Страница 35 из 59
Das Duftwesen hatte alte Tradition in Montpellier, und obwohl es in jüngster Zeit im Vergleich zur Konkurrenzstadt Grasse etwas heruntergekommen war, lebten doch noch etliche gute Parfumeur- und Handschuhmachermeister in der Stadt. Der angesehenste unter ihnen, ein gewisser Runel, erklärte sich im Hinblick auf die Geschäftsbeziehungen mit dem Hause desMarquis de la Taillade-Espinasse, dessen Seifen-, Öl- und Duftstofflieferant er war, zu dem außergewöhnlichen Schritt bereit, sein Atelier für eine Stunde dem in der Sänfte herbeigeschafften sonderbaren Pariser Parfumeurgesellen abzutreten. Dieser ließ sich nichts erklären, wollte gar nicht wissen, wo er was zu finden habe, er ke
Runels Werkstatt und Laden waren bei weitem nicht so üppig ausgestattet wie seinerzeit Baldinis Duftstoffhandlung in Paris. Mit den paar Blütenölen, Wässern und Gewürzen hätte ein durchschnittlicher Parfumeur keine großen Sprünge machen kö
Diese Aura aber, die höchst komplizierte, unverwechselbare Chiffre des persönlichen Geruchs, war für die meisten Menschen ohnehin nicht wahrnehmbar. Die meisten Menschen wussten nicht, dass sie sie überhaupt besaßen, und taten überdies alles, um sie unter Kleidern oder unter modischen Kunstgerüchen zu verstecken. Nur jener Grundduft, jene primitive Menschendünstelei, war ihnen wohlvertraut, in ihr nur lebten sie und fühlten sich geborgen, und wer nur den eklen allgemeinen Brodem von sich gab, wurde von ihnen schon als ihresgleichen angesehen.
Es war ein seltsames Parfum, das Grenouille an diesem Tag kreierte. Ein seltsameres hatte es bis dahin auf der Welt noch nicht gegeben. Es roch nicht wie ein Duft, sondern wie ein Mensch, der duftet. We
Um diesen Menschenduft zu imitieren – recht ungenügend, wie er selber wusste, aber doch geschickt genug, um andere zu täuschen – , suchte sich Grenouille die ausgefallensten Ingredienzen in Runels Werkstatt zusammen. Da war ein Häufchen Katzendreck hinter der Schwelle der Tür, die zum Hof führte, noch ziemlich frisch. Davon nahm er ein halbes Löffelchen und gab es zusammen mit einigen Tropfen Essig und zerstoßenem Salz in die Mischflasche. Unter dem Werktisch fand er ein daume
Über diese grauenvolle Basis, die an und für sich eher kadaverhaft als menschenähnlich roch, legte Grenouille nun eine Schicht von ölig-frischen Düften: Pfefferminz, Lavendel, Terpentin, Limone, Eukalyptus, die er durch ein Bouquet von feinen Blütenölen wie Geranium, Rose, Orangenblüte und Jasmin zugleich zügelte und angenehm kaschierte. Nach weiterer Verdü
Grenouille füllte es auf zwei Flakons, die er verstöpselte und zu sich steckte. Da
Nachdem er auch das zweite Parfum auf Flakons gefüllt hatte, zog er sich nackt aus und besprengte seine Kleider mit jenem ersten. Da