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Lieber schuldig. — »Lieber schuldig bleiben, als mit einer Münze zahlen, die nicht unser Bild trägt!«— so will es unsere Souveränität.

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Immer zu Hause. — Eines Tages erreichen wir unser Ziel — und weisen nunmehr mit Stolz darauf hin, was für lange Reisen wir dazu gemacht haben. In Wahrheit merkten wir nicht, dass wir reisten. Wir kamen aber dadurch so weit, dass wir an jeder Stelle wähnten, zu Hause zu sein.

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Gegen die Verlegenheit. — Wer immer tief beschäftigt ist, ist über alle Verlegenheit hinaus.

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Nachahmer. — A.:»Wie? Du willst keine Nachahmer?«B.:»Ich will nicht, dass man mir Etwas nachmache, ich will, dass Jeder sich Etwas vormache: das Selbe, was ich thue. «A.:»Also —?»

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Hautlichkeit. — Alle Menschen der Tiefe haben ihre Glückseligkeit darin, einmal den fliegenden Fischen zu gleichen und auf den äussersten Spitzen der Wellen zu spielen; sie schätzen als das Beste an den Dingen, — dass sie eine Oberfläche haben: ihre Hautlichkeit — sit venia verbo.

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Aus der Erfahrung. — Mancher weiss nicht, wie reich er ist, bis er erfährt, was für reiche Menschen an ihm noch zu Dieben werden.

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Die Leugner des Zufalls. — Kein Sieger glaubt an den Zufall.

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Aus dem Paradiese. — »Gut und böse sind die Vorurtheile Gottes«— sagte die Schlange.

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Ein Mal eins. — Einer hat immer Unrecht: aber mit Zweien begi

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Originalität. — Was ist Originalität? Etwas sehen, das noch keinen Namen trägt, noch nicht gena

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Sub specie aeterni. — A.:»Du entfernst dich immer schneller von den Lebenden: bald werden sie dich aus ihren Listen streichen!«— B.:»Es ist das einzige Mittel, um an dem Vorrecht der Todten theilzuhaben.«— A.:»An welchem Vorrecht?«— B.:»Nicht mehr zu sterben.»

263

Ohne Eitelkeit. — We

264

Was wir thun. — Was wir thun, wird nie verstanden, sondern immer nur gelobt und getadelt.

265

Letzte Skepsis. — Was sind de

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Wo Grausamkeit noth thut. — Wer Größe hat, ist grausam gegen seine Tugenden und Erwägungen zweiten Ranges.

267

Mit einem grossen Ziele. — Mit einem grossen Ziele ist man sogar der Gerechtigkeit überlegen, nicht nur seinen Thaten und seinen Richtern.

268

Was macht heroisch? — Zugleich seinem höchsten Leide und seiner höchsten Hoffnung entgegengehn.

269

Woran glaubst du? — Daran: dass die Gewichte aller Dinge neu bestimmt werden müssen.

270

Was sagt dein Gewissen? — »Du sollst der werden, der du bist.»

271

Wo liegen deine grössten Gefahren? — Im Mitleiden.

272

Was liebst du an Anderen? — Meine Hoffnungen.

273

Wen ne

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Was ist dir das Menschlichste? — Jemandem Scham ersparen.

275

Was ist das Siegel der erreichten Freiheit? — Sich nicht mehr vor sich selber schämen.

Viertes Buch

Sanctus Januarius.

276

Zum neuen Jahre. — Noch lebe ich, noch denke ich: ich muss noch leben, de

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Persönliche Providenz. — Es giebt einen gewissen hohen Punct des Lebens: haben wir den erreicht, so sind wir mit all unserer Freiheit, und so sehr wir dem schönen Chaos des Daseins alle fürsorgende Vernunft und Güte abgestritten haben, noch einmal in der grössten Gefahr der geistigen Unfreiheit und haben unsere schwerste Probe abzulegen. Jetzt nämlich stellt sich erst der Gedanke an eine persönliche Providenz mit der eindringlichsten Gewalt vor uns hin und hat den besten Fürsprecher, den Augenschein, für sich, jetzt wo wir mit Händen greifen, dass uns alle, alle Dinge, die uns treffen, fortwährend zum Besten gereichen. Das Leben jedes Tages und jeder Stunde scheint Nichts mehr zu wollen, als immer nur diesen Satz neu beweisen; sei es was es sei, böses wie gutes Wetter, der Verlust eines Freundes, eine Krankheit, eine Verleumdung, das Ausbleiben eines Briefes, die Verstauchung eines Fusses, ein Blick in einen Verkaufsladen, ein Gegenargument, das Aufschlagen eines Buches, ein Traum, ein Betrug: es erweist sich sofort oder sehr bald nachher als ein Ding, das» nicht fehlen durfte«, — es ist voll tiefen Si