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In seinem Moosbett, vor dem Einschlafen, hörte er neugierig und ängstlich die vielen unverständlichen, rätselhaften Nachtgeräusche des Waldes. Sie waren jetzt seine Kameraden, mit ihnen mußte er leben, sich an sie gewöhnen, sich mit ihnen messen und vertragen; er gehörte zu den Füchsen und Rehen, zu Ta
Da
Verwundert blickte er sich am Morgen im Walde um, er hatte vergessen, wo er war. Die Waldangst bega
Spähend näherte er sich der Hütte, aus der das Kuhgebrüll gekommen war. Vor der Haustür saß im Staube ein kleiner Knabe mit rötlichem Haar und hellblauen Augen, der hatte einen irdenen Topf voll Wasser neben sich stehen, und aus dem Staub und dem Wasser machte er einen Teig, mit dem seine nackten Beine schon überzogen waren. Glücklich und ernsthaft drückte er den nassen Dreck zwischen seinen Händen, sah ihn zwischen den Fingern hervorquellen, machte Kugeln daraus und nahm zum Kneten und Formen auch noch sein Ki
»Grüß Gott, Bub«, sagte Goldmund sehr freundlich. Aber der Kleine, als er aufblickte und einen Fremden sah, riß das Mäulchen auf, verzog das feiste Gesicht und lief plärrend auf allen vieren zur Haustür hinein. Goldmund folgte ihm und kam in die Küche; sie war so dämmerig, daß er, aus dem hellen Mittagsglast hereinkommend, anfangs nichts zu sehen vermochte. Er sprach für alle Fälle einen frommen Gruß, es kam keine Antwort; über dem Geschrei des erschreckten Knaben wurde aber allmählich eine dü
»Grüß dich Gott, Mutter«, rief Goldmund, »und alle lieben Heiligen sollen dein gutes Gesicht segnen; seit drei Tagen habe ich kein Menschengesicht mehr gesehen.«
Blöde schaute das alte Weiblein aus weitsichtigen Augen.
»Was willst de
Goldmund gab ihr die Hand und streichelte die ihre ein wenig. »Grüß Gott sagen will ich dir, Großmütterchen, und ein bißchen ausruhen und dir beim Feuermachen helfen. Ein Stück Brot, we
Er sah eine Bank an die Wand gezimmert, auf die setzte er sich, während die Alte dem Buben ein Stück Brot abschnitt, der jetzt gespa
»Danke schön«, sagte er, »Gott soll dir's lohnen.«
»Hast du einen leeren Bauch?« fragte das Weib. »Das nicht, er ist voll von Heidelbeeren.«
»Na da
»Von Mariabro
»Bist ein Pfaff?«
»Das nicht. Ein Schüler. Auf Reisen.«
Sie sah ihn an, halb spöttisch, halb blöde, und schüttelte ein wenig den Kopf auf dem hagern faltigen Halse. Sie ließ ein paar Bissen kauen und brachte den Kleinen wieder an die So
»Weißt du was Neues?«
»Nicht viel. Ke
»Nein. Was ist mit dem?«
»Krank ist er.«
»Krank? Muß er sterben?«
»Weiß nicht. Es ist in den Beinen. Er ka
»Muß er sterben?«
»Ich weiß nicht. Vielleicht.«
»Na, laß ihn sterben. Ich muß Suppe kochen. Hilf mir Späne schneiden.«
Sie gab ihm ein Ta
Goldmund holte auf ihren Befehl Wasser am Bru
Es kam der Bauer mit seinem Weibe, die waren sehr erstaunt, einen Fremden im Haus zu treffen. Der Bauer wollte schon zu schimpfen anfangen, mißtrauisch zog er den Jüngling am Arm zur Tür, um beim Tageslicht sein Gesicht zu besehen; da
Die Bäuerin hatte den Kleinen neben sich, sie nahm nicht am Gespräch teil; aber während des Essens nahmen ihre neugierigen Augen von dem jungen Fremden Besitz. Seine Locken und sein Blick hatten ihr sogleich Eindruck gemacht, da
Er sah ihr ins sommersprossige Gesicht, sah ihre starken Arme den Eimer rücken, warm blickten ihre hellen großen Augen. Er lächelte ihr zu und nickte, und schon schritt sie mit dem vollen Eimer weg und verschwand im Dunkel der Türe. Dankbar saß er, sehr zufrieden, und hörte dem laufenden Wasser zu. Ein wenig später ging er hinein, suchte den Bauern, gab ihm und der Großmutter die Hand und bedankte sich. Es roch nach Feuer, nach Ruß und nach Milch in der Hütte. Eben war sie noch Obdach und Heimat gewesen, schon ward sie wieder Fremde. Grüßend ging er hinaus. Jenseits der Hütten fand er eine Kapelle stehen, und in ihrer Nähe ein schönes Gehölz, eine Gruppe alter starker Eichen, mit kurzem Grase darunter. Hier im Schatten blieb er und wandelte spazierend zwischen den dicken Stämmen hin und wider. Sonderbar, dachte er, war das mit den Frauen und der Liebe; sie bedurften in der Tat keiner Worte. Eines Wortes hatte die Frau bloß bedurft, um ihm den Ort des Stelldicheins zu bezeichnen, alles andere hatte sie nicht mit Worten gesagt. Womit de