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Neuntes Kapitel
Von manchem Ritt her ka
Er lief sich müde. Mit dem Reiten ist's nun vorbei, dachte er. O weite Welt! Es fiel wenig Schnee, in der Ferne liefen Waldrücken und Wolken grau ineinander, unendlich lag die Stille, bis ans Ende der Welt. Was war nun wohl mit Lydia, dem armen ängstlichen Herzen? Bitter tat es ihm leid um sie; zärtlich dachte er an sie, während er, mitten im leeren Ried, unter einer alleinstehenden kahlen Esche saß und rastete. Endlich vertrieb ihn die Kälte, mit steifen Beinen stand er auf, brachte sich langsam in einen zügigen Schritt, schon schien das dürftige Licht des trüben Tages wieder abzunehmen. Während des langen Trabens übers leere Gefild vergingen ihm die Gedanken. Es galt jetzt nicht zu denken oder Gefühle zu hegen, seien sie noch so zärtlich, seien sie noch so schön; es galt sich warm zu halten, es galt beizeiten das Nachtlager zu erreichen, es galt sich wie Marder und Fuchs durch diese kalte, unwirtliche Welt zu bringen und womöglich nicht jetzt schon im freien Feld kaputt zu gehen; alles andere war nicht wichtig.
Verwundert blickte er um sich, als er einen fernen Hufschlag zu hören glaubte. War es möglich, daß man ihn verfolgte? Er griff nach dem kleinen Jagdmesser in seiner Tasche und machte die hölzerne Scheide locker. Nun bekam er den Reiter zu Gesicht und erka
»Wo willst de
»Zu dir«, lachte der Bursche mit blanken Zähnen. »Du bist schon ein braves Stück gelaufen! Also aufhalten darf ich mich nicht, ich soll dich bloß grüßen und dir das übergeben.«
»Von wem de
»Vom Fräulein Lydia. Na, du hast uns da einen sauren Tag eingebrockt, Magister Goldmund, ich bin froh, daß ich mich ein bißchen verziehen ko
Er streckte ihm einen kleinen Packen hin, den Goldmund m Empfang nahm.
»Sag, Hans, hast du etwa ein Stück Brot in der Tasche? Da
»Brot? Wird sich schon noch eine Kruste finden.« Er bohrte in seinen Taschen und brachte ein Stück Schwarzbrot heraus. Da
»Was macht de
»Nichts. Ich sah sie bloß einen Augenblick. Schlechtes Wetter im Haus, weißt du; der Herr läuft herum wie König Saul. Also ich soll dir das Zeug da abgeben, weiter nichts. Ich muß zurück.«
»Ja, nur noch einen Augenblick! Du, Hans, kö
Aber davon wollte Hans nichts wissen. Es sollte ihm leid tun, meinte er, we
Sie schüttelten einander die Hände, der Bub ritt davon; mit sonderbar wehem Herzen blickte Goldmund ihm nach. Da
In einem Dorfe, wo es bei armen Bauern kein Brot, aber eine Hirsesuppe gab, fand er an einem der nächsten Abende Nachtlager. Neue Erlebnisse warteten hier auf ihn. Die Bäuerin, deren Gast er war, kam in der Nacht mit einem Kinde nieder, und Goldmund war dabei anwesend, man hatte ihn aus dem Stroh geholt, damit er helfe, obwohl sich am Ende nichts für ihn zu tun fand, als daß er das Licht hielt, während die Hebamme beschäftigt war. Er sah zum erstenmal eine Geburt und hing mit erstaunten, glühenden Augen am Gesicht der Gebärenden, plötzlich um ein neues Erlebnis reicher geworden. Wenigstens schien das, was er hier im Gesicht der Gebärenden wahrnahm, ihm sehr bemerkenswert. Beim Schein des Kienspans nämlich, während er mit seiner großen Neugierde in das Gesicht der kreißenden Frau starrte, die in ihren Schmerzen lag, fiel ihm etwas Unerwartetes auf: die Linien im verzerrten Gesicht der Schreienden waren wenig verschieden von jenen, die er im Augenblick des Liebesrausches auf anderen Frauengesichtern gesehen hatte! Der Ausdruck großen Schmerzes in einem Gesicht war heftiger zwar und mehr entstellend als der Ausdruck großer Lust – aber er war im Grunde nicht von ihm verschieden, es war dasselbe etwas grinsende Sichzusammenziehen, dasselbe Aufglühen und Erlöschen. Wunderbar, ohne daß er begriff warum, überraschte ihn diese Einsicht, daß Schmerz und Lust einander ähnlich sein ko
Noch etwas anderes erlebte er in diesem Dorfe. Der Nachbarsfrau wegen, deren er arn Morgen nach der Geburtsnacht ansichtig geworden war und welche alsbald auf die Frage seiner verliebten Augen Antwort gab, blieb er eine zweite Nacht im Dorf und machte die Frau sehr glücklich, de
Dieser spitzbärtige Ma
Goldmund, noch wenig mit dem Galgenhumor und dem Vagantenlatein dieser Gattung beka