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Drittes Kapitel
Eine wunderliche Freundschaft war es, welche zwischen Narziß und Goldmund bega
Narziß, der Denker, hatte es damit zunächst am schwersten. Ihm war alles Geist, auch die Liebe; es war ihm nicht gegeben, gedankenlos sich einer Anziehung anheimzugeben. Er war in dieser Freundschaft der führende Geist, und lange Zeit war er es allein, der Schicksal, Umfang und Si
Für Goldmund war es zuerst eine Erlösung und Genesung. Sein junges Liebesbedürfnis war soeben, durch den Anblick und Kuß eines hübschen Mädchens, mächtig aufgeweckt und zugleich hoffnungslos zurückgeschreckt worden. De
Schon im ersten Frühling dieser Freundschaft aber stieß er auf wunderliche Hemmnisse, auf unerwartete, rätselhafte Kälten, auf erschreckende Forderungen. De
In Wirklichkeit wußte Narziß recht wohl, was an seinem Freunde sei, er war nicht blind für seine blühende Schönheit, noch für seine naturhafte Lebenskraft und blumige Fülle. Er war keineswegs ein Schulmeister, der eine glühende junge Seele mit Griechisch füttern, eine unschuldige Liebe mit Logik beantworten wollte. Allzusehr vielmehr liebte er den blonden Jüngling, und für ihn war dies eine Gefahr; de
Unendlich langsam rückte er dem Ziele näher. Monate vergingen, ehe auch nur ein ernster Angriff, ein tiefgreifendes Gespräch zwischen beiden möglich wurde. So weit waren sie, trotz aller Freundschaft, auseinander, so weit war der Bogen zwischen beiden gespa
Die erste Bresche schlug Narziß, als er das Erlebnis zu erforschen suchte, das ihm damals den erschütterten Knaben in einer schwachen Stunde zugetrieben hatte. Die Erforschung war weniger schwierig, als er gedacht hatte. Längst fühlte Goldmund das Bedürfnis, das Erlebnis jener Nacht zu beichten; doch gab es niemanden außer dem Abt, zu dem er genug Vertrauen fühlte, und der Abt war nicht sein Beichtvater. Als nun Narziß in einer Stunde, die ihm günstig schien, den Freund an jenen ersten Begi
Vorsichtig, listig grub Narziß weiter, die Fährte war gefunden. »Du eri
»Du hilflos!?« rief der Freund ungläubig. »Aber der Hilflose war ja ich! Ich war es doch, der dastand und schluckte und kein Wort herausbrachte und schließlich wie ein Kind zu weinen anfing! Pfui, ich schäme mich noch heute dieser Stunde; ich glaubte, ich würde dir nie mehr vor die Augen treten kö
Tastend drang Narziß vor.
»Ich verstehe«, sagte er, »daß dir das unangenehm war. Ein so fester und tapferer Kerl wie du, und vor einem Fremden weinen, gar noch vor einem Lehrer, das paßte in der Tat nicht zu dir. Nun, damals hielt ich dich eben für krank. We
Goldmund zögerte ein wenig, da
Mit gesenktem Kopf erzählte er dem Freunde die Geschichte jener Nacht.
Lächelnd sagte darauf Narziß: »Nun ja, das ‚Ins Dorf gehen’ ist in der Tat verboten. Aber man ka
Ohne Hemmung, zornig brach nun Goldmund los: »Du sprichst wirklich wie ein Schullehrer! Du weißt ja genau, um was es sich handelt! Natürlich sehe ich keine große Sünde darin, einmal den Hausregeln ein Schnippchen zu schlagen und einen Schülerstreich mitzumachen, obwohl auch das ja nicht gerade zu den Vorübungen des Klosterlebens gehört.«
»Halt!« rief Narziß scharf. »Weißt du nicht, Freund, daß für viele fromme Väter gerade diese Vorübungen nötig waren? Weißt du nicht, daß einer der kürzesten Wege zum Leben eines Heiligen das Leben des Wüstlings sein ka
»Ach, rede nicht!« wehrte Goldmund ab. »Ich wollte sagen: nicht das bißchen Ungehorsam war es, das mein Gewissen belud. Es war etwas anderes. Es war das Mädchen. Es war ein Gefühl, das ich dir nicht schildern ka
Narziß nickte, sehr nachdenklich.
»Die Liebe zu Gott«, sagte er langsam, die Worte suchend, »ist nicht immer eins mit der Liebe zum Guten. Ach, we
»Verstehst du mich de
»Jawohl, genau so fühle ich es.«
»Du siehst, ich verstehe dich. Du hast ja auch nicht so sehr unrecht, die Geschichte von Eva und der Schlange ist ja wahrlich keine müßige Fabel. Und doch hast du nicht recht, Lieber. Du hättest recht, we