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Mit irgendeinem geheimen Si
In der Kunst und im Künstlersein lag für Goldmund die Möglichkeit einer Versöhnung seiner tiefsten Gegensätze, oder doch eines herrlichen, immer neuen Gleichnisses für den Zwiespalt seiner Natur. Aber die Kunst war kein reines Geschenk, sie war keineswegs umsonst zu haben, sie kostete sehr viel, sie verlangte Opfer. Mehr als drei Jahre lang hatte Goldmund ihr das Höchste und Unentbehrlichste geopfert, was er nächst der Liebeswollust ka
Einen Teil des Geopferten fand er wieder, eine kleine Rache an der sklavenhaften Ordnung und Seßhaftigkeit seines jetzigen Lebens nahm er in gewissen Abenteuern, die mit der Liebe zusammenhingen, in den Raufhändeln mit Nebenbuhlern. Alle eingesperrte Wildheit, alle eingeklemmte Kraft seines Wesens rauchte zu diesem Notloche hinaus, er wurde ein beka
Dies alles füllte seine Tage reichlich aus, und alles hatte auch einen Si
Er stand auf und sah seinen Freund Narziß, den Führer seiner Jünglingsjahre, mit lauschend erhobenem Gesichte stehen, bekleidet mit Gewand und Rolle des schönen Lieblingsjüngers, mit einem Ausdruck von Stille, Hingegebenheit und Andacht, der wie die Knospe eines Lächelns war. Diesem schönen, frommen und geistigen Gesicht, dieser schlanken wie schwebenden Gestalt, diesen anmutig und fromm erhobenen, langen Händen waren Schmerz und Tod nicht unbeka
Goldmund stand und betrachtete sein Werk. Als Andacht vor dem Denkmal seiner ersten Jugend und Freundschaft bega
Er riß sich los und ging in des Meisters Werkstatt hinüber. Leise trat er ein und blieb bei der Tür stehen, bis Niklaus ihn bemerkte und anrief. »Was ist, Goldmund?«
»Meine Figur ist fertig. Vielleicht kommet Ihr, eh Ihr zu Tische geht, einmal hinüber und seht sie an.«
»Gerne komme ich, gleich jetzt.«
Zusammen gingen sie hinüber und ließen die Tür offenstehen, daß es heller sei. Niklaus hatte seit längerer Weile die Figur nicht mehr gesehen und Goldmund bei der Arbeit ungestört gelassen. Jetzt betrachtete er das Werk mit schweigender Aufmerksamkeit, sein verschlossenes Gesicht wurde schön und hell, Goldmund sah seine strengen blauen Augen froh werden.
»Es ist gut«, sagte der Meister. »Es ist sehr gut. Es ist dein Gesellenstück, Goldmund, du hast jetzt ausgelernt. Ich werde deine Figur denen von der Zunft zeigen und werde verlangen, daß sie dir dafür den Meisterbrief geben, du hast ihn verdient.«
Goldmund legte auf die Zunft wenig Wert, aber er wußte, wieviel Anerke
Indem Niklaus nochmals langsam rund um die Figur des Joha
Goldmund lächelte.
»Ihr wißt, daß ich in dieser Figur nicht mich selber abgebildet habe, sondern meinen liebsten Freund. Er ist es, der die Klarheit und den Frieden in das Bild gebracht hat, nicht ich. Ich war es ja eigentlich nicht, der das Bild gemacht hat, sondern er hat es mir in die Seele gegeben.«
»So mag es sein«, sagte Niklaus. »Es ist ein Geheimnis, auf welche Art solch ein Bild entsteht. Ich bin nicht eben demütig, aber ich muß sagen: ich habe viele Werke gemacht, die weit hinter deinem zurückbleiben, nicht an Kunst und Sorgfalt, aber an Wahrheit. Nun, du weißt wohl selbst, man ka
»Ja«, sagte Goldmund, »als die Figur fertig wurde und ich sie ansah, dachte ich mir: etwas solches ka
Verwundert und unwillig blickte Niklaus ihn an, seine Augen waren wieder streng geworden.
»Wir werden darüber noch sprechen. Für dich sollte die Arbeit nun erst recht begi
Um Mittag trat Goldmund gekämmt und gewaschen im So
Auch Lisbeth war geputzt und trug eine Kette mit Steinen um den Hals, und zu Tische gab es außer dem Karpfen und Wein noch eine Überraschung; der Meister schenkte ihm einen ledernen Geldsäckel, in dem waren zwei Goldstücke, Goldmunds Lohn für die fertig gewordene Figur. Diesmal saß er nicht stumm, während Vater und Tochter sich unterhielten. Beide sprachen ihn an, und es wurde mit den Bechern angestoßen. Goldmunds Augen waren fleißig, er nahm die Gelegenheit wahr, das schöne Mädchen mit dem vornehmen und etwas hochmütigen Gesicht genau zu betrachten, und seine Augen verschwiegen nicht, wie sehr sie ihm gefalle. Sie zeigte sich artig gegen ihn, aber daß sie nicht errötete noch warm wurde, enttäuschte ihn. Wieder wünschte er i
Einem Einfall folgend, mietete er ein Pferd und ritt in das Kloster hinaus, wo er einst zum erstenmal ein Werk des Meisters gesehen und seinen Namen gehört hatte. Vor ein paar Jahren war das gewesen und war doch so unausdenklich lange her. In der Klosterkirche besuchte und betrachtete er die Mutter Gottes, und auch heute wieder entzückte und bezwang ihn dieses Werk; es war schöner als sein Joha