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Alexander Kent
Admiral Bolithos Erbe
Ein Handstreich in der Biskaya
I Landurlaub
Der Sommer 1801 war selbst für das milde West-England außergewöhnlich freundlich und warm; er brachte tagelang blauen, wolkenlosen Himmel und reichlich So
Eine schnittige Gig glitt zielstrebig unter dem Heck eines hohen Dreideckers durch und wich dabei geschickt einem schwerfälligen Leichter aus, der bis übers Dollbord mit großen Wasserfässern und To
Herrick war sich der Geistesabwesenheit seines Bootsma
Herrick hatte eine lange, ermüdende Reise aus seiner Heimat Kent hinter sich, und je näher er Plymouth gekommen war, um so besorgter hatten sich seine Gedanken mit dem beschäftigt, was ihn erwarten würde.
Sein Schiff, die mit 74 Kanonen bestückte Benbow, war erst vor knapp einem Monat in Plymouth eingelaufen. Kaum zu glauben, daß jenes blutige Inferno, das man inzwischen die» Schlacht von Kopenhagen«[1] na
Herrick runzelte die Stirn und rutschte unbehaglich auf seiner Ducht herum. Er merkte nicht, daß der Schlagma
Solche Leute bekamen nie das Blut zu sehen, das Gemetzel, die zerfetzten Körper und zerrütteten Gemüter, die der Zoll jeder Schlacht waren. Oder das Verhau aus gebrochenen Stagen und gesplitterten Spieren, das ohne Federlesen gekappt werden mußte, damit der Schaden sich in Grenzen hielt und das Wrack sich wieder in ein Kriegsschiff verwandelte.
Herrick ließ den Blick über die stark befahrene Reede wandern. Überall wurden Schiffe ausgerüstet oder verproviantiert. Eine schlanke Fregatte erregte seine Aufmerksamkeit, die ohne Rigg und mit hohem Freibord über ihrem eigenen schmucken Spiegelbild ritt; noch unbelastet von schweren Geschützen oder voller Ma
Doch so leicht ließen sich seine Sorgen nicht zerstreuen. Acht Jahre Krieg mit Frankreich und seinen Verbündeten, und England hatte immer noch viel zu wenig Fregatten. Wohin würde wohl dieser Neubau beordert werden? Wer würde ihn befehligen und an Bord Ruhm oder Schande ernten?
Das eri
Si
Herrick blickte zu seinem breitschultrigen Bootsma
Doch dieser bibbernde Junge in Leutnantsuniform hatte ihn an der Pier erwartet, hatte ehrerbietig seinen Hut gezogen und atemlos in einem einzigen Satz hervorgesprudelt:»Empfehlung des Ersten Offiziers, Sir, und der Admiral ist an Bord.»
Zum Glück stand also wenigstens der Erste Offizier zu seinem Empfang bereit, dachte Herrick grimmig. Aber weshalb war Konteradmiral Richard Bolitho, ein Marineoffizier, unter dem er in allen Winkeln der Welt gekämpft hatte, den er verehrte wie keinen zweiten, wieso war Bolitho ausgerechnet jetzt auf der Benbow?
Immer noch standen die letzten schrecklichen Augenblick bei Kopenhagen vor Herricks Augen: Bolitho mitten im rauchdurchzogenen Schlachtgetöse, unter fallenden Spieren und ohrenzerreißendem Geschützfeuer. Wild trieb er seine Leute an, führte sie mit der rücksichtslosen Entschlossenheit, wie nur er sie über sich brachte. Allein Herrick, sein engster Freund, wußte, was diese Entschlossenheit Bolitho kostete. Erka
Gerade für Bolitho hätte der Landurlaub ganz anders aussehen sollen. Diesmal erwartete ihn eine Frau, eine schöne junge Frau, die ihn entschädigen ko
Die Gig näherte sich ihrem Ziel, dem Linienschiff Benbow, dessen Anblick Herrick immer noch den Atem verschlug. Mit ihrer schwarzen, hellbraun abgesetzten Bordwand, die im So
Sein Blick blieb am Besanmast hängen und an der Flagge, die nur ab und zu an seinem Mastknopf auswehte. Es war die Flagge eines Konteradmirals der Roten Territorien,[3] aber Herrick bedeutete er sehr viel mehr. Wenigstens hatte er seine junge Frau Dulcie diesmal daran teilhaben lassen kö
1
am 1. April 1801
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Offiziersanwärter: Seekadett bzw. Fähnrich zur See
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Rear-Admiral of the Red: britisches Stammgebiet, das auf den alten Karten rot geke