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Ein fürchterliches Gefühl der Fremde steigt plötzlich in mir hoch. Ich ka
Müde stehe ich auf und schaue aus dem Fenster. Da
– Blätter, Hefte, Briefe. Stumm stehe ich davor. Wie vor einem Gericht. Mutlos. Worte, Worte, Worte – sie erreichen mich nicht. Langsam stelle ich die Bücher wieder in die Lücken. Vorbei. Still gehe ich aus dem Zimmer.
Noch gebe ich es nicht auf. Mein Zimmer betrete ich zwar nicht mehr, aber ich tröste mich damit, daß einige Tage noch nicht ein Ende zu sein brauchen. Ich habe nachher -später – Jahre dafür Zeit. Vorläufig gehe ich zu Mittelstaedt in die Kaserne, und wir sitzen in seiner Stube, da ist eine Luft, die ich nicht liebe, an die ich aber gewöhnt bin. Mittelstaedt hat eine Neuigkeit parat, die mich sofort elektrisiert. Er erzählt mir, daß Kantorek eingezogen worden sei als Landsturmma
Wir gehen auf den Hof. Die Kompanie ist angetreten. Mittelstaedt läßt rühren und besichtigt.
Da erblicke ich Kantorek und muß das Lachen verbeißen. Er trägt eine Art Schoßrock aus verblichenem Blau. Auf dem Rücken und an den Ärmeln sind große dunkle Flicken eingesetzt. Der Rock muß einem Riesen gehört haben. Um so kürzer ist die abgewetzte schwarze Hose; sie reicht bis zur halben Wade. Dafür sind aber die Schuhe sehr geräumig, eisenharte, uralte Treter, mit hochgebogenen Spitzen, noch an den Seiten zu schnüren. Als Ausgleich ist die Mütze wieder zu klein, ein furchtbar dreckiges, elendes Krätzchen. Der Gesamteindruck ist erbarmungswürdig. Mittelstaedt bleibt stehen vor ihm:»Landsturmma
Ich brülle i
Mittelstaedt mißbilligt weiter:»Sehen Sie sich mal Boettcher an, der ist vorbildlich, von dem kö
Ich traue meinen Augen kaum. Boettcher ist ja auch da, unser Schulportier. Und der ist vorbildlich! Kantorek schießt mir einen Blick zu, als ob er mich fressen möchte. Ich aber grinse ihm nur harmlos in die Visage, so als ob ich ihn gar nicht weiter ke
Wie blödsi
Vorläufig läßt Mittelstaedt etwas Schwärmen üben. Kantorek wird dabei wohlwollend von ihm zum Gruppenführer bestimmt.
Damit hat es seine besondere Bewandtnis. Der Gruppenführer muß beim Schwärmen nämlich stets zwanzig Schritt vor seiner Gruppe sein; – kommandiert man nun: Kehrt – marsch!, so macht die Schwarmlinie nur die Wendung, der Gruppenführer jedoch, der dadurch plötzlich zwanzig Schritt hinter der Linie ist, muß im Galopp vorstürzen, um wieder seine zwanzig Schritt vor die Gruppe zu kommen. Das sind zusammen vierzig Schritt: Marsch, marsch. Kaum ist er aber angelangt, so wird einfach wieder Kehrt -marsch! befohlen, und er muß eiligst wieder vierzig Schritt nach der anderen Seite rasen. Auf diese Weise macht die Gruppe nur gemütlich immer eine Wendung und ein paar Schritte, während der Gruppenführer hin und her saust wie ein Furz auf der Gardinenstange. Das Ganze ist eines der vielen probaten Rezepte von Himmelstoß.
Kantorek ka
Mittelstaedt ermuntert ihn, indem er den Landsturmma
Mich wundert, daß Kantorek nicht mit einem Knall zerplatzt, besonders, da jetzt die Turnstunde folgt, in der Mittelstaedt ihn großartig kopiert, indem er ihm in den Hosenboden faßt beim Klimmzug am Querbaum, damit er das Ki
Danach wird der weitere Dienst verteilt.»Kantorek und Boettcher zum Kommißbrotholen! Nehmen Sie den Handwagen mit.«
Ein paar Minuten später geht das Paar mit dem Handwagen los. Kantorek hält wütend den Kopf gesenkt. Der Portier ist stolz, weil er leichten Dienst hat.
Die Brotfabrik ist am andern Ende der Stadt. Beide müssen also hin und zurück durch die ganze Stadt.
»Das machen sie schon ein paar Tage«, grinst Mittelstaedt.»Es gibt bereits Leute, die darauf warten, sie zu sehen.«»Großartig«, sage ich,»aber hat er sich noch nicht beschwert?«
»Versucht! Unser Kommandeur hat furchtbar gelacht, als er die Geschichte gehört hat. Er ka
»Er wird dir das Examen versauen.«
»Darauf pfeife ich«, meint Mittelstaedt gelassen.»Seine Beschwerde ist außerdem zwecklos gewesen, weil ich beweisen ko
»Kö
»Dazu ist er mir zu dämlich«, antwortet Mittelstaedt erhaben und großzügig.
Was ist Urlaub? – Ein Schwanken, das alles nachher noch viel schwerer macht. Schon jetzt mischt sich der Abschied hinein. Meine Mutter sieht mich schweigend an; – sie zählt die Tage, ich weiß es; – jeden Morgen ist sie traurig. Es ist schon wieder ein Tag weniger. Meinen Tornister hat sie weggepackt, sie will durch ihn nicht eri
Wir haben kein Glück. Nachdem wir drei Stunden abwechselnd gewartet haben, löst sich die Reihe auf. Die Knochen sind zu Ende.
Es ist gut, daß ich meine Verpflegung erhalte. Davon bringe ich meiner Mutter mit, und wir haben so alle etwas kräftigeres Essen.
Immer schwerer werden die Tage, die Augen meiner Mutter immer trauriger. Noch vier Tage. Ich muß zu Kemmerichs Mutter gehen.
Man ka
Ich sage ihr, daß er einen Schuß ins Herz erhalten hat und gleich tot war. Sie sieht mich an, sie zweifelt:»Du lügst. Ich weiß es besser. Ich habe gefühlt, wie schwer er gestorben ist. Ich habe seine Stimme gehört, seine Angst habe ich nachts gespürt, – sag die Wahrheit, ich will es wissen, ich muß es wissen.«
»Nein«, sage ich,»ich war neben ihm. Er war sofort tot.«Sie bittet mich leise:»Sag es mir. Du mußt es. Ich weiß, du willst mich damit trösten, aber siehst du nicht, daß du mich schlimmer quälst, als we
Ich werde es nie sagen, eher ka
Sie schweigt. Da
»Ja.«
»Bei allem, was dir heilig ist?«
Ach Gott, was ist mir schon heilig; – so was wechselt ja schnell bei uns.
»Ja, er war sofort tot.«
»Willst du selbst nicht wiederkommen, we
»Ich will nicht wiederkommen, we