Страница 2 из 26
Götz. Bring mir einen Krug Wein, gib Hansen auch ein Glas, sag ihm, er soll munter sein, es gilt. Ich hoffe jeden Augenblick, meine Kundschafter sollen zurückkommen.
Georg. Ach gestrenger Herr!
Götz. Was hast du?
Georg. Darf ich nicht mit?
Götz. Ein andermal, Georg, wa
Georg. Ein andermal, das habt Ihr schon oft gesagt. O diesmal! diesmal! Ich will nur hintendreinlaufen, nur auf der Seite lauern. Ich will Euch die verschossenen Bolzen wiederholen.
Götz. Das nächstemal, Georg. Du sollst erst ein Wams haben, eine Blechhaube und einen Spieß.
Georg. Nehmt mich mit! Wär ich letzt dabei gewesen, Ihr hättet die Armbrust nicht verloren.
Götz. Weißt du das?
Georg. Ihr warft sie dem Feind an Kopf, und einer von den Fußknechten hob sie auf; weg war sie! Gelt ich weiß?
Götz. Erzählen dir das meine Knechte?
Georg. Wohl. Dafür pfeif ich ihnen auch, wa
Götz. Du bist ein braver Junge.
Georg. Nehmt mich mit, daß ich's zeigen ka
Götz. Das nächstemal, auf mein Wort. Unbewaffnet wie du bist, sollst du nicht in Streit. Die künftigen Zeiten brauchen auch Mä
(Bruder Martin kommt.)
Götz. Ehrwürdiger Vater, guten Abend! woher so spät? Ma
Martin. Dank Euch, edler Herr! Und bin vor der Hand nur demütiger Bruder, we
Götz. Ihr seid müde, Bruder Martin, und ohne Zweifel durstig! (Der Bub kommt.) Da kommt der Wein eben recht.
Martin. Für mich einen Trunk Wasser. Ich darf keinen Wein trinken.
Götz. Ist das Euer Gelübde?
Martin. Nein, gnädiger Herr, es ist nicht wider mein Gelübde, Wein zu trinken; weil aber der Wein wider mein Gelübde ist, so trinke ich keinen Wein.
Götz. Wie versteht Ihr das?
Martin. Wohl Euch, daß Ihr's nicht versteht. Essen und trinken, mein ich, ist des Menschen Leben.
Götz. Wohl!
Martin. We
Götz. Wie ich ihn, trinke, ist es wahr.
Martin. Davon red ich auch. Aber wir —
(Georg mit Wasser.)
Götz (zu Georg heimlich). Geh auf den Weg nach Dachsbach, und leg dich mit dem Ohr auf die Erde, ob du nicht Pferde kommen hörst, und sei gleich wieder hier.
Martin. Aber wir, we
Götz. Ein Glas, Bruder Martin, wird Euch nicht im Schlaf stören. Ihr seid heute viel gegangen. (Bringt's ihm.) Alle Streiter!
Martin. In Gottes Namen! (Sie stoßen an.) Ich ka
Götz. Das ist also Eure Sache nicht. (Er steht auf, sieht nach dem Jungen und kommt wieder.)
Martin. Wollte, Gott hätte mich zum Gärtner oder Laboranten gemacht! Ich kö
Götz. Noch eins! Gute Verrichtung!
Martin. Gleichfalls.
Götz. Was seht Ihr mich so an, Bruder?
Martin. Daß ich in Euern Harnisch verliebt bin.
Götz. Hättet Ihr Lust zu einem? Es ist schwer und beschwerlich ihn zu tragen.
Martin. Was ist nicht beschwerlich auf dieser Welt! und mir kommt nichts beschwerlicher vor, als nicht Mensch sein dürfen. Armut, Keuschheit und Gehorsam — drei Gelübde, deren jedes, einzeln betrachtet, der Natur das Unausstehlichste scheint, so unerträglich sind sie alle. Und sein ganzes Leben unter dieser Last, oder der weit drückendern Bürde des Gewissens mutlos zu keuchen! O Herr! was sind die Mühseligkeiten Eures Lebens, gegen die Jämmerlichkeiten eines Standes, der die besten Triebe, durch die wir werden, wachsen und gedeihen, aus mißverstandener Begierde Gott näher zu rücken, verdammt?
Götz. Wär Euer Gelübde nicht so heilig, ich wollte Euch bereden, einen Harnisch anzulegen, wollt Euch ein Pferd geben, und wir zögen miteinander.
Martin. Wollte Gott, meine Schultern fühlten Kraft, den Harnisch zu ertragen, und mein Arm Stärke, einen Feind vom Pferd zu stechen! — Arme schwache Hand, von jeher gewohnt, Kreuze und Friedensfahnen zu führen und Rauchfässer zu schwingen, wie wolltest du Lanze und Schwert regieren! Meine Stimme, nur zu Ave und Halleluja gestimmt, würde dem Feind ein Herold meiner Schwäche sein, we
Götz. Glückliche Wiederkehr!
Martin. Das trinke ich nur für Euch. Wiederkehr in meinen Käfig ist allemal unglücklich. We
Götz. Dafür kommt's auch selten.
Martin (feuriger). Und ist, we
Götz. Was meint Ihr?
Martin. Und Eure Weiber! (Er schenkt ein.) Auf Gesundheit Eurer Frau! (Er wischt sich die Augen.) Ihr habt doch eine?
Götz. Ein edles vortreffliches Weib!
Martin. Wohl dem, der ein tugendsam Weib hat! des lebt er noch eins so lange. Ich ke
Götz (vor sich). Er dauert mich! Das Gefühl seines Standes frißt ihm das Herz.
Georg (gesprungen). Herr! ich höre Pferde im Galopp! Zwei! Es sind sie gewiß.
Götz. Führ mein Pferd heraus! Hans soll aufsitzen. — Lebt wohl, teurer Bruder, Gott geleit Euch! Seid mutig und geduldig. Gott wird Euch Raum geben.
Martin. Ich bitt um Euern Namen.
Götz. Verzeiht mir. Lebt wohl! (Er reicht ihm die linke Hand.)
Martin. Warum reicht Ihr mir die Linke? Bin ich die ritterliche Rechte nicht wert?