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Als der Knabe Josef Knecht von Berolfingen Abschied nehmen mußte, war es sein Musiklehrer, der ihn zum Bahnhof begleitete. Von ihm tat der Abschied ihm weh, und ein wenig wallte ihm auch das Herz in einem Gefühl von Alleingebliebensein und Unsicherheit, als im Dahinfahren der hellgetünchte Treppengiebel des alten Schloßturmes untersank und verschwunden blieb. Mancher andre Schüler tritt diese erste Reise mit viel heftigeren Gefühlen, verzagt und in Tränen an. Josef war mit dem Herzen schon mehr drüben als hier, er überstand es leicht. Und die Reise war nicht lang.

Er war der Schule Eschholz zugeteilt worden. Bilder dieser Schule hatte er früher schon im Amtszimmer seines Rektors gesehen. Eschholz war die größte und die jüngste Schulsiedlung von Kastalien, die Bauten alle aus neuerer Zeit, keine Stadt in der Nähe, nur eine dorfähnliche kleine Niederlassung, eng von Bäumen umstanden; dahinter entfaltete sich weit, eben und heiter die Anstalt, um ein großes freies Rechteck angelegt, in dessen Mitte, geordnet wie die Fünf auf einem Würfel, fünf stattliche Mammutbäume ihre dunklen Kegel in die Höhe trieben. Der riesige Platz war teils mit Rasen, teils mit Sand bedeckt und nur von zwei großen Schwimmbassins mit fließendem Wasser unterbrochen, zu welchen breite flache Stufen hinabführten. Beim Eingang zu diesem so

Bei der Ankunft wurde nach kastalischer Sitte der Knabe nicht von einem Schuldiener empfangen und vor einen Rektor oder ein Lehrerkollegium geführt, sondern es empfing ihn ein Kamerad, ein hübscher, großgewachsener Knabe, in blaues Leinen gekleidet, ein paar Jahre älter als Josef, der gab ihm die Hand und sagte: »Ich bin Oskar, der älteste vom Haus Hellas, wo du wohnen wirst, und es ist mein Auftrag, dich bei uns willkommen zu heißen und einzuführen. In der Schule wirst du erst morgen erwartet, wir haben hübsch Zeit, alles ein wenig anzusehen, du wirst dich schnell auske

So begrüßte, in der hergebrachten Weise, der vom Hausvorstand zu Josefs Mentor erna

Im übrigen war für Knecht das Internatsleben nichts Neues; er ordnete sich ohne Mühe ein. Es sind auch aus seinen Eschholzer Jahren wichtige Ereignisse nicht überliefert; den furchtbaren Brand im Schulhause ka

Da wir an Dokumenten über Knechts erste Eliteschulzeit so arm sind, ziehen wir eine Stelle aus seinen spätem Vorlesungen über das Glasperlenspiel heran. Allerdings liegen von Knecht eigene Manuskripte zu diesen für Anfänger gehaltenen Vorlesungen nicht vor, ein Schüler hat sie nach seinem freien Vortrag stenographiert. Knecht spricht an jener Stelle über Analogien und Assoziationen im Glasperlenspiel und unterscheidet bei den letztern zwischen »legitimen,« das heißt allgemeinverständlichen, und »privaten« oder subjektiven Assoziationen. Er sagt dort: »Um euch ein Beispiel für diese privaten Assoziationen zu geben, welche ihren privaten Wert dadurch nicht verlieren, daß sie im Glasperlenspiel unbedingt verboten sind, erzähle ich euch von einer solchen Assoziation aus meiner eigenen Schülerzeit. Ich war etwa vierzehn Jahre alt, und es war im Vorfrühling, im Februar oder März, da lud ein Kamerad mich ein, eines Nachmittags mit ihm auszugehen, um ein paar Holunderstämmchen zu schneiden, die wollte er als Röhren beim Bau einer kleinen Wassermühle benutzen. Wir zogen also aus, und es muß ein besonders schöner Tag in der Welt oder in meinem Gemüt gewesen sein, de

Einer von Knechts Mitschülern, der es später bis zum ersten Archivar des Glasperlenspiels gebracht hat, wußte zu erzählen, daß Knecht im ganzen ein stillfröhlicher Knabe gewesen sei, beim Musizieren habe er zuweilen einen wunderbar versunkenen oder seligen Ausdruck gehabt, heftig und leidenschaftlich habe man ihn nur selten gesehen, besonders beim rhythmischen Ballspiel, das er sehr liebte. Einige Male aber sei der freundliche, gesunde Knabe aufgefallen und habe Spott oder auch Besorgnis erregt, nämlich bei einigen Fällen von Schülerentlassungen, wie sie ja namentlich an den niedern Eliteschulen des öftern notwendig werden. Als es das erstemal vorkam, daß ein Klassenkamerad beim Unterricht und Spiel fehlte und auch andern Tages nicht wiederkam und es sich herumsprach, daß er nicht etwa krank, sondern entlassen und abgereist sei und nicht wiederkommen werde, da sei Knecht nicht nur traurig, sondern tagelang wie verstört gewesen. Er selbst habe sich später, um Jahre später, so darüber geäußert: »We