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»Ich sehe, dass Sie vollkommen fertig sind«, sagte Marcel und die Augen hinter seinen dicken Brillengläsern schienen zu funkeln. »Aber we
Ist es das nicht sowieso schon?, hätte ich am liebsten gefragt. Aber es war nicht der rechte Augenblick, um in Selbstmitleid zu zerfließen. Ich rappelte mich mühsam hoch und schwankte wie ein Betrunkener oder wie jemand, der sich mit Drogen voll gepumpt hat und damit die Kontrolle über seinen Körper abgegeben hatte. Und so ganz falsch war das ja auch nicht.
»Das hier scheint ein spezieller Abzug oder auch eine Luftzufuhr gewesen zu sein«, sagte Marcel, als ich neben ihn getreten war. Ich starrte auf den geriffelten beigefarbenen Schlauch, der aus einem Material gefertigt zu sein schien ähnlich dem, wie man es vor Jahrzehnten für Blasebalgs verwendet hatte. Der Schlauch kam unter einem Tisch hervor und verschwand in der Wand. Er hatte ungefähr den Umfang eines Kinderkörpers.
»Unser Weg in die Freiheit«, sagte Marcel, aber trotz seiner Begeisterung schwang auch Zweifel in seiner Stimme mit. »Helfen Sie mir, ihn aus der Verankerung zu reißen. We
Ich behielt meine Zweifel für mich und bückte mich neben ihn, um gleich ihm an dem brüchigen Schlauch zu zerren. Wir hatten Glück. Entweder war das Material noch nie sehr stabil gewesen oder aber vom Zahn der Zeit zernagt worden. Schon nach zwei, drei Versuchen zeichneten sich Risse in der Oberfläche ab. Marcels Enthusiasmus bega
»Und noch mal!«, kommandierte Marcel. Wir zerrten, nein, rissen gemeinsam an dem Schlauch. Und da
»Das ist ja noch besser, als ich gedacht hatte!«, begeisterte sich Marcel, der sich als Erster wieder gefangen hatte und sich sofort über das entstandene Loch beugte. »Der Schlauch geht einfach in den Gang hinaus. Kein Lüftungssystem, oder sonst etwas Kompliziertes. Wir kö
»Falls die Öffnung groß genug ist«, wagte ich einzuwenden.
»Nun kommen Sie schon!«, sagte Marcel und seine Stimme klang jetzt eindeutig ungeduldig. »Wir sind doch beide keine Sumo-Ringer! Das schaffen wir schon.«
Er wartete einen weiteren Einwand gar nicht ab, sondern ließ sich sogleich auf die Knie nieder und schob den Kopf in die entstandene Öffnung. »Der Gang liegt zum Greifen nahe vor mir«, sagte er. Keuchend schob er sich weiter. »Allerdings stinkt’s hier... wieder... gewaltig«, hörte ich ihn murmeln, während sein Oberkörper in der Öffnung verschwand. Als er bereits bis zu den Hüften in dem Loch steckte, schien er schwerer voranzukommen. Doch nach ein paar Sekunden hatte er sich regelrecht frei gestrampelt und flutschte da
Bevor ich seinem Beispiel folgen ko
»Und wie wollen wir das anstellen?«, fragte ich ihn und verfluchte mich gleichzeitig für meine destruktive Art; ich erka
Ich ergriff seine Hände und bega
»Beeilen Sie sich«, sagte er nervös. »Ich fürchte, dass uns nicht mehr viel Zeit bleibt.«
Er hatte gut reden, schließlich war ich es, der weder vor noch zurück kam. Ich versuchte mich mit den Beinen abzustoßen, kam aber nicht einen Zoll weiter. Vor lauter Anstrengung bega
»Ziehen Sie fester, verdammt noch mal!«, fluchte ich.
Marcels Hände krallten sich geradezu um meine Handgelenke. Er zerrte mit aller Kraft an mir und endlich kam ich frei; mein Gesäß wurde geradezu durch die schmale Öffnung hindurch katapultiert. Von dem Schwung getragen stürzte ich auf Marcel, der es nicht mehr schaffte, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen, und begrub ihn unter mir.
So schnell ich ko
»Danke der Nachfrage«, sagte Marcel und ignorierte meine Hilfestellung. Er kam schwerfällig auf die Füße und fuhr sich mit der Hand über die Nase. »Was für ein Gestank«, sagte er. »Das wird ja immer schlimmer.«
»Aber das ist nicht nur dieses Zeug«, antwortete ich. Ein modriger Geruch war dem der fremdartigen Substanz hinzukommen; es stank nach Feuchtigkeit, Schimmel und sogar nach Urin. »Hier stinkt es wie in einem Gewölbe, das jahrelang als Jauchegrube benutzt worden ist.«
»Solche Feinheiten ka
Ich zuckte mit den Achseln. »Keine Ahnung«, sagte ich ehrlich. »Vielleicht kommen wir nirgends weiter. Wir kö
»Wir gehen nach links«, entschied Marcel ohne Humor in der Stimme. »Von dort aus scheint der Gestank auszugehen. Vielleicht finden wir dort etwas, was uns weiterbringt.«
Wie zum Beispiel eine Schar fetter Ratten oder ein leckes Abwassersystem, dachte ich. Aber im Grunde genommen war ich ganz froh, dass mir Marcel die Entscheidung abnahm. Dieser verrückte, verlassene Teil eines Bunkersystems unter Majestic war mehr, als mein Verstand fassen ko
Wahrscheinlich machte es auch keinen Unterschied. De
Mit der Formulierung Kim und die anderen hatte ich mich natürlich selbst verraten; aber we