenschiffen steht nichts in den Vorschriften der Bruderschaft der Küste, deshalb tu ich, was mir gefällt. Wem gehören die Sklaven?«
Der Waliser zögerte einige Augenblicke, doch da
»Der Casa de Contratación in Sevilla.«
Jetzt schien der Margariteno überrascht zu sein. Er und Lucas Castano, der neben ihm stand, schauten sich erstaunt an, und er entgegnete schließlich mit Härte: »Das ist gelogen. Die Gesetze verbieten es der Casa, mit Sklaven zu handeln.«
»Das mag schon sein, aber ich arbeite seit fünf Jahren für sie. Nicht offiziell, aber wenigstens drei ihrer Gesandten zählen zu den Ausrüstern des Schiffs.«
»Wer alles?«
»Das ka
»Natürlich kö
Der Waliser zögerte aufs neue, blickte seine Mä
»Gines Alvarado, Hernando Pedrárias und Borja Centeno.«
»Pedrárias Gotarredona, der Gesandte auf Margarita?« Da der Kapitän heftig nickte, drang Jacare Jack weiter. »Seid Ihr sicher?«
»Ihm lege ich einmal im Jahr Rechenschaft ab.«
»Wie sieht er aus?«
»Mittelgroß, kräftig, blond und mit sehr hellen Augen.«
»Ke
»Verheiratet ist er nicht, aber er lebt mit einem Weib zusammen, das sehr schön sein muß.«
»Hat er Kinder?«
»Eine Tochter.« Der Waliser legte eine kurze Pause ein und fuhr fort: »Eigentlich ist sie fast schon eine Frau.« Abschätzig verzog er den Mund. »Offensichtlich aber nicht seine Tochter, sondern die der Hure.«
»Ich sehe, Ihr sagt die Wahrheit.« Der Margariteno wandte sich zu Lucas Castano und befahl ihm ohne leisestes Zögern: »Ab ins Meer mit ihm!«
Ohne Umschweife packte der Angesprochene den Waliser, der keinerlei Widerstand leistete, am Kragen, schleifte ihn an die Bordkante und warf ihn ins Wasser.
Sebastian Heredia sah zu, wie der Kapitän abtrieb und dabei schweigend mit den Armen ruderte. Da
»Diese vier folgen mir mit dem Schiff. Der Rest der Ma
»Sie passen nicht alle drauf«, gab Nick Cararrota zu bedenken. »Und we
Jacare Jack dachte einige Augenblicke nach, da
»We
Der andere nickte, stieg in die Laderäume hinab und blieb eine lange Weile unten. Als er zurückkehrte, lächelte er glücklich.
»We
»Also einverstanden!« Der Margariteno wandte sich den vier Sklavenhändlern zu, die ihn mit einem Funken Hoffnung in den Augen betrachteten. »Folgt unserem Kielwasser! We