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"Er hat versucht, die Heizung zu reparieren, und ging da
Ostvan stemmte sich von seinem Schemel hoch und nahm ihr den Teller aus den Händen. "Ich verfluche den Tag, an dem ich zuließ, daß er in diese Schule in der Stadt geht. Hat Gott es bis dahin nicht gut mit mir gemeint? Hat er mir nicht fünf Töchter geschenkt und da
"Du haderst mit deinem Schicksal, Ostvan."
"Soll man nicht hadern mit so einem Sohn? Ich weiß schon, warum nicht seine Mutter mir das Essen bringt."
"Ich soll dich um Geld bitten für die Händlerin", sagte Garliad.
"Geld! Immer nur Geld!" Ostvan stellte den Teller auf das Fensterbrett und schlurfte zu einer stahlbeschlagenen Truhe, die geschmückt war mit einer Photographie des Teppichs, den sein Vater geknüpft hatte. Darin lag das Geld, das vom Verkauf des Teppichs noch übrig war, verpackt in einzelne Schachteln, auf denen Jahreszahlen standen. Er nahm eine Münze heraus. "Nimm. Aber denk daran, daß das hier noch den Rest unseres Lebens reichen muß."
"Ja, Ostvan."
"Und we
"Ja, Ostvan." Sie ging.
Was war das nur für ein Leben, nichts als Sorgen und Ärger! Ostvan zog einen Stuhl ans Fenster und ließ sich darauf nieder, um zu essen. Sein Blick verlor sich in der felsigen, unfruchtbaren Einöde. Früher war er noch ab und zu hinausgezogen, um gewisse Mineralien zu suchen, die für die geheimen Rezepturen erforderlich waren. Einige Male war er auch in der Stadt gewesen, um Chemikalien oder Werkzeuge zu kaufen. Aber inzwischen hatte er alles beisammen, was er noch brauchen würde für seinen Teppich. Er würde wohl nicht mehr hinausgehen. Er war auch nicht mehr jung; sein Teppich würde bald fertig sein, und da
Später, am Nachmittag, unterbrachen schnelle Schritte auf der Treppe seine Arbeit. Es war Abron.
"Du wolltest mich sprechen, Vater?"
"Du warst in der Stadt?"
"Ich habe Rußsteine gekauft für die Heizung."
"Wir haben noch Rußsteine im Keller, genug für Generationen."
"Das wußte ich nicht."
"Du hättest mich ja fragen kö
Abron kam näher, unaufgefordert. "Ich weiß, daß es dir nicht gefällt, daß ich so oft in der Stadt bin und Bücher lese. Aber ich ka
"Ich will davon nichts hören. Für dich gibt es nur eine Art zu leben. Du hast von mir alles gelernt, was ein Haarteppichknüpfer wissen muß, das ist genug. Du ka
Abron seufzte gequält. "Ja, sicher, Vater, aber ich bin nicht glücklich bei dieser Vorstellung. Am liebsten möchte ich gar kein Haarteppichknüpfer sein."
"Ich bin ein Haarteppichknüpfer, und deswegen wirst du ebenfalls ein Haarteppichknüpfer sein!" Ostvan zeigte mit einer erregten Geste auf den unvollendeten Teppich im Knüpfrahmen. "Mein ganzes Leben lang habe ich an diesem Teppich geknüpft, mein ganzes Leben, und von dem Erlös dafür wirst du einmal dein Leben lang zehren. Du hast eine Schuld an mir, Abron, und ich verlange, daß du sie an deinem Sohn wieder abbezahlst. Und gebe Gott, daß er dir nicht so viel Kummer macht wie du mir!"
Abron wagte nicht, seinen Vater anzusehen, als er entgegnete: "Es gibt Gerüchte in der Stadt, von einer Rebellion, und daß der Kaiser abdanken muß… Wer ka
"Eher verlöschen die Sterne, als daß der Ruhm des Kaisers erlischt!" dröhnte Ostvan. "Habe ich dir diesen Satz nicht schon beigebracht, als du noch kaum neben mir am Knüpfrahmen sitzen ko
"Nein, Vater", murmelte Abron. "Natürlich nicht."
Ostvan betrachtete ihn. "Geh jetzt und arbeite am Entwurf deines Teppichs."
"Ja, Vater."
Am späten Abend setzten bei Garliad die Wehen ein. Die Frauen begleiteten sie in das vorbereitete Gebärzimmer; Ostvan und Abron blieben in der Küche.
Ostvan holte zwei Becher und eine Flasche Wein, und sie tranken schweigend. Gelegentlich hörten sie Garliad im Gebärzimmer schreien oder stöhnen, da
Als sein Vater die zweite Flasche Wein holte, fragte Abron:
"Was, we
"Das weißt du so gut wie ich", erwiderte Ostvan dumpf.
"Was wirst du da
"Seit ewigen Zeiten gilt das Gesetz, daß ein Teppichknüpfer nur einen Sohn haben darf, weil ein Teppich nur eine Familie ernähren ka
Abron schwieg. "Du hast gesagt, Gott hat diese Ordnung gefügt", brach es schließlich aus ihm heraus. "Das muß ein grausamer Gott sein, findest du nicht?"
"Abron!" do
"Ich will nichts zu tun haben mit deinem Gott!" schrie Abron und stürzte aus der Küche.
"Abron! Bleib hier!"
Aber Abron ra
So wartete Ostvan alleine, aber er trank nicht mehr. Die Stunden vergingen, und seine Gedanken verdüsterten sich. Schließlich mischten sich die ersten Schreie eines Kindes in die Schreie der Gebärenden, und Ostvan hörte die Frauen klagen und weinen. Er stand schwerfällig auf, als bereite ihm jede Bewegung Schmerzen, nahm das Schwert von der Wand und legte es auf den Tisch. Da
Ostvan sah in das rosige, zerknitterte Gesicht des Kindes. "Nein", sagte er. "Er soll leben. Ich will, daß er Ostvan heißt, genau wie ich. Ich werde ihn das Handwerk eines Haarteppichknüpfers lehren, und we
"Ja, Herr", sagte die Weise Frau und trug das Kind wieder hinaus.
Ostvan aber nahm das Schwert vom Tisch, ging hinauf damit in die Schlafräume und erschlug seinen Sohn Abron.
© 1995