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Erster Aufzug
Erster Auftritt
Die Wirtsstube.
Söller sitzt im Domino an einem Tischchen, worauf ein Licht, eine Bouteille Wein und ein Glas steht. Sophie gegenüber sitzt und näht eine Feder und eine Schleife auf einen Hut. Der Wirt kommt herein. In der Tiefe des Theaters steht ein Tisch, darauf ein Licht, Bücher und Tintenfaß, dabei ein Lehnsessel.
Wirt zu Söllern.
Schon wieder auf den Ball! Im Ernst, Herr Schwiegersohn,
Ich bin Sein Rasen satt und dächt, Er blieb davon.
Mein Mädchen hab ich Ihm wahrhaftig nicht gegeben,
Um so in' Tag hinein von meinem Geld zu leben.
Ich bin ein alter Ma
Ein Helfer fehlte mir, nahm ich Ihn nicht dazu?
Ein schöner Helfer! Ja, mein bißchen durchzubringen!
Söller summt ein Liedchen vor sich.
Wirt.
O sing Er, sing Er nur, ich will ihm auch eins singen!
Er ist ein dummer Kerl, der doch zu gar nichts taugt,
Als daß er sich besäuft und etwas Tabak raucht.
Die ganze Nacht geschwärmt, den halben Tag im Bette!
Kein Herzog ist im Reich, der besser leben hätte.
Da sitzt das Ebenteur mit weiten Ärmeln da,
Der König Hasenfuß!
Söller trinkt.
Ihr Wohlergehn, Papa!
Wirt.
Ein saubres Wohlergehn! Das Fieber möcht ich kriegen.
Sophie.
Mein Vater, sein Sie gut.
Söller trinkt.
Mein Fiekchen, dein Vergnügen!
Sophie.
Das Größte wäre mir, euch nicht entzweit zu sehn.
Wirt.
We
Ich bin wahrhaftig lang des ewgen Zankens müde,
Doch wie er's täglich treibt, da halt der Henker Friede!
Er ist ein schlechter Mensch, so kalt, so undankbar!
Er sieht nicht, was er ist, er denkt nicht, was er war,
Nicht an den povern Stand, aus dem ich ihn gerissen,
An seine Schulden nicht; davon will er nichts wissen.
Man sieht, es bessert doch nicht Elend, Reu noch Zeit; —
Einmal ein Lumpenhund, der bleibt's in Ewigkeit.
Sophie.
Er ändert sich gewiß.
Wirt.
Muß er's so lang verschieben?
Sophie.
Das tut die Jugend meist.
Söller.
Ja, Fiekchen, was wir lieben!
Er trinkt.
Wirt aufgebracht.
Dem einen Ohr hinein, dem andern grad heraus!
Er hört mich nicht einmal. Was bin ich de
Ich hab schon zwanzig Jahr mit Ehren mich gehalten.
Meint Er, was ich erwarb, das wollt Er nun verwalten,
Und wollt's so nach und nach verteilen? Nein, mein Freund,
Das laß Er sich vergehn! So bös ist's nicht gemeint!
Mein Ruf hat lang gewährt, und soll noch länger währen;
Es ke
Es ist kein dummer Bär, und konserviert sein Fell;
Jetzt wird mein Haus gemalt, und da
Da regnet's Kavaliers, da kommt das Geld mit Haufen.
Doch da gilt's fleißig sein, und nicht sich dumm zu saufen!
Des Abends spät zu Bett, und morgens auf bei Zeit,
So heißt es!
Söller.
Bis dahin ist es noch ziemlich weit.
Bleibt es nur, wie es ist, und wird nicht etwa schlimmer.
Wer wohnt de
Wirt.
Ach wer verreist auch jetzt? Das ist nun so einmal,
Und hat nicht Herr Alcest die Zimmer an dem Saal?
Söller.
Nun ja, das ist wohl was, der ist ein guter Kunde;
Allein, Minuten sind erst sechzig eine Stunde.
Und da
Wirt pikiert.
Wie?
Söller greift nach dem Glas.
Ach, apropos, Papa. Es lebe Paoli.
Wirt freundlich.
Proficiat, Herr Sohn! Der brave Ma
Solch eine Tapferkeit hat es nicht leicht gegeben;
Auch in dem Unglück selbst verläßt der Mut ihn nie.
