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Der Regenmacher gehörte zwar zu den wenigen, welche einen Beruf ausübten, eine spezielle Kunst und Fähigkeit eigens ausgebildet hatten, doch war sein Alltagsleben von dem aller andern nach außen hin nicht so sehr verschieden. Er war ein hoher Beamter und genoß Ansehen, erhielt auch Abgaben und Lohn vom Stamm, sooft er für die Allgemeinheit zu tun hatte, doch kam dies nur bei besonderen Anlässen vor. Seine weitaus wichtigste und feierlichste, ja heilige Funktion war es, im Frühling für jede Art von Frucht und Kraut den Tag der Aussaat zu bestimmen; dies tat er unter genauer Berücksichtigung des Mondstandes teils nach ererbten Regeln, teils nach der eigenen Erfahrung. Die feierliche Handlung der Saateröffnung selbst, das Ausstreuen der ersten Handvoll Korn und Samen ins Gemeindeland, gehörte aber schon nicht mehr zu seinem Amt, so hoch stand kein Ma
Außer der Sorge um das Wetter hatte der Meister noch eine Art privater Praxis, als Geisterbeschwörer, als Anfertiger von Amuletten und Zaubermitteln und in gewissen Fällen als Arzt, soweit dies nicht der Ahnmutter vorbehalten war. Im übrigen aber lebte Meister Turu das Leben jedes andern. Er half, we
Knecht hatte mehr mit den Si
Neben Knecht wuchs in der Hütte die kleine Ada auf, ein hübsches Kind, des Alten Liebling, und als diesem die Zeit gekommen schien, gab er sie seinem Schüler zur Frau. Knecht galt von jetzt an als des Regenmachers Gehilfe, Turu stellte ihn der Dorfmutter als seinen Schwiegersohn und Nachfolger vor und ließ sich von da an in manchen Verrichtungen und Amtshandlungen von ihm vertreten. Allmählich, mit den Jahreszeiten und Jahren, versank der alte Regenmacher ganz in die einsame Beschaulichkeit der Greise und überließ ihm sein ganzes Amt, und als er starb – man fand ihn tot am Herdfeuer hocken, über einige Töpfchen mit magischem Gebräu gebückt, das weiße Haar vom Feuer angesengt –, da war schon seit langem der Junge, der Schüler Knecht, dem Dorfe als Regenmacher beka
Es erging Knecht, wie es vorzeiten seinem Lehrer ergangen war. Ein Teil seiner Angst ward zu Frömmigkeit und zu Geist. Ein Teil seines jugendlichen Strebens und seiner tiefen Sehnsucht blieb lebendig, ein Teil starb dahin und verlor sich im Älterwerden in der Arbeit, in der Liebe und Sorge für Ada und die Kinder. Immer galt seine größte Liebe und angelegentlichste Forschung dem Monde und seinem Einfluß auf die Jahreszeiten und Witterungen; hierin erreichte er seinen Meister Turu und übertraf ihn am Ende. Und weil das Wachsen des Mondes und sein Schwinden so eng mit dem Sterben und Geborenwerden der Menschen zusammenhing, und weil von allen den Ängsten, in welchen die Menschen leben, die Angst vor dem Sterbenmüssen die tiefste ist, darum gewa
Er hatte diese Gaben und Tugenden in manchen harten Proben zu bewähren. Einmal hatte er eine Periode von Mißwachs und feindseliger Witterung zu bestehen, die sich über zwei Jahre ausdehnte, es war die größte Prüfung seines Lebens. Da hatten die Widrigkeiten und bösen Anzeichen schon bei der wiederholt verschobenen Aussaat bego