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»Ich bin nicht so wie die Frau, deren Fuß du gestern gestreichelt hast. Du scheinst an solche Frauen gewöhnt zu sein.«
»Nein, Gott sei Dank bist du viel schöner und feiner als sie.«
»Ich meine nicht das.«
»Oh, es ist aber so. Weißt du de
»Ich habe einen Spiegel.«
»Hast du darin einmal deine Stirn gesehen, Lydia? Und da
»Wie du sprichst! Ich habe es eigentlich nie gesehen, aber jetzt, wo du es sagst, weiß ich doch, was du meinst. Höre, du bist doch ein Verführer, jetzt versuchst du es, mich eitel zu machen.«
»Schade, ich ka
»Was soll ich de
»Ich von dir, Lydia, und du von mir. Aber du willst ja nicht. Du willst ja nur den liebhaben, dessen Braut du sein wirst. Er wird lachen, we
»So, also im Küssen möchtest du mir Unterricht geben, Herr Magister?«
Er lächelte ihr zu. Gefielen auch ihre Worte ihm nicht, so ko
Langsam richtete Lydia sich auf, mit verwandeltem Gesicht, ernst und groß blickten ihre liebenden Augen.
»Laß mich gehen, Goldmund«, sagte sie, »ich war so lange bei dir. O du, o mein Lieber du!«
Sie fanden jeden Tag ihre verschwiegene Stunde, und Goldmund ließ sich ganz von der Liebenden führen, wunderbar beglückte und rührte ihn diese Mädchenliebe. Manches Mal mochte sie eine ganze Stunde lang nichts als seine Hände in ihren halten und in seine Augen sehen und nahm Abschied mit einem Kinderkuß. Andere Male küßte sie hingegeben und unersättlich, duldete aber keine Berührung. Einmal, tief errötend und mit Überwindung, im Willen, ihm eine große Freude zu machen, ließ sie ihn eine ihrer Brüste sehen; schüchtern brachte sie die kleine weiße Frucht aus dem Kleide hervor; als er sie kniend geküßt hatte, verhüllte sie sie wieder mit Sorgfalt und war noch immer rot bis zum Halse. Sie sprachen auch, aber auf eine neue Art, nicht mehr so wie am ersten Tage; sie erfanden Namen füreinander, gern erzählte sie ihm von ihrer Kindheit, ihren Träumen und Spielen. Auch davon sprach sie oft, daß ihre Liebe unrecht sei, da er sie nicht heiraten kö
Zum erstenmal fühlte sich Goldmund von einer Frau nicht nur begehrt, sondern geliebt.
Lydia sagte einst: »Du bist so hübsch und siehst so heiter aus. Aber in deinen Augen i
Er ließ sie sprechen, manchmal lächelte er dazu, manchmal war er betrübt. Mit Worten tröstete er sie nie, nur mit leisem Streicheln, nur indem er ihren Kopf an seiner Brust hielt und leise si
So ko
Mit seiner sanften Musik sank das Lied in seine Seele, zugleich aber sang draußen der Wind, sang von Unfriede und Wanderung, vom Wald, vom Herbst, vom Leben der Heimatlosen. Er dachte an Lydia und dachte an Narziß und an seine Mutter, voll und schwer war sein unruhiges Herz. Da schreckte er auf und starrte ungläubig: die Kammertür war aufgegangen, im Dunkeln kam eine Gestalt im langen weißen Hemde herein, lautlos kam Lydia mit bloßen Füßen über die Steinfliesen hereingegangen, schloß sachte die Tür und setzte sich auf sein Lager.
»Lydia«, flüsterte er, »mein Rehlein, meine weiße Blume! Lydia, was tust du?«
»Ich komme zu dir«, sagte sie, »bloß für einen Augenblick. Ich will doch einmal sehen, wie mein Goldmund in seinem Bettlein liegt, mein Goldherz.«
Sie legte sich zu ihm, still lagen sie, mit schweren schlagenden Herzen. Sie ließ ihn küssen, sie ließ seine bewundernden Hände an ihren Gliedern spielen, mehr war nicht erlaubt. Nach einer kurzen Weile streifte sie seine Hände sanft von sich, küßte ihn auf die Augen, stand lautlos auf und verschwand. Die Tür knarrte, im Dachstuhl klirrte und drückte der Wind. Alles war verzaubert, voll Geheimnis, voll Bangigkeit, voll Versprechen, voll Drohung. Goldmund wußte nicht, was er denke, was er tue. Als er nach einem unruhigen Schlummer wieder erwachte, war sein Kissen naß von Tränen.
Sie kam nach einigen Tagen wieder, das süße weiße Gespenst, und lag eine Viertelstunde bei ihm, wie das letztemal. Flüsternd sprach sie, von seinen Armen umschlossen, ihm ins Ohr, sie hatte viel zu sagen und zu klagen. Zärtlich hörte er ihr zu, sie lag auf seinem linken Arm, mit der rechten Hand streichelte er ihre Knie.
»Goldmündchen«, sagte sie, mit ganz gedämpfter Stimme dicht an seiner Wange, »es ist so traurig, daß ich nie werde dir gehören dürfen. Es wird nicht lang mehr dauern, unser kleines Glück, unser kleines Geheimnis. Julie hat schon Verdacht, bald wird sie mich zwingen, es ihr zu sagen. Oder der Vater merkt es. We
»Willst du de
»Das wäre sehr schön«, klagte sie, »ach wie schön, mit dir durch die ganze Welt zu laufen! Aber ich ka
Er streichelte sachte ihre Knie, und indem er ganz zart ihre Scham berührte, bat er: »Blümchen, wir kö
Sie drängte ohne Unwillen, aber mit Kraft seine Hand beiseite und rückte etwas von ihm weg. »Nein«, sagte sie, »nein, das darfst du nicht. Es ist mir verboten. Du kleiner Zigeuner verstehst das vielleicht nicht. Ich tue ja unrecht, ich bin ein schlechtes Mädchen, ich mache dem ganzen Haus Schande. Aber irgendwo in meiner Seele dri