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»Das ist Euer Vorschuß. Den Rest bekommt Ihr, we
»Ich habe nicht gesagt, daß ich ihn heilen werde«, lautete die trockene Antwort. »Nur, daß ich es versuchen werde. Und jetzt ab mit dir.« Als der Junge schon fast am großen Portal angelangt war, rief sie ihn zurück und fügte hinzu: »Und das nächste Mal kommst du bitte am Abend. Man muß ja nicht unbedingt sehen, wie ein Pirat am hellichten Tage bei mir aus – und eingeht.« Sie zeigte ein schelmisches Lächeln. »Obwohl du, ehrlich gesagt, eher wie ein Klosterschüler als wie ein Pirat ausschaust.«
Verwirrt bis gekränkt verließ der Margariteno das große Haus. Noch immer wußte er nicht so recht, was in dem schattigen I
Er hatte erwartet, einem alten Juden mit langem Bart und Hake
Abgesehen von den einfachen Dorfbewohnern von Juan Griego hatte Sebastián Heredia nur mit den fröhlichen und schamlosen Huren der »Winterquartiere« zu tun gehabt. Und we
Nicht die Tatsache, daß er eine Ärztin vor sich hatte, die ihn gleichzeitig anzog und abstieß, auch nicht ihr charmanter exotischer Akzent, sondern ihre nicht vorgeschützte, sondern tatsächliche Überlegenheit ließ den armen Perlenfischer aus Margarita, der zum Piraten geworden war, darüber nachdenken, welch unergründliche Kluft zwischen seiner eigenen Welt und der eines so einzigartigen Geschöpfs bestand.
Er nahm auf einer Mauerböschung des weiten Palmenstrands Platz und fragte sich, ob jene Raquel Toledo, Schwester eines konvertierten Juden und selbst Jüdin, die zum Christentum übergetreten war, nicht in Wahrheit eine jener gefürchteten Hexen war, von denen man sich an Bord der Jacare in den langen Mußestunden so viel erzählte.
Sie ko
»Gefällt mir nicht«, murmelte er schließlich in sich hinein. »Gefällt mir überhaupt nicht.«
Längere Zeit hing er seinen Gedanken nach, bis ihn der Hunger packte und er sich ohne Hast auf die breite Esplanade am Hafen begab. Dutzende Frauen priesen dort mit lauter Stimme alle möglichen zubereiteten scharfen Speisen an, als hätte man in der unglaublichen Hitze der Stadt, in der sich kein Lüftchen regte, nicht schon genug geschwitzt.
Mit einem Beutel voller Geld und unendlicher Neugier stürzte sich der Junge aus Margarita bald in den Schlund der heißesten, lebendigsten und pulsierendsten Stadt der Karibik. Sie war das Herz einer Neuen Welt und seit dem Niedergang von Santo Domingo die inoffizielle Hauptstadt des Kontinents.
In Cartagena de Indias strömten nicht nur die Reichtümer, sondern auch die überaus unterschiedlichen Menschen aus allen Winkeln des spanischen Weltreichs zusammen. Auf den weiten Plätzen und in den beschaulichen Gassen liefen halbnackte Indianer mit Federschmuck herum, während elegante Fräulein ihre zarte Haut mit riesigen, reich bestickten So
Kapitäne in spanischem Sold, Seeleute, Schreiber, Pfarrer, Mönche, Händler, schwarze Sklaven, aufgeputzte Freudenmädchen, Mischlinge und Tagelöhner: Vom So
Drei Stunden lang war die lebendigste Stadt der Karibik wie ausgestorben. Zumindest schlief sie, und unter den schattigen Kapokbäumen der Parkanlagen und Plätze schnarchten alle, die keinen geeigneteren Platz für ihre wohlverdiente Siesta hatten finden kö
We
Doch nun ging es viel vergnügter zu: Man lachte und sang, flanierte am Strand, tändelte im Rhythmus der Trommeln, Gitarren und Rasseln, de
Jede Gasse war eine eigene Welt, jeder kleine Platz ein Universum und jede Haustür eine Aufforderung zum Abenteuer.
Frohgemut und voller Begeisterung stürzte sich Sebastian in diese verrückte Welt der koketten Abenteuer, eine fröhliche, rumselige Welt der Lieder. Ein wenig erstaunt war er schon, daß es da eine Stadt gab, die Piraten, Korsaren, Freibeuter und feindliche Truppen zu ignorieren schien, die vor ihrer Haustüre lauerten. Jeden Augenblick ko
Jeden Abend riegelte man mit einer dicken und schweren Kette die Einfahrt der Bucht ab. Kein Schiff kam da
Trotzdem vertrauten die Cartagener felsenfest auf die überaus erprobte Unei
»In San Felipe schießt man zuerst und ruft da
San Felipe schützte sie, und jeder Einwohner der Stadt hatte die Verpflichtung, San Felipe zu schützen und zu respektieren.
Doch unten, an den Stränden, in den Gassen und auf den Plätzen genügte eine gute Stimme, Rhythmus im Blut oder eine Flasche Rum, um an einem der unzähligen Feste teilzunehmen, mit denen man an jeder Ecke die heiße Nacht durchfeierte.
Achtundvierzig wunderbare Stunden lang vergaß Sebastián Heredia Matamoros vollständig, daß er nur ein Pirat war, auf dessen Kopf ein Preis stand, und ein Junge, der darüber unglücklich war, daß ihn seine Mutter auf die schändlichste Art verraten hatte. Achtundvierzig Stunden lang genoß er das neue Gefühl, ein »normaler« Ma
Achtundvierzig Stunden lang war er ein Fischer, der seinen Gewi
Trotzdem ging ihm in diesen achtundvierzig Stunden die aufregende Frau mit den Augen aus Eis und dem strohblonden Haar so gut wie nicht aus dem Kopf.
Matte Schäfchenwolken trieben am roten Abendhimmel dahin, als Sebastian erneut den Weg zur Pforte einschlug, die in den I