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Paulo Coelho

Das Märchen von den zwei Straßen

Eine Geschichte über Zwietracht und Versöhnung

Jahrhunderte bevor wir mit Neuigkeiten über die Auswirkungen der sogena

Im fernen Osten von Armenien gab es einst ein kleines Dorf, welches sich entlang von zwei parallel laufenden Straßen entwickelt hatte, die beka

»Irgendjemand in der Südstraße muß wohl gestorben sein«, sagte der Schlachter zum Tuchhändler. »Sieh nur, wie dieser arme Fremde weint, der gerade von dort kommt.«

Ein Kind hörte zufällig diese Äußerung und bega

Höchst beunruhigt entschied der Fremde, sogleich abzureisen. Die Zwiebeln, die er sich zum Essen geschält hatte und die der Grund für seine tränenden Augen waren, warf er weg und er entfernte sich eilends.

Die Mütter waren erschrocken, als sie ihre Kinder weinen sahen und wollten sofort herausfinden, was geschehen war. Sie entdecken, dass der Schlachter, der Tuchhändler und inzwischen auch andere Kaufleute höchst beunruhigt waren über die Tragödie, die sich in der Südstraße ereignet hatte.

Danach flogen die Gerüchte mit Windeseile und da das Dorf nur wenige Einwohner hatte, wusste sehr bald jeder, der in der Nähe der beiden Straßen wohnte, dass etwas Schreckliches geschehen war. Die Erwachsenen fürchteten das Schlimmste und besorgt wegen des möglichen Ausmaßes der Tragödie entschiedenen sie sich, keine Nachfragen zu stellen, um die Situation nicht noch weiter zu verschlechtern.

Ein blinder Ma

»Etwas Furchtbares ist in der Nordstraße passiert,« antwortete einer der Dörfler. »Die Kinder weinen, die Mä

Nur wenig später hatte sich das Gerücht über den Ausbruch einer tödlichen, bisher unbeka

Noch vor Einbruch der Dunkelheit hatten die Bewohner beider Straßen ihre Häuser verlassen und strebten in die östlichen Berge.

Heute, Jahrhunderte später, ist das Dorf, durch das der zwiebelschälende Fremde wanderte, immer noch völlig verlassen. Nicht weit entfernt entwickelten sich zwei neue Dörfer, gena

Die Einwohner beider Dörfer, Nachfahren des alten Dorfes, sprechen immer noch nicht miteinander, weil Zeit und Legende eine Mauer der Angst zwischen ihnen aufgebaut haben; sie sind überzeugt davon, dass die Welt, in der sie leben, in große Gefahr geraten kö

Scheich Qalander Shah bemerkt dazu: »In der Welt geht es nicht um die Dinge selbst, sondern um unsere Einstellung ihnen gegenüber.«

We

Es war zu umständlich, sich in neue Kriege einzumischen und so ko

Zwischenzeitlich – bevor irgendeine Terrorattacke stattgefunden hatte – war ein anderer Reisender – wiederum zwiebelessend – durch das »Weltdorf« gewandert. Der gerechte Krieg war nach Europa zurückgekehrt mit seinen Kollateralschäden in Belgrad; die Börsenmärkte brachen zusammen; diejenigen, die uns zu mutigen Aktienkäufen ermuntert hatten, erklärten nun, dass der Zusammenbruch unvermeidlich war; die Leute waren besorgt um ihre Pensionsfonds, ihre Alterssicherung und wussten nicht, was sie nun machen sollten.

Als die wirkliche Gefahr ihr Gesicht zeigte – am Morgen des 11. September 2001 – befand sich die Menschheit am Rande eines Nervenzusammenbruchs und in dem Augenblick entschieden sich die Einwohner der Nordstraße (beka

Ob es möglich ist, die zwei Dörfer wieder zu versöhnen, bevor eine allgemeine Hysterie noch Schlimmeres bewirkt? Ich glaube: ja. Wir müssen politische Analysen, wirtschaftliche Vorhersagen und soziologische Studien beiseite legen und nach der Antwort auf folgende Grundfrage suchen: Wer bin ich und warum handle ich so? Es gibt da einen wunderbaren Weg! Schauen wir unser Leben an als wär es ein Radre

We

Wir fahren durch dunkle Wälder. Dort ka

Da

Ja, das ist sie. Es geht nur darum, nicht aufzugeben. Pater Alan Jones sagt dazu, dass wir um diese Hindernisse zur Verbesserung der Welt zu überwinden vier unsichtbare Kräfte brauchen – Liebe, Tod, Macht und Zeit. Wir müssen lieben, weil wir geliebt werden, obwohl unsere Einsamkeit uns oft das Gegenteil glauben lässt. Wir müssen uns des Todes bewusst sein, um das Leben ganz zu verstehen.