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Am anderen Ende der großen Schüssel, vielleicht zwei Meilen entfernt, lag, oder besser gesagt, klebte an den ansteigenden Bergen eine Stadt. Sie machte aus der Entfernung gesehen keinen besonders pompösen Eindruck. Da war kein mächtiger Dom, der die Häuser überragte, bloß ein kleiner Stumpen von Kirchturm, keine dominierende Feste, kein auffallend prächtiges Gebäude. Die Mauern schienen alles andere als trutzig, da und dort quollen die Häuser über ihre Begrenzung hinaus, vor allem nach unten zur Ebene hin, und verliehen dem Weichbild ein etwas zerfleddertes Aussehen. Es war, als sei dieser Ort schon zu oft erobert und wieder entsetzt worden, als sei er es müde, künftigen Eindringlingen noch ernsthaften Widerstand entgegenzusetzen – aber nicht aus Schwäche, sondern aus Lässigkeit oder sogar aus einem Gefühl von Stärke. Er sah aus, als habe er es nicht nötig zu prunken. Er beherrschte die große duftende Schüssel zu seinen Füßen, und das schien ihm zu genügen.

Dieser zugleich unansehnliche und selbstbewusste Ort war die Stadt Grasse, seit einigen Jahrzehnten unumstrittene Produktions- und Handelsmetropole für Duftstoffe, Parfumeriewaren, Seifen und Öle. Giuseppe Baldini hatte ihren Namen immer mit schwärmerischer Verzückung ausgesprochen. Ein Rom der Düfte sei die Stadt, das gelobte Land der Parfumeure, und wer nicht seine Sporen hier verdient habe, der trage nicht zu Recht den Namen Parfumeur.

Grenouille sah mit sehr nüchternem Blick auf die Stadt Grasse. Er suchte kein gelobtes Land der Parfumerie, und ihm ging das Herz nicht auf im Angesicht des Nestes, das da drüben an den Hängen klebte. Er war gekommen, weil er wusste, dass es dort einige Techniken der Duftgewi

Er aß in einem Gasthof am oberen Ende der Stadt, an der Place aux Aires. Der Platz war der Länge nach von einem Bach durchschnitten, an dem die Gerber ihre Häute wuschen, um sie anschließend zum Trocknen auszubreiten. Der Geruch war so stechend, dass manchem der Gäste der Geschmack am Essen verging. Ihm, Grenouille, nicht. Ihm war der Geruch vertraut, ihm gab er ein Gefühl von Sicherheit. In allen Städten suchte er immer zuerst die Viertel der Gerber auf. Es war ihm da

Den ganzen Nachmittag über durchstreifte er die Stadt. Sie war unglaublich schmutzig, trotz oder vielmehr gerade wegen des vielen Wassers, das aus Dutzenden von Quellen und Bru

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Dies waren nun allerdings Kaufleute, die über wahre Duftstoffgroßkontore verfügten. Anzusehen war es ihren Häusern oftmals kaum. Die zur Straße hin gelegenen Fassaden sahen bürgerlich bescheiden aus. Doch was dahinter lagerte, auf Speichern und in riesenhaften Kellern, an Fässern von Öl, an Stapeln von feinster Lavendelseife, an Ballons von Blütenwässern, Weinen, Alkoholen, an Ballen von Duftleder, an Säcken und Truhen und Kisten, vollgestopft mit Gewürzen… – Grenouille roch es in allen Einzelheiten durch die dicksten Mauern – , das waren Reichtümer, wie sie Fürsten nicht besaßen. Und we

Vor einem der camouflierten Palazzi blieb er längere Zeit stehen. Das Haus befand sich am Anfang der Rue Droite, einer Hauptstraße, die die Stadt in ihrer ganzen Länge von Westen nach Osten durchzog. Es war nicht außergewöhnlich anzusehen, wohl etwas breiter und behäbiger an der Front als die Nachbargebäude, aber durchaus nicht imposant. Vor der Toreinfahrt stand ein Wagen mit Fässern, die über eine Pritsche entladen wurden. Ein zweites Fuhrwerk wartete. Ein Ma

Er schloss die Augen und konzentrierte sich auf die Gerüche, die ihm von dem Gebäude gegenüber zuflogen. Da waren die Gerüche der Fässer, Essig und Wein, da

Er überlegte, ob er einfach durch die Toreinfahrt in das Anwesen eindringen sollte. Aber da waren unterdessen so viele Leute mit dem Abladen und dem Kontrollieren der Fässer beschäftigt, dass er sicher aufgefallen wäre. Er entschloss sich, die Straße zurückzugehen, um eine Gasse oder einen Durchlaß zu finden, der vielleicht an der Querseite des Hauses entlangführte. Nach wenigen Metern hatte er das Stadttor am Begi

Wieder schloss er die Augen. Die Düfte des Gartens fielen über ihn her, deutlich und klar konturiert wie die farbigen Bänder eines Regenbogens. Und der eine, der kostbare, der, auf den es ihm ankam, war darunter. Grenouille wurde es heiß vor Wo