Gewiß, ich ne
Söller.
O ja, das gibt ein Schild recht nach der Zeitungsmode.
We
Wie kommt es, haben Sie die Zeitung nicht gesehn
Von heut?
Wirt.
Sie ist nicht da. Der Jung muß nach ihr gehn.
We
Das Herz hüpft mir im Leib, als hört ich wirklich schießen.
Ab.
Zweiter Auftritt
Söller. Sophie.
Söller.
Ha, es ist nichts so schlimm, die Zeitung macht es gut.
Sophie.
Ja, gib ihm immer nach!
Söller.
Ich hab kein schnelles Blut,
Das ist sein Glück; de
Als wär ich —
Sophie.
Lieber Ma
Söller.
Beim Kuckuck! Beim St. Velten!
Ich weiß das alles wohl, daß ich vor einem Jahr
Ein lockrer Passagier und voller Schulden war.
Sophie.
Mein Guter, sei nicht bös!
Söller.
Und we
So war ich doch ein Ma
Sophie.
Dein ewger Vorwurf läßt mir keine Stunde froh.
Söller.
Ich werfe dir nichts vor, ich meine ja nur so.
De
We
Sophie wie schön bist du, und ich bin nicht von Stein,
Er küßt sie.
Ich ke
Ich liebe dich —
Sophie.
Und doch ka
Söller.
Eh geh, was liegt de
Daß dich Alcest geliebt, daß du für ihn gebra
Und ihn auch wohl vielleicht — daß du ihn lang geka
Sophie.
Oh!
Söller.
Nein, ich wüßte nicht, was ich da Böses sähe!
Ein Bäumchen, das man pflanzt, das schießt zu seiner Höhe;
Und we
Wer da ist; übers Jahr gibt's wieder. Ja, Sophie,
Ich weiß das gar zu wohl, um etwas draus zu machen.
Mir ist's nur lächerlich.
Sophie.
Ich finde nichts zu lachen.
Daß mich Alcest geliebt, daß er für mich gebra
Und ich ihn auch geliebt, und ich ihn lang geka
Was ist's de
Söller.
Nichts! das will ich auch nicht sagen,
Daß es was weiter ist. De
We
Es krabbelt ihr ums Herz, doch sie versteht nicht, was.
Mit sanfter Freundlichkeit schleicht Amor, der Betrüger;
Wer keinen Tiger ke
Und sie versteht es nicht, warum die Mutter schmält.
Voll Tugend, we
Und kommt Erfahrenheit zu ihren andern Gaben,
So sei ihr Ma
Sophie.
Du ke
Söller.
O laß das immer sein!
Den Mädchen ist ein Kuß, was uns ein Glas voll Wein,
Eins, und da
We
Genug, du bist nun mein! — Ist es nicht vierthalb Jahr,
Daß Herr Alcest dein Freund und hier im Hause war?
Wie lange war er weg? Zwei Jahre, denk ich.
Sophie.
Drüber.
Söller.
Nun ist er wieder da, schon vierzehn Tage —
Sophie.
Lieber,
Zu was dient der Diskurs?
Söller.
Eh nun, daß man was spricht.
De
Warum ist er wohl hier?
Sophie.
Ei, um sich zu vergnügen.
Söller.
Ich glaube wohl, du magst ihm sehr am Herzen liegen.
We
Sophie.
Die Liebe ka
Du glaubst!
Söller.
Ich glaube nichts, und ka
Ein Ma
Der allersüßte Ton, den auch der Schäfer hat,
Es ist doch nur ein Ton, und der wird endlich matt.
Sophie ungeduldig.
Ja, ja, das weiß ich wohl; doch ist der deine besser?
Die Unzufriedenheit in dir wird täglich größer.
Nicht einen Augenblick bist du mit Necken still.
Man sei erst liebenswert, we
Warst du de
Erwarbst du dir ein Recht, mir ewig vorzurücken,
Was doch im Grund nichts ist? Es wankt das ganze Haus;
Du nimmst allein nichts ein, und gibst allein fast aus.
Du lebst in Tag hinein; fehlt dir's, so machst du Schulden,
Und we
Und du fragst nicht darnach, wie sie ihn kriegen ka
Willst du ein braves Weib, so sei ein rechter Ma