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Bärlach lehnte sich zurück und saß da, ein ergrauter, soignierter Herr, den Jungen neben sich aus seinen kalten Augenschlitzen ruhig betrachtend:

»Mein Gott, wir kö

»Das ist doch Unsi

Bärlach verzog nicht einmal sein Gesicht: »Es ist gut, daß wir allein sind, Tschanz. Lutz hat vielleicht etwas voreilig, aber mit guten Gründen gehandelt. Das Geheimnis liegt bei Schmied und nicht bei Gastma

Tschanz ließ sich nicht beirren: »Wir haben nichts anderes als die Wahrheit zu suchen«, rief er verzweifelt in die heranziehenden Wolkenberge hinein, »die Wahrheit und nur die Wahrheit, wer Schmieds Mörder ist!«

»Du hast recht«, wiederholte Bärlach, aber unpathetisch und kalt, »die Wahrheit, wer Schmieds Mörder ist.«

Der junge Polizist legte dem Alten die Hand auf die linke Schulter, schaute ihm ins undurchdringliche Antlitz:

»Deshalb haben wir mit allen Mitteln vorzugehen, und zwar gegen Gastma

»Gastma

»Die Möglichkeit besteht, daß Gastma

»Ich sehe nicht den geringsten Grund, der Gastma

»Wir müssen den Täter dort suchen, wo die Tat einen Si

»Auch der Schriftsteller hält Gastma

»Auch du hältst ihn dafür?» fragte Bärlach lauernd.

»Auch ich, Kommissär.«

»Da

Nun verlor der andere die Geduld. Er packte den Alten bei den Schultern.

»Jahrelang bin ich im Schatten gestanden, Kommissär«, keuchte er. »Immer hat man mich übergangen, mißachtet, als letzten Dreck benutzt, als besseren Briefträger!«

»Das gebe ich zu, Tschanz«, sagte Bärlach, unbeweglich in das verzweifelte Gesicht des Jungen starrend, »jahrelang bist du im Schatten dessen gestanden, der nun ermordet worden ist.«

»Nur weil er bessere Schulen hatte! Nur weil er Lateinisch ko

»Du tust ihm Unrecht«, antwortete Bärlach, »Schmied war der beste Kriminalist, den ich je geka

»Und jetzt«, schrie Tschanz, »da ich einmal eine Chance habe, soll alles wieder für nichts sein, soll meine einmalige Gelegenheit hinaufzukommen in einem blödsi

»Nein, Tschanz«, sagte Bärlach, »ich ka

»Reden Sie mit Lutz, reden Sie!«

Doch der Alte ließ sich nicht erweichen: »Es geht nicht, Tschanz«, sagte er. »Ich bin nicht mehr für diese Dinge zu haben. Ich bin alt und krank. Da braucht man seine Ruhe. Du mußt dir selber helfen.«

»Gut«, sagte Tschanz, ließ plötzlich von Bärlach ab und ergriff wieder das Steuer, we

Sie fuhren wieder gegen Ligerz hinunter.

»Du bist doch in Grindelwald in den Ferien gewesen? Pension Eiger?« fragte der Alte.

»Jawohl, Kommissär.«

»Still und nicht zu teuer?«

»Wie Sie sagen.«

»Gut, Tschanz, ich fahre morgen dorthin, um mich auszuruhen. Ich muß in die Höhe. Ich habe für eine Woche Krankenurlaub genommen.«

Tschanz antwortete nicht sofort. Erst als sie in die Straße Biel-Neuenburg einbogen, meinte er, und seine Stimme klang wieder wie sonst:

»Die Höhe tut nicht immer gut, Kommissär.«

Noch am selben Abend ging Bärlach zu seinem Arzt am Bärenplatz, Doktor Samuel Hungertobel. Die Lichter bra

»Das Herz ist gut«, sagte Hungertobel, »Gott sei Dank!«

»Hast du Aufzeichnungen über meinen Fall?« fragte ihn Bärlach.

»Eine ganze Aktenmappe«, antwortete der Arzt und wies auf einen Papierstoß auf dem Schreibtisch. »Alles deine Krankheit.«

»Du hast zu niemandem über meine Krankheit geredet, Hungertobel?« fragte der Alte.

»Aber Hans?!« sagte der andere alte Ma

Drunten auf dem Platz fuhr ein Mercedes vor, leuchtete unter einer Straßenlaterne blau auf, hielt zwischen anderen Wagen, die dort parkten. Bärlach sah genauer hin. Tschanz stieg aus und ein Mädchen in weißem Regenmantel, über den das Haar in blonden Strähnen floß.

»Ist bei dir einmal eingebrochen worden, Samuel?« fragte der Kommissär.

»Wie kommst du darauf?«

»Nur so.«

»Einmal war mein Schreibtisch durcheinander«, gestand Hungertobel, »und deine Krankheitsgeschichte lag oben auf dem Schreibtisch. Geld fehlte keins, obschon ziemlich viel im Schreibtisch war.«

»Und warum hast du das nicht gemeldet?«

Der Arzt kratzte sich im Haar. »Geld fehlte, wie gesagt, keins, und ich wollte es eigentlich trotzdem melden. Aber da

»So«, sagte Bärlach, »du hast es vergessen. Bei dir wenigstens geht es den Einbrechern gut.« Und er dachte: Daher weiß es also Gastma

»Wie steht es nun mit mir?«

»Hast du Schmerzen?«

Der Alte erzählte ihm seinen Anfall.

»Das ist schlimm, Hans«, sagte Hungertobel, »wir müssen dich i

»Ich fühle mich jetzt wohl wie nie.«

»In vier Tagen wird ein neuer Anfall kommen, Hans«, sagte der Arzt, »und den wirst du nicht mehr überleben.«

»Zwei Tage habe ich also noch Zeit. Zwei Tage. Und am Morgen des dritten Tages wirst du mich operieren. Am Dienstagmorgen.«

»Am Dienstagmorgen«, sagte Hungertobel.

»Und da

»Wie kommst du auf solchen Unsi

»Von dem, der meine Krankheitsgeschichte las.«

»Bist du der Einbrecher?« rief der Arzt erregt.

Bärlach schüttelte den Kopf: »Nein, nicht ich. Aber de

»Nur noch ein Jahr«, antwortete Hungertobel, setzte sich an der Wand seines Ordinationszimmers auf einen Stuhl und sah hilflos zu Bärlach hinüber, der in der Mitte des Zimmers stand, in ferner, kalter Einsamkeit, unbeweglich und demütig, vor dessen verlorenem Blick der Arzt nun die Augen senkte.