Страница 1 из 75
Alexander Kent
Kanonenfutter — Leutnant Bolithos Handstreich in Rio
Für Winifred, in Liebe
I Willkommen an Bord
Richard Bolitho drückte dem Ma
Bolitho reckte sich und ließ seine Blicke angestrengt über das kabbelige Wasser des Hamoaze schweifen. Dabei spürte er die ungewohnt steife Leutnantsuniform, die — wie alles in seiner Seekiste — funkelnagelneu war: die weißen Aufschläge auf seinem Rock ebenso wie der Hut mit der im Dreieck hochgeschlagenen Krempe, den er etwas ungeschickt auf sein schwarzes Haar gestülpt hatte. Sogar Kniehose und Schuhe stammten aus demselben Geschäft in Falmouth — seiner Heimatstadt in der Grafschaft auf der anderen Uferseite —, von demselben Schneider, der, wie schon seine Vorfahren, neuerna
Dies war ein großer Augenblick für Richard Bolitho, die Verwirklichung all seines Hoffens und Strebens: dieser erste, oft unerreichbar scheinende Schritt vom Kadettenlogis zur Offiziersmesse, zur Würde eines Königlichen Seeoffiziers.
Er drückte seinen Hut so fest in die Stirn, als wolle er sich damit noch einmal selber bestätigen. Es war tatsächlich ein großer Augenblick.
«Sie wollen auf die Destiny, Sir?»
Der Ma
Bolitho sagte:»Ja, sie muß irgendwo da draußen liegen.»
Der Ma
«Eine schöne Fregatte, Sir. Knapp drei Jahre alt. «Er nickte traurig.»Sie wird schon seit Monaten ausgerüstet. Es heißt, für eine lange Reise.»
Bolitho dachte über den Ma
Aber man schrieb jetzt Februar 1774, und beka
Schiffe und Mä
Bolitho fragte:»Auf welchem Schiff sind Sie gefahren?»
Der Ma
«Auf der Torbay, Sir. Unter Käpt'n Keppel. «Genauso schnell sank er wieder zusammen.»Gibt's eine Chance für mich bei Ihnen an Bord,
Sir?»
Bolitho schüttelte den Kopf.»Ich bin neu und weiß noch nicht, wie es auf der Destiny aussieht.»
Der Ma
Er steckte zwei Finger seiner heilen Hand in den Mund und ließ einen durchdringenden Pfiff ertönen. Als Antwort hörte man durch den Nebel das Plätschern von Riemen, und da
Bolitho rief:»Zur Destiny, bitte!»
Als er sich umdrehte, um seinem abgerissenen Begleiter noch ein paar Münzen zuzustecken, war der schon wie ein Geist im Nebel verschwunden.
Bolitho kletterte ins Boot, zog seinen neuen Umhang fester und klemmte den Säbel zwischen die Knie. Das Warten war vorüber. Es hieß nicht länger: übermorgen oder morgen. Es war jetzt.
Das Boot dümpelte und gluckste in dem kabbeligen Wasser, während der Ruderer Bolitho mit wenig Sympathie musterte. Wieder so ein junger Fant, der armen Seeleuten das Leben zur Hölle machen wird, dachte er wohl. Und er mochte überlegen, ob der junge Offizier mit dem ernsten Gesicht und dem schwarzen, im Nacken zusammengebundenen Haar überhaupt wußte, was er für das Übersetzen bezahlen mußte. Er sprach mit dem Akzent eines Ma
Bolitho rekapitulierte noch einmal, was er bisher über sein neues Schiff erfahren hatte: drei Jahre alt, hatte der zerlumpte Träger gesagt. Er sollte es wissen. De
Im übrigen: Mit achtundzwanzig Kanonen bestückt, dabei schnell und beweglich, war die Destiny ein Schiffstyp, von dem die meisten jungen Offiziere träumten. Im Krieg war eine Fregatte nur lose der Flotte zugeordnet, war schneller als jedes größere Schiff und stärker als jedes kleinere: kurz, ein Faktor, mit dem man rechnen mußte. An Bord einer Fregatte gab es auch bessere Aussichten auf frühzeitige Beförderung, und später — we
Bolitho dachte an sein letztes Schiff, das Linienschiff Gorgon: vierundsiebzig Kanonen, riesengroß und plump, mit einem Gewimmel von Menschen, mit gewaltigen Segeln, meilenlangem Tauwerk und riesigen Masten und Rahen. Es war außerdem eine Schule gewesen, eine sehr strenge Schule, in der die jungen Kadetten und Fähnriche vieles lernen mußten, vor allem aber, ihre Gefühle zu beherrschen und auch Ungerechtigkeiten zu ertragen.
Bolitho schaute hoch, als der Bootsma
Bolitho spähte nach vorn, froh über die Unterbrechung. Was hatte seine Mutter gesagt, als er sich von ihr in dem großen grauen Haus in Falmouth verabschiedet hatte?» Wirf alles hinter dich, Dick. Du ka
Die Nebelwand wurde erst dunkler und teilte sich da
Von ihrer schlank wirkenden, schwarz-gelben Bordwand bis zu den drei Mastspitzen war sie ein Vollblut. Ihre Wanten, Stage und Pardu-nen waren neu geteert, ihre Rahen sauber quergebraßt, und jedes Segel war sorgfältig aufgetucht. Bolitho schaute zur Galionsfigur empor, die ihn zu begrüßen schien. Es war die schönste Figur, die er je gesehen hatte: ein barbusiges Mädchen, dessen ausgestreckter Arm auf den fernen Horizont zu weisen schien. In der anderen Hand hielt es einen Lorbeerkranz. Nur die goldenen Blätter und die starren blauen Augen setzten Farbakzente in das reine Weiß der Gestalt.
Zwischen zwei Riemenschlägen erläuterte der Bootsma
Bolitho musterte die Fregatte, als sie an ihrer Bordwand entlang-dümpelten, und sah, daß sich ein paar Leute auf der Laufbrücke hoch über ihm zu schaffen machten. Sie war ein schönes Schiff. Er hatte Glück gehabt